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U19-Trainer im Interview

Demichelis über Spielerentwicklung: „Hat kein Limit"

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Seit Mitte Oktober hat die U19 des FC Bayern München kein Fußballspiel mehr bestritten. Nun steigt das Team von Martín Demichelis wieder in den Trainingsbetrieb ein. Wie der Cheftrainer die Entwicklung seiner Spieler in dieser schwierigen Zeit bewertet und wie er ihnen mit seiner Erfahrung weiterhilft, hat „Micho“ fcbayern.com im Interview verraten.  

Das Interview mit Martín Demichelis 

Servus Martín, wie fällt dein sportliches Fazit für 2020 aus?
„Es war leider ein ziemlich außergewöhnliches Jahr. Die vergangene Saison mussten wir schon im März beenden. Mit unserem neuen U19-Kader konnten wir dann in der aktuellen Spielzeit nur vier Bundesligaspiele bestreiten. Wir haben trotzdem versucht, immer das Beste für unsere Spieler zu geben. Das ist auch unsere Aufgabe. Ich hoffe, dass wir bald wieder richtig durchstarten können. Zu trainieren ist zwar gut, aber die Jungs brauchen am Wochenende auch wieder das besondere Gefühl auf dem Platz."

Wie fühlen sich die Jugendspieler in dieser aktuellen Lage?
„Ich glaube, die Spieler kommen sehr gerne zum Campus – vor allem nach der Winterpause. Einige von Ihnen haben regelmäßig bei den Profis mittrainiert oder sind aktuell bei der U23 im Einsatz. Das ist sehr wichtig und sie bringen dort auch gute Leistungen. Unsere Jungs wollen Gas geben. Wir sind 24 Stunden am Tag für sie da und sind bereit."

U19-Trainer Martin Demichelis stand beim Interview Rede und Antwort.

Wie bringst du dich mit deiner Erfahrung als erfolgreicher Ex-Profi bei den Spielern ein? 
„Ich hatte in meiner Karriere viele Trainer und habe einiges erlebt. Ich versuche meinen Spielern durch meine Erfahrung weiterzuhelfen, aber nicht im taktischen Bereich. Für mich sind Emotionen im Laufe der Entwicklung sehr wichtig. Da können wir sehr viel aus einem Spieler herausholen. Deshalb versuche ich immer einen engen Draht mit den Jungs zu haben." 

Das Ziel vieler Jugendspieler ist es, so früh wie möglich eine Rolle bei den Profis zu spielen. Wie nimmst du aktuell die Entwicklung deiner Jungs wahr? 
„Wir müssen Geduld mit den Spielern haben. Die Entwicklung hat kein Limit. Ich bin voll überzeugt, dass viele mit 22, 23 Jahren noch um einiges besser werden. Manchmal zweifelt man aus Trainersicht, wenn der Spieler erst 16 oder 17 Jahre alt ist und noch nicht seine volle Leistung bringt. Aber er steckt dann meistens auch noch mitten in der Entwicklung. Ein Fußballer lernt bis zum letzten Tag seines Berufs. Bei mir war es in den letzten Zügen meiner Profi-Karriere auch so. Deshalb ist es schwer zu sagen, ob jemand den großen Sprung schaffen wird oder nicht, gerade beim FC Bayern. Es ist nicht einfach sich bei so einem großen Club im Profibereich zu etablieren, aber die Möglichkeiten dafür sind da und vielleicht so gut wie lange nicht. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen ist sehr gut."

Was macht für dich den feinen Unterschied aus, ob ein Jugendspieler den großen Sprung schafft oder nicht? 
„Ich glaube, wir müssen den Charakter und die Mentalität mitintegrieren und stärken. Die Spieler befinden sich in diesem Alter in einer schwierigen Phase. Wenn jemand bei einem Auswärtsspiel lange unterwegs ist, aber nicht spielt und dann vielleicht von dem tollen Wochenende seiner Freunde erfährt, ist das nicht einfach. Genau, wie wenn ein Spieler eine schwierige Phase hat und nicht zum Zug kommt. Dann muss er trotzdem auch auf der Bank positiv bleiben."

Wie wichtig ist das Konstrukt FC Bayern-Campus aus deiner Sicht für die Entwicklung deiner Spieler?  
„Enorm wichtig! Als Spieler bekommt man hier die besten Möglichkeiten, um sich auf das Sportliche zu fokussieren, aber das ist nicht immer das Wichtigste. Ich sehe die Jungs zwei Stunden auf dem Platz, aber es ist sehr entscheidend für ihre Entwicklung, was sie in den restlichen 22 Stunden am Tag machen. Ich meine damit essen, schlafen oder auch ihr Engagement in der Schule. Für uns ist es sehr wichtig, dass sich unsere Spieler auch dort weiterentwickeln. Denn wenn du eine gewisse Athletik hast, ist das zwar gut, ist der andere Spieler aber schneller im Kopf, ziehst du immer den Kürzeren. Ein gutes Vorbild für die Jungs ist da Thomas Müller. Er ist wie ein Trainer auf dem Platz."

Einige U19-Spieler waren auch beim letzten Spiel der Amateure im Einsatz. Die Highlights zum 4:0-Sieg gegen Halle: 

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