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Die Ziele des neuen Vorstandsvorsitzenden

Oliver Kahn: „Bei uns lernt man, wie man Titel holt“

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Mit Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzendem beginnt eine neue Zeitrechnung – zu einer Zeitenwende: Corona bedeutet historische Herausforderungen. Ein Gespräch über Verantwortung, Siegesfähigkeit und das Besondere, das der FC Bayern Spielern bietet.

Das Interview mit Oliver Kahn:

Herr Kahn, ein Schreibtisch spiegelt immer auch die Persönlichkeit seines Besitzers wider. Was sagt Ihr Schreibtisch über Sie aus?
„Grundsätzlich fühle ich mich mit einem reduzierteren Stil wohler. Ich glaube, wenn man viele Dinge im Kopf hat, hilft es einem persönlich, dass alles gut sortiert ist. Je minimalistischer ein Büro eingerichtet ist, desto leichter fällt es mir, mich zu fokussieren.“

Als CEO kann es mitunter einsam sein, weil man letztlich derjenige ist, der die Entscheidungen treffen muss. Wie gehen Sie damit um?
„Für mich ist dieses Gefühl nicht neu, Verantwortung zu übernehmen. Das war bereits als Spieler, als Torwart und Kapitän so, und nach meiner aktiven Karriere habe ich als selbstständiger Unternehmer schnell gelernt, was es heißt, weitreichende oder auch mal harte Entscheidungen treffen zu müssen. Mir ist es wichtig, mit einem Team zu arbeiten, denn man kann ja unmöglich alles selbst wissen oder machen.“

Bei Ihrem Amtsantritt im Januar 2020 gaben Sie als Ziel aus, „überall dort spitze zu sein, wo wir antreten“. Dann kam Corona. Steht die FC Bayern-Welt nun Kopf?
„Sportlich sind wir an vielen Stellen spitze, klar. Aber wirtschaftlich ist die Situation heute eine ganz andere als die, die ich am 1. Januar 2020 vorgefunden habe. Bisher hat der FC Bayern immer aus dem Vollen geschöpft. Wir haben jetzt erstmals seit vielen Jahren die Situation, dass das nicht mehr so ist. Die nationalen TV-Einnahmen für die nächsten vier Jahre sind niedriger als die der vergangenen Periode. Die Zuschauereinnahmen werden voraussichtlich auch diese Saison coronabedingt wieder geringer ausfallen. Deshalb müssen wir kreativ werden und neue Wege gehen. Das ist unsere Aufgabe, denn wir wollen weiterhin zu den Top 3 in Europa gehören.“  

Wie deprimierend ist es, dass ausgerechnet zu Ihrem Dienstantritt das viel zitierte Festgeldkonto so angegriffen ist?
„Insbesondere die investorengetriebenen englischen Klubs haben eine enorme finanzielle Power. Trotzdem ist es uns bisher immer gelungen, diesen Wettbewerbsnachteil auszugleichen. Daran arbeiten wir mit allem, was wir haben, denn wir sind der FC Bayern. Uns unterscheidet von all den anderen Klubs, dass wir hier seit jeher eine sehr starke Gemeinschaft und eine sehr starke Erfolgskultur haben. Siegermentalität haben andere auch – aber wir haben diese ganz bestimmte Siegesfähigkeit. Bei uns lernt man, wie man Titel holt, das ist hier ganz extrem ausgeprägt. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, wie viel es einem Spieler gibt, eine Ära zu prägen. Was es wert ist, ein gestaltender Teil einer Ära zu sein, merken viele Spieler erst, wenn die Karriere vorbei ist.“

Glauben Sie, dass in der heutigen Zeit Spieler für Identifikation auf die eine oder andere Million Gehalt bei einem anderen Verein verzichten?
„Natürlich weiß ich, dass Geld immer eine Rolle spielt. Aber ein Spieler ist auch ein Mensch, der sich Gedanken machen sollte: Eine Karriere geht schneller vorbei, als man denkt – und wie sollen einen die Fans dann in Erinnerung behalten? Was soll man zum Schluss über mich sagen? Wo soll man mich verorten? Der FC Bayern bietet seinen Spielern unheimlich viel. Das sollte jedem bewusst sein. In der Vergangenheit haben viele Spieler beim FC Bayern erkannt, was hier möglich ist. Und keiner hat es bereut, lange geblieben zu sein.“

Wird Ihre Bürotür stets für die Spieler offenstehen, wie es bei Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß der Fall war?
„Selbstverständlich. Und schauen Sie sich um: Ich habe sogar zwei Türen hier (lacht). Zu Beginn der Pandemie war es für mich schwierig, weil ich aufgrund der Hygieneregeln wenig Kontakt zur Mannschaft haben konnte. Mir ist es sehr wichtig, mich mit den Spielern auszutauschen.“

Julian Nagelsmann verströmt als neuer Trainer Aufbruchstimmung – tut so etwas auch dem FC Bayern gerade jetzt gut, wo Corona die ganze Welt seit über einem Jahr lähmt und sich jeder nach neuen Zeiten sehnt?
„Ich glaube jedenfalls, dass die Menschen in dieser Pandemie gerne etwas Neues, Frisches erleben wollen. Etwas, das nach vorne gerichtet ist. Das erzeugt Spannung. Spannung ist immer gut. Aufbruchstimmung ist noch besser. Und die spüren wir hier gerade.“

Als Spieler hat man beim FC Bayern immer drei Ziele: Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Sind Ihre Ziele als CEO des FC Bayern eher langfristiger Natur?
„Im Fußball geht es immer darum, das nächste Spiel zu gewinnen. Darum sind wir hier und darum dreht sich das Tagesgeschäft: dieses fußballerische Niveau wirtschaftlich zu ermöglichen. Sportlich habe ich mir vorgenommen, dass wir unsere Erfolge der Vergangenheit bestätigen. Die Konkurrenz wird uns jagen wie selten zuvor. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Generell ist mein Ziel, dass die Fans über den FC Bayern sagen: Das ist mein Klub, das ist der beste Klub auf der Welt. Ich möchte erreichen, dass der FC Bayern für die Menschen mehr ist als nur der reine Erfolg. Er soll Identifikation stiften und für unsere Fans ein wichtiger Lebensinhalt sein. Unsere Fans sollen auf ihren Klub stolz sein können.“

Das komplette Interview gibt es im FC Bayern Mitgliedermagazin „51“. Dort lest ihr auch, wie die ersten Wochen des neuen Trainer Julian Nagelsmann verliefen.

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