Hansi Flick: „Seien wir offen und neugierig!“

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Hansi Flick ist auch als Cheftrainer der Teamgedanke wichtig. Im Interview spricht er über seinen Stil, Fortbildung und den Anspruch des FC Bayern. Das ausführliche Gespräch lesen Sie in unserem Mitgliedermagazin „51".

Das Interview mit Hansi Flick

Herr Flick, Sie haben Ihren Vertrag beim FC Bayern verlängert. Mit 55 Jahren nun dauerhaft Cheftrainer bei einem Top-Verein... sind Sie ein Spätstarter?
(lacht) „Nun, mein Werdegang ist vielleicht ein bisschen ungewöhnlich. Ich hatte zum Beispiel über 20 Jahre ein Sportgeschäft, stand da selbst im Laden. Ich habe mir damals Zeit genommen und wollte mir meine Existenz aufbauen -- obwohl ich immer gewusst habe, dass ich Trainer werden möchte. Ich möchte keine Station missen und habe überall viel gelernt, was meine Arbeit heute charakterisiert."

Was genau haben Sie auf Ihrem Weg herausgefiltert?
„Das Entscheidende ist für mich, dass es letztlich nur über den Teamgedanken geht. Ohne Loyalität, Wertschätzung und Respekt füreinander ist es schwer, sich erfolgreich und sinnvoll zu entwickeln. Mir ist wichtig, dass man Vertrauen schenkt, die Kommunikation hoch ist und man allen Wertschätzung vermittelt. Und: Man muss Spaß haben an dem, was man macht. Erfolg hat man nur gemeinsam. Und ich sage es immer wieder: Ich bin zum Beispiel sehr, sehr zufrieden, wie unser Trainerteam beim FC Bayern aufgestellt ist. Wie wir uns austauschen können, was das für eine Ebene ist, auf der man Vertrauen hat, das ist für mich persönlich ideal."

Ist das auch etwas, das Sie über Ihre Jahre als Assistent gelernt und geschätzt haben: Dass der Chef auf alle hören sollte?
„Das spielt sicher eine Rolle. Ich habe lange mit Freude in der zweiten Reihe gearbeitet und durfte meine Meinung immer einbringen. Ich finde, es bringt mir nichts, wenn wir eine Sitzung haben, und alle sitzen mit vorm Körper verschränkten Armen da und sagen nichts. Austausch verschafft Wissen. Wenn es früher mal hin und wieder hieß: Das geht so nicht, das können wir so nicht machen, sagte ich: Okay, dann brauchen wir eine andere Einstellung! In meinen Augen sollte sie sein: Schauen wir doch mal, was wir machen können. Seien wir offen und neugierig!"

Geht das auch bei einem FC Bayern, der über so viele Jahrzehnte schon sehr bewährte Verfahrensmuster hat?
„Auf jeden Fall. Hier sind viele gute Dinge festgezurrt. Qualität vor Quantität. Mia san mia. Vieles ist hier verankert, das macht diesen Verein aus, das macht ihn ja auch so erfolgreich, so besonders. Aber der FC Bayern hat sich auch nie davor gescheut, sich neuen Zeiten anzupassen."

Bevor Sie zum FC Bayern kamen, haben Sie bei vielen europäischen Top-Klubs hospitiert.
„Ich hatte schon zu DFB-Zeiten, erst als Trainer, dann als Sportdirektor, viele Akademien angeschaut, unter anderem bei Real Madrid und beim FC Barcelona. Bei Manchester City war ich mal drei Tage lang Trainingsgast, genauso bei Paris St.-Germain. Auch beim FC Bayern habe ich im Übrigen vorbeigeschaut. Drei Sommer in Serie habe ich die Trainingslager vom FC Arsenal in Österreich besucht. Ich dachte mir dann: Schau dir das alles genau an! Dieser Trainer macht sich ja auch viele Gedanken -- wie kannst du das für dich verarbeiten? Meine Philosophie war dabei nie, Dinge 1:1 zu kopieren. Aber ich habe es geschätzt, neue Ideen und Impulse zu bekommen. Mehr und mehr."

Wie gehen Sie mit Konfliktsituationen um?
„Wertschätzung und Respekt sind die Basis, und mit dieser Basis kann man dann auch offen seine Meinung sagen. So habe ich das immer gehandhabt. Ich finde, es gehört zur Verantwortung dazu, wenn nötig auf gewisse Dinge intern aufmerksam zu machen. Man muss ja auch nicht immer meiner Meinung sein -- aber Standpunkte austauschen und dann im Sinne des großen Ganzen umzusetzen, nur das führt letztlich zum Erfolg."

Jahrzehnte galt der FC Bayern als Spielerverein, in dem einfach nur die besten Kicker gekauft und von einem Coach betreut wurden. Hat er jetzt den Sprung zum Trainerverein geschafft, in dem das Personal nach einer klaren Philosophie gezielt ausgesucht wird?
„Letztlich ist die entscheidende Frage: Was möchte ein Verein? Welchen Fußball möchte er spielen lassen, mit dem sich die Fans identifizieren? Zu meiner Spielerzeit zählte nur der Erfolg. Da hast du 1:0 gewonnen, egal wie. Heute reicht gewinnen allein nicht. Das finde ich absolut richtig. Natürlich geht es am Ende um Titel. Ich kann mich aber voll damit identifizieren, dass der FC Bayern inzwischen den Anspruch hat, seine Fans über ein 1:0 hinaus zu begeistern. Darüber sollten wir uns ständig Gedanken machen: Welcher Spieler passt in unsere Mentalität? Dieser Verein ist etwas Besonderes. Und wenn das „Mia san mia" nach außen sichtbar bleibt, ist das ein Pfund, mit dem man bei Verhandlungen mit Spielern punktet, die auch woanders hingehen würden. Genau das ist heute entscheidend: Dass ein Verein etwas entwickelt, etwas bietet, mit dem sich ein Spieler identifizieren kann. Die Vereinskultur und die Spielphilosophie eines FC Bayern wird sehr genau registriert."

Das komplette Interview mit Hansi Flick und vieles mehr gibt es in der Mai-Ausgabe unseres Mitgliedermagazin „51".


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