Ausblick auf die US-Tour: Interview mit Jörg Wacker

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Am Montag startet der FC Bayern zur Audi Summer Tour 2018. Nachdem es im vergangenen Jahr für den Deutschen Rekordmeister nach China und Singapur ging, heißen die Ziele dieses Jahr Philadelphia und Miami. Wenige Tage vor dem Abflug in die USA sprach Jörg Wacker, FCB-Vorstand Internationalisierung und Strategie, mit fcbayern.com über die Ziele und Erwartungen der Reise.

Das Interview mit Jörg Wacker

**Herr Wacker, die Mannschaft des FC Bayern München reist am kommenden Montag in die USA. Zuerst nach Philadelphia, dann weiter nach Miami. Was sind die Schwerpunkte auf der Audi Summer Tour 2018?
Jörg Wacker: „Grundsätzlich geht es bei unserer Audi Summer Tour darum, die Marke FC Bayern international kontinuierlich weiter auszubauen. Im Mittelpunkt steht natürlich der International Champions Cup (ICC, Anm. d. Red.) mit den Top-Spielen gegen Juventus Turin und Manchester City, die jeweiligen Meister Ihrer Ligen. Mit diesen Spielen und unserem Aufenthalt in Philadelphia und Miami wollen wir für unsere amerikanischen Fans noch stärker erlebbar werden. Deshalb wird es auch vor Ort Fan-Feste geben sowie ein Kleinfeldturnier, an dem unsere Legenden teilnehmen. Darüber hinaus werden auch eine Vielzahl an Marketing-, Kultur- und Presseterminen stattfinden. Außerdem sind Arbeitsgespräche mit Vertretern der National Basketball Association (NBA) und der National Football League (NFL) verabredet. Das Programm ist anspruchsvoll, vielseitig, emotional. Ich freue mich sehr!"

**Auf der US-Tour 2016 hießen die Ziele Chicago, Charlotte und New York. Warum fiel dieses Jahr die Wahl auf Philadelphia und Miami?
Wacker:„Beide Ostküsten-Städte sind hochattraktiv und passen perfekt in unsere internationale Strategie. Philadelphia ist eine lebendige Sportstadt. Die „Eagles" sind der aktuelle Super-Bowl-Champion. Außerdem gibt es dort eine große FC Bayern Fangemeinde. Miami wiederum ist das Einstiegstor für Mittel- und Südamerika. Das ist für uns sehr interessant, weil wir uns schon seit geraumer Zeit intensiv mit Lateinamerika beschäftigen. "

**Wie populär ist Fußball heute in den USA?
Wacker:„Der Fußball in den USA entwickelt sich seit Jahren sehr positiv. Bei den Jugendlichen ist Fußball die Sportart Nummer 1 geworden, das ist sehr bemerkenswert. Aktuell gibt es in den USA 25 Millionen aktive Fußballerinnen und Fußballer, von denen 18 Millionen jünger als 18 Jahre alt sind. Keine andere Sportart in den USA kann da mithalten und diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Getrieben wird sie sehr vom wachsenden Bevölkerungsanteil der fußballverrückten, hispanischen Bevölkerungsgruppe, die gegenwärtig schon 60 Millionen Menschen ausmacht. "

Das heißt, der FC Bayern profitiert von einem sich dynamisch entwickelnden Markt?
Wacker:„Definitiv. Allerdings auch davon, dass die Mitarbeiter des FC Bayern im US-Office unter der Leitung von Rudolf Vidal seit 2014 einen klasse Job machen. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Anzahl der Sympathisanten des FC Bayern in den USA nahezu verdoppelt, auf nun etwa 27 Millionen. Die Anzahl der Fanklubs in Nordamerika wurde vervielfacht auf 139, mit inzwischen mehr als 6.500 Mitgliedern. Auch wirtschaftlich stimmt unsere Richtung: Der FC Bayern hat bereits mit sieben Unternehmen Verträge geschlossen, die ihr Headquarter in den USA haben: Mit Goodyear, Procter & Gamble, Beats, EA Sports, Apple Music, Courtyard by Marriott und dem Wasseranbieter OXiGEN."

Sie haben vor kurzem die Partnerschaft mit GPS verlängert...
Wacker:„Ja - eine tolle Partnerschaft und ein gutes Beispiel für ein funktionierendes und erfolgreiches Grassroots-Programm. GPS (Global Premier Soccer) hatte 2014 zum Start der Kooperation ca. 60.000 Kids in ihrer Fußball-Organisation. Heute, vier Jahre später, sind es über 100.000 Kids in 25 Staaten. Das ist wirklich eine Erfolgsstory. "

Vor wenigen Monaten hat der FC Bayern mit dem MLS-Klub FC Dallas eine Zusammenarbeit beschlossen. Was sind die Ziele?
Wacker:„Unsere Ziele sind die Förderung von Talenten und der Austausch von Trainingsphilosophien. Vergangene Woche hat der FC Bayern einen ersten Spieler vom FC Dallas -- Chris Richards -- für die U19 verpflichtet. Chris wird auch bei der Tour mit dabei sein und im Profikader erste Erfahrungen sammeln können."

Die USA haben sich nicht für die WM in Russland qualifizieren können. Stattdessen hat zum Beispiel Panama teilgenommen. Hat das die Euphorie in Amerika für Fußball nicht eher gebremst?
Wacker:„Die Enttäuschung bei den Fans in Amerika über die Tatsache, dass die US-Boys, wie sie genannt werden, in der Qualifikation für die WM 2018 gescheitert sind, war natürlich sehr groß. Doch ein einzelnes Negativerlebnis hat nicht die Kraft, das Ganze einzureißen. Der Fußball wird in den USA noch mehr Bedeutung gewinnen. Auch die Major League Soccer weist hier den Weg: Einschaltquoten und Zuschauerzahlen in den Stadien steigen kontinuierlich. Bastian Schweinsteiger, Zlatan Ibrahimovic und Wayne Rooney sind derzeit die Stars der MLS. In Orlando, Atlanta, Minnesota und Los Angeles wurden neue Teams gegründet, 2020 kommt ein weiteres aus Miami dazu. 2026 wird die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtet. Schon im Vorfeld rechne ich mit dem nächsten großen Boom. "

In Giovane Elber, Martin Demichelis und Lothar Matthäus gehen jetzt drei Mitglieder der FC Bayern Legends mit auf die US-Tour. Was sind ihre Aufgaben?
Wacker:„Unsere FC Bayern Legenden sind weltbekannte Persönlichkeiten. Giovane, Martin und Lothar werden eine Vielzahl an Terminen wahrnehmen: Sie werden u.a. als Interviewpartner eingesetzt, bei Fantreffen, beim Kleinfeldturnier und bei Autogrammstunden. Unsere Mannschaft wird dadurch natürlich auch entlastet. Die Spieler können konzentriert trainieren, zweimal am Tag in der Regel - und meistens ist auch Publikum beim Training erwünscht. Für unsere Fans in der USA ist das wunderbar!"


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