präsentiert von
Suchen Fill-1
Menü
Interview

Maier: „Manuel ist ein alter Fuchs“

Increase font size Schriftgröße

Wenn man an Legenden des FC Bayern denkt, führt kein Weg an Sepp Maier vorbei. 473 Mal lief die „Katze von Anzing“ für den FCB in der Bundesliga auf – so oft wie kein anderer Spieler. Nimmt man alle Wettbewerbe zusammen, hatte nur Oliver Kahn (632) mehr Einsätze für den deutschen Rekordmeister als Maier (629). In dieser Woche stattete der heute 74-Jährige der Säbener Straße mal wieder einen Besuch ab. An dem Ort, wo er seine gesamte Karriere verbracht hatte, sprach der Rekord-Nationaltorhüter (95 Länderspiele) in seiner unverblümten Art über Manuel Neuer, die anstehende WM und was er vom FC Bayern in der kommenden Saison erwartet.

Das Interview mit Sepp Maier

Schön, Sie wieder an der Säbener Straße zu sehen. Wie ist es für Sie, hierher zu kommen, wo Sie Ihre gesamte Karriere verbracht haben?
Sepp Maier: „Es ist wie immer, aber nicht mehr so wie es war. Es hat sich alles verändert. Als ich angefangen habe, hatten wir gar nichts. Da gab es ein kleines Häuschen und eine Holzhütte. Das war vor 60 Jahren. Es hat sich einiges getan.“

Derzeit ist es aber ruhig an der Säbener Straße, die WM steht vor der Tür. Freuen Sie sich schon? Wie verfolgen Sie das Turnier?
Maier: „Ich werde die Spiele schon anschauen. Wenn aber ein Golfturnier sein sollte, spiele ich Golf und schaue mir die Spiele eben später an. Man verpasst heutzutage ja nichts mehr. Und bei den ersten drei Spielen der deutschen Mannschaft werde ich ohnehin als Kommentator auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten.“

In den letzten Monaten gab es eine große Diskussion um Manuel Neuer. Wie sehen Sie als ehemaliger Torhüter und Torwarttrainer die Nominierung?
Maier: „Da gibt es überhaupt keine Diskussion: Wenn er fit ist, spielt er! Er verlernt es ja nicht, auch wenn er sieben oder acht Monate nicht gespielt hat. Ich verlerne das Fahrradfahren ja auch nicht.“

Oft wurde die fehlende Spielpraxis kritisiert?
Maier: „Natürlich braucht man die, aber die bekommst du auch im Training. Da kommen die selben Situationen wie im Spiel und sogar noch häufiger hintereinander. Ein Spiel ist zwar schon noch ein bisschen anders, aber Manuel ist ein alter Fuchs. Er braucht nicht so lange. Wichtig ist, dass er fit ist und keine Schmerzen mehr hat. Löw hatte mit der Entscheidung absolut recht.“

Der DFB startet als Titelverteidiger in das Turnier, das lief die letzten Male nicht so gut. Warum? Sie haben das 1978 auch erlebt.
Maier: „Bisher konnten nur zwei Mannschaften den Titel verteidigen und das ist schon ewig her (Italien 1934 und 1938 sowie Brasilien 1958 und 1962, Anm. d. Red.). Ich glaube aber, wir haben ganz gute Chancen, die dritte Mannschaft zu werden, die den Titel verteidigt. Obwohl wir gegen Österreich verloren haben. Ich sehe die Franzosen und die Spanier, vielleicht sogar noch die Belgier als Favoriten. Ich glaube, die Mannschaften aus Südamerika spielen dieses Mal keine so große Rolle.“

Um den Titel zu verteidigen, wird es auch auf Manuel Neuer ankommen. Toni Tapalovic hat großen Anteil an seiner Karriere, die beiden arbeiten schon lange zusammen. Wie sehen Sie seine Arbeit?
Maier: „Ein Computer-Fachmann. Er arbeitet sehr akribisch und nimmt alles auf. Er analysiert das komplette Training hinterher. Er ist praktisch und technisch perfekt. Er versteht sehr viel von seinem Fach.“

Mit Christian Früchtl und Ron-Thorben Hoffmann hat der FCB zwei junge Torhütertalente unter Vertrag. Was ist für die beiden jetzt wichtig?
Maier: „Sie müssen lernen. Ich kann es aus eigener Erfahrung sagen, ich habe mit vielen jungen Torhütern gearbeitet. Man kann sich von einem Weltklasse-Torhüter wie Manuel Neuer viel abschauen. Sie müssen sich ausbilden lassen. Ich habe zwar schon mit 18 in der ersten Mannschaft gespielt, aber diese Zeiten sind vorbei. Das Training wird ihnen viel bringen.“

Was erwarten Sie vom FCB in der kommenden Saison?
Maier: „Die siebte Meisterschaft in Folge. Außerdem hoffe ich, dass wir mal wieder das Europacup-Finale erreichen. Vom Titel will ich gar nicht reden. Wir waren jetzt so oft nah dran und es hat nicht geklappt. Dieses Jahr war es sehr bitter. Bayern war gegen Madrid die eindeutig bessere Mannschaft, aber man braucht auch etwas Glück, wenn man etwas erreichen will.“

Mit Niko Kovac kommt ein neuer Trainer.
Maier: „Auf Niko bin ich sehr gespannt. Aber er wird hier beste Voraussetzungen vorfinden. Menschlich ist er super, er wird das reißen.“

Viele sagen, er hat außer dem Pokalsieg noch keine Erfolge vorzuweisen.
Maier: „Er hat seine Qualitäten als Trainer der kroatischen Nationalmannschaft gezeigt, als sie sich für die WM 2014 qualifiziert haben. Da waren viele Spieler dabei, die nicht so ganz einfach zu trainieren sind. Das mit den Erfolgen hat wenig zu sagen. Und er kann ja den Pokalsieg vorweisen, auch wenn es nicht richtig war, dass er gegen Bayern gewonnen hat. Ich hätte ihn ja sofort wieder ausgestellt (lacht).“

Weitere Inhalte