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Interview über Erfahrung und Ehrgeiz

Choupo-Moting: „Wir sind das Team, das jeder schlagen will“

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Eric Maxim Choupo-Moting spielte in Paris mit Neymar und kämpfte in England gegen den Abstieg. Seine Erfahrungen machen ihn so wertvoll. In unserem Mitglieder-Magazin „51“ erklärt er, warum es im Leben immer auf die richtige Einstellung ankommt.

Das Interview mit Eric Maxim Choupo-Moting

Choupo, im vergangenen Jahr standest du mit Paris im Finale der Champions League – jetzt kommt es im Viertelfinale zum Rendezvous mit deinem Ex-Klub. Wie sehr brennt es in dir, den Titel dieses Jahr nachzuholen?
Choupo-Moting:Die ganze Geschichte wird nun kurios abgerundet, weil es so schnell zu einem Wiedersehen kommt. Es war damals eine Partie auf Augenhöhe der zu diesem Zeitpunkt beiden besten Mannschaften Europas. Bayern hat verdient gewonnen, weil sie das eine Tor mehr gemacht haben. Für mich persönlich war unser Weg ins Finale einfach super, zumal uns mein Tor gegen Bergamo überhaupt erst nach Lissabon gebracht hatte. Den Titel zu holen, ist das große Ziel von uns allen hier, das merkt man jeden Tag in diesem Verein. Wir haben sehr gute Chancen, aber ich denke, es ist schwerer, die Champions League zu verteidigen, als sie zu gewinnen. Weil alle gerade den FC Bayern jagen. Wir werden aktuell als das beste Team der Welt gesehen – das bedeutet: Wir sind das Team, das jeder schlagen will. Umso wichtiger ist es, dass wir mit Optimismus, Spaß und vor allem als Einheit zusammenarbeiten. Wir werden Paris nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

Das Motto von St. Germain lautet: Ici c'est Paris, was auf Deutsch soviel heißt wie „Dies hier ist Paris". Wie fühlt sich das Wiedersehen für dich an?
(lächelt) „Ich habe damals in Paris auch einen ganz eigenen Ausdruck etabliert: ‚Ça donne!‘ Es ist ein bisschen schwer, das wörtlich zu übersetzen, es soll etwas Positives, Cooles beschreiben – zum Beispiel würde man jetzt über dieses Los FC Bayern gegen Paris ‚ça donne‘ sagen: Cool, was hier passiert! Den Jungs hat dieser Begriff gefallen, und nachdem ich dazu mit den Händen ein Zeichen erfunden hatte, haben wir das unter anderem als gemeinsamen Torjubel genutzt, im Training wie im Spiel, zum Beispiel mit Kylian Mbappé, Thilo Kehrer oder Presnel Kimpembe. Es wurde mein Symbol und mit der Zeit dann sogar im ganzen Verein übernommen: Immer, wenn jemand etwas Cooles, Schönes gemacht hat, hieß es: ‚Ça donne!‘ Ich freue mich unheimlich, die Jungs wiederzusehen.“

Du hattest in diesem Team mit Neymar, Mbappé und Kollegen schnell Fuß gefasst. Was ist dein Geheimnis, auch Top-Stars einfach zu knacken?
(lacht) „Auch Superstars sind im Endeffekt ganz normale Menschen. Für Außenstehende wirkt das anders, weil man diese Figuren immer im Scheinwerferlicht sieht. Ich bin ein Typ, der mit jedem klarkommt, bin ein lebensfroher Mensch und immer ich selbst geblieben. Das ist in meinen Augen das Entscheidende im Leben, egal ob man Fußballer ist oder etwas anderes: dass man sich selbst findet, bei sich bleibt, dass man Freude hat und das auch auf andere ausstrahlt. Warum lebt man? Man sollte sich nicht verstellen, nicht verstecken.“

Stimmt es, dass du bei PSG mit dem Skateboard zum Training gekommen bist?
Na ja, nicht ganz. Für die ganze Strecke habe ich ja schon mit dem Auto 30 Minuten gebraucht. Aber vom Parkplatz waren es rund 250 Meter zum Gebäude, und ich hatte im Kofferraum immer mein Skateboard, weil ich es in Paris gern zwischendurch mal ausgepackt habe. Und eines Tages, es war schönes Wetter, dachte ich, ich kann die Strecke zur Kabine ja auch skaten, da spare ich mir vielleicht eine Minute (lacht). Die anderen fanden das cool. Nach ein paar Tagen war es für sie normal: ‚Ach, der kommt wieder mit dem Skateboard!‘ Keylor Navas hat sich das Teil dann mal geschnappt, er hatte ein paar coole Skills drauf, viel besser als ich. Mit meiner Frau und meinem Sohn war ich privat ein paarmal am ‚Palais de Tokyo‘, in der Nähe des Eiffelturms, da ist ein kleiner Hotspot für Skater.“ 

Was genau kannst du von den Erfahrungen deiner langen Karriere in die Bayern-Kabine einbringen?
Meine Mentalität: Always believe! Immer optimistisch sein, auch wenn man mal einen Rückschlag hat. Ich habe so viel erlebt und kann wirklich sagen: Man lernt nie aus. Meine Erfahrung ist, dass man nie zu lange den Kopf hängen lassen sollte. Gerade im Fußball kannst du schon nach einem schlechten Spiel im nächsten wieder der Held sein – und wenn du an dich glaubst, erreichst du deine Ziele.“

Mit Anfang 20 hast du mit Nürnberg das erste Mal gegen Bayern gespielt. Du hast ein Tor gemacht, und gleich nach dem Abpfiff fragtest du Franck Ribéry nach seinem Trikot; am Ende warst du trotz Niederlage glücklich – wegen des Tors und des Trikots. Hast du es noch?
Ja, das ist bei meinen Eltern in meinem alten Kinderzimmer. Als ich im Sommer nach dem Champions League-Turnier ein paar Tage zu Hause war, habe ich es wieder herausgeholt – ist eine schöne Erinnerung. Unglaublich, Franck Ribéry, ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen.“ 

Dein Vertrag läuft am Saisonende aus – würdest du gerne bleiben, was sind deine Pläne?
Es macht riesigen Spaß in diesem Verein. Alles, was ich mir vorher vom FC Bayern versprochen hatte, hat sich mehr als bestätigt. Natürlich wäre es schön, länger zu bleiben. Ich gehe jeden Tag mit einem Lächeln ins Training. Es ist eine Ehre, hier zu spielen. Das ist eine Top-Adresse in Fußball-Europa. Jeder Spieler weiß, was er hier hat. Ich bin superhappy. München ist eine wunderschöne Stadt, und da es im Verein mit den Kollegen von Anfang an toll gepasst hat und sich meine Familie hier wohlfühlt, ist gerade alles perfekt. Meine Tochter wurde hier geboren; ich kann sagen, dass ich von Grund auf glücklich bin. Das i-Tüpfelchen ist, dieses Trikot zu tragen. Jetzt fehlen nach der Klub-WM nur noch ein paar weitere Titel – und um die zu holen, werde ich alles geben.“ 

Fotos: Julian Baumann

Das ausführliche Gespräch gibt es in der aktuellen Ausgabe des Mitglieder-Magazins „51“:

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