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Interview

Amateure-Trainer Seitz: „Die Richtung stimmt“

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Bevor es zurück nach München ging, versammelten sich die Spieler der Amateure des FC Bayern nochmal in der Kabine. Die Reserve des Rekordmeisters hatte gerade auch ihr viertes Testspiel in der Vorbereitung gewonnen und somit das Trainingslager gelungen abgeschlossen. Trainer Holger Seitz sprach seinem Team nach dem 1:0 gegen den SC Freiburg II ein Kompliment aus, für eine starke Mannschaftsleistung, aber auch für eine hervorragende Trainingslager-Woche.

Der 43-jährige Fußballlehrer hat die zweite Mannschaft des FCB zur neuen Saison übernommen. In der abgelaufenen Spielzeit gelang Seitz mit der U17 der Bayern der Sprung ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Nun will er mit der Reserve des FCB in der Regionalliga Bayern ganz oben angreifen. fcbayern.com sprach zum Abschluss des Trainingslagers mit dem neuen Amateure-Trainer.

Das Interview mit Holger Seitz

fcbayern.com: Herr Seitz, zum Abschluss des Trainingslagers ist dem Team am Samstag der vierte Sieg im vierten Testspiel gelungen. Wie haben Sie die Partie gesehen?
Seitz: „Ich möchte der Mannschaft ein Kompliment aussprechen. Wie die Jungs es gemeinsam, mit einer starken Teamleistung, geschafft haben, nach der intensiven Trainingslager-Woche das Spiel zu gewinnen, war stark. Es war mir bewusst, dass nach den harten vergangenen Tagen in dieser Partie nicht alles reibungslos klappen würde. Umso höher ist es zu bewerten, wie die Mannschaft aufgetreten ist.“

fcbayern.com: Was bedeuten solche Siege im Rahmen der Vorbereitung?
Seitz: „Sie stärken das Selbstvertrauen, weil wir jedes Spiel gewinnen wollen! Darüber hinaus geht es natürlich auch darum, dass wir in diesen Partien unsere Spielidee weiter verfestigen. Es schweißt die Mannschaft besonders zusammen, wenn man erfolgreich Fußball spielt. Daher sind solche Siege auch für den Teamspirit sehr wichtig und unersetzlich.“

fcbayern.com: Wie haben Sie die Zeit im Trainingslager in Oberstaufen genutzt?
Seitz: „Wir konnten sehr konzentriert arbeiten, weil wir die Jungs rund um die Uhr zur Verfügung hatten. Auch die Zeiten zwischen den Trainingseinheiten haben wir für Einzel- oder Gruppengespräche genutzt und so die Einheiten detailliert besprechen können. Infolgedessen waren die Einheiten umso effektiver. Alle im Vorfeld gesteckten Ziele konnten wir erreichen.“

fcbayern.com: Ist eine solche Woche auch ganz besonders wichtig, weil Sie als Trainer und viele Spieler neu in die Mannschaft gekommen sind?
Seitz: „Absolut! Die Mannschaft ist neu zusammengestellt. Sicherlich kennen sich einige Spieler schon über mehrere Jahre. Das Ziel ist es, dass das Team insgesamt funktioniert. Die verschiedenen Gruppen, die sich bereits kennen, müssen als Mannschaft zusammenfinden. Von daher waren die Tage im Trainingslager besonders wichtig, um den Teamspirit weiter voranzutreiben. Wie das Spiel gegen Freiburg gezeigt hat, sind wir diesbezüglich auf dem richtigen Weg.“

fcbayern.com: Dafür haben Sie auch im Bereich des Teambuildings einiges unternommen. Welche Bedeutung kommt solchen Maßnahmen zu?
Seitz: „Natürlich sind diese Maßnahmen wichtig, auch um etwas Abwechslung herein zu bringen und den Kopf frei zu bekommen. Allerdings bin ich der Meinung, dass sich eine Mannschaft in erster Linie auf dem Platz finden muss. Wenn man Spiele gewinnt, dann weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das ungemein zusammenschweißt.“

fcbayern.com: In der bisherigen Vorbereitung wirkt das Team sehr harmonisch. Wie schätzen Sie aktuell die Stimmung ein?
Seitz: „Der Kader ist sehr gut zusammengestellt. Einige Spieler habe ich ja selbst schon in der U19 trainiert, es sind alles super Jungs mit einem guten Charakter. Daher überrascht es mich nicht, dass sie untereinander gut auskommen. Natürlich kommen wir auch in die Phase, in der es um die Stammplätze geht. Aber das gehört zum Mannschaftssport dazu, dass man es akzeptiert, wenn man auch mal auf der Bank sitzt. Wenn es Dinge gibt, die es zu klären gilt, ist es auch mein Job, diese anzusprechen. Das ist eine Grundvoraussetzung, um ein gutes Klima herzustellen. Das Team steht über allem und jeder Einzelnen muss sich dem unterordnen.“

fcbayern.com: Worauf lag im Trainingslager das Hauptaugenmerk?
Seitz: „Das übergeordnete Ziel ist es, jeden einzelnen Spieler individuell zu verbessern, seine Stärken zu stärken und an den Schwächen zu arbeiten. Mir ist es besonders wichtig, dass sich jeder Spieler seiner Stärken bewusst ist. Im Endeffekt fließen alle Aspekte, die ein Fußballspiel ausmachen, in die Trainingsarbeit mit ein. Einerseits haben wir, gerade zu Beginn, an der physischen Verfassung gearbeitet. Zu den Testspielen haben wir die körperliche Intensität reduziert und mehr Wert auf die taktischen Abläufe gelegt. Es ist das Gesamtpaket - in jeder Spielform, die wir machen, fließen Eins-gegen-Eins-Situationen, gleichzeitig aber auch gruppentaktische Aspekte mit ein.“

fcbayern.com: Inwieweit steht der physische Aspekt im Vordergrund, weil viele Spieler aus dem Jugend- in den Erwachsenenfußball gewechselt sind?
Seitz: „Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Jungs, die aus der Jugend kommen, den Schalter umlegen. Wir wissen, dass es ein anderes Spiel ist, wenn du beispielsweise in Buchbach oder Pipinsried antrittst, als wenn du in der A-Jugend-Bundesliga spielst. Darauf bereiten wir die Jungs vor. Sie nehmen die Situation bisher gut an.“

fcbayern.com: Mit Nico Feldhahn, Maximilian Welzmüller und Otschi Wriedt haben Sie ein Gerüst von erfahreneren Spielern. Wie wichtig ist solch eine Achse?
Seitz: „Das ist enorm wichtig. Diese Spieler wissen, worauf es in solchen Spielen, wie sie uns eben erwarten werden, ankommt. Daher bin ich sehr froh, dass insbesondere die Drei auch in den Trainingseinheiten zeigen, wie man im Herrenbereich Fußball spielt. Ich habe den Eindruck, dass die jungen Spieler das auch sehr gut annehmen. Auch außerhalb des Platzes geben die Drei die Richtung vor.“

fcbayern.com: Lukas Mai, Meritan Shabani und Franck Evina durften in der vergangenen Saison als U19-Spieler bereits bei den Profis spielen. Ist es ein Vorteil, dass sie diese Erfahrungen sammeln konnten?
Seitz: „Es ist eine große Motivation für die Jungs, die bereits Bundesliga-Luft schnuppern durften. Gleichzeitig zeigt es den anderen jungen Spielern, dass es sehr wohl möglich ist, es beim FC Bayern in die Profimannschaft zu schaffen. Wir alle in der Jugendabteilung sind sehr glücklich, dass Jupp Heynckes den Jungs diese Chance gegeben hat. Umso schöner war es, dass sie ihre Sache auch sehr gut gemacht haben. Das Ziel für die Jungs muss es jetzt natürlich sein, auf weitere Einsätze bei den Profis zu kommen. Ich bin mir sicher, dass der Verein und auch Niko Kovac ein sehr wachsames Auge auf die Nachwuchsabteilung haben. Das wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass zahlreiche Nachwuchsspieler in den vergangenen Wochen Lizenzspieler-Verträge beim FC Bayern aber auch bei anderen Erst- und Zweitligavereinen unterschrieben haben. Man merkt, dass die Richtung bei uns in der Nachwuchsabteilung stimmt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

fcbayern.com: Sie persönlichen hatten zu Beginn der Amateure-Vorbereitung noch eine Doppelbelastung. Wie sind Sie damit umgegangen?
Seitz: „Für mich war es keine wirkliche Belastung, da es nur um Fußball ging. Die U17 war eine wunderbare Mannschaft mit sehr talentierten Spielern und tollen Jugendlichen. Als ich noch nebenberuflich im Amateurbereich als Trainer aktiv war, bin ich ganz normal arbeiten gegangen und habe abends ab 19 Uhr eine Kreisklassen-Mannschaft trainiert - das waren tolle Erfahrungen. Jetzt durfte ich mich sogar auch tagsüber mit Fußball beschäftigen. Von daher war es absolut in Ordnung und hat wahnsinnig Spaß gemacht.“

fcbayern.com: In knapp zwei Wochen startet die neue Saison. Was erwarten Sie vom Auftakt?
Seitz: „Ich sehe dem Saisonstart optimistisch entgegen, da wir bislang alle gesteckten Teilziele der Vorbereitung erreichen konnten. Die Richtung stimmt für den Moment mit dem Wissen, dass wir weiterhin hart an den Details zu arbeiten haben. Dass sich mit Lukas Mai und Maxime Awoudja gleich zwei Spieler längerfristig verletzt haben, ist natürlich bitter, vor allem für die Jungs. Aber selbst für diesen Fall sind wir vom Kader her hervorragend besetzt, sodass wir das auffangen können.“

fcbayern.com: Wie groß ist die Vorfreude auf den Start?
Seitz: „Riesig! Ich kann mich noch sehr gut an mein eigenes erstes Spiel für die Bayern Amateure beim SC Weismain erinnern. Die Unterstützung der Amateure-Fans war einfach nur geil. Leider musste ich wegen eines überharten Einsteigens mit einer Roten Karte vorzeitig vom Platz (lacht). In Eichstätt wird sicherlich einiges los sein. Wenn es so weitergeht wie bisher, bin ich davon überzeugt, dass wir erfolgreich starten werden. Ich freue mich darauf!“

fcbayern.com: Welche Ziele haben Sie sich für die neue Saison gesetzt?
Seitz: „Sowohl als Spieler als auch als Trainer habe ich mir immer den maximalen Erfolg als Ziel gesteckt. Bei der Qualität unserer Amateure-Mannschaft geht es somit darum, am Ende der Saison die Meisterschaft der Regionalliga einzufahren. Dieser Aufgabe stelle ich mich und dafür werde ich alles raushauen. Ich bin mir bewusst, dass es während der Saison auch zu Problemen kommen wird. Denen werden wir uns als Team stellen. Unser Hauptziel, die individuelle Entwicklung der Spieler, ist dabei die Grundvoraussetzung und geht Hand in Hand mit dem sportlichen Erfolg der Mannschaft. Das Ergebnis eines Spiels und somit der Teamerfolg darf nicht auf Kosten der individuellen Entwicklung erreicht werden.“

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