Marcel Sabitzer: „Ich hatte Poster von Zé Roberto und Giovane Élber“

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Bereits als Kind lief Marcel Sabitzer in Graz im FCB-Trikot herum. Damals malte er sich Namen und Rückennummer selbst mit einem Filzer drauf. Nun trägt er offiziell das Münchner Dress -- es steht ihm auch als Erwachsener ausgezeichnet. Unser Mitgliedermagazin „51" sprach mit dem 27-Jährigen.

Das Interview mit Marcel Sabitzer

Marcel, dein Vater Herfried hat als Mittelstürmer in den Neunzigern sechs Länderspiele für Österreich bestritten. Was hast du von ihm gelernt?
Sabitzer: „Ich war als Kind oft mit ihm dabei beim Training, in der Kabine. Die Abläufe fand ich damals sehr spannend, die Einblicke hat in so einem jungen Alter ja kaum jemand. Deswegen war auch der Beruf als Fußballprofi für mich immer sehr greifbar. Ich wollte das unbedingt auch schaffen. So ab der U12 war mein Vater in der Jugend auch jahrelang mein Trainer. Das war für mich nie ganz einfach, aber es hat mir sicher einiges gebracht. Mein Vater ist nach wie vor Jugendtrainer in Österreich und hat wirklich ein Händchen für Talente."

Hat er dich strenger behandelt als die anderen Kinder?
„Durchaus. Er wusste ja, worauf es ankommt und worum es geht -- da wurde er das eine oder andere Mal auch schon sehr deutlich. Es war eine harte Schule, aber rückblickend hat er damit alles richtig gemacht. Ich war schon als Jugendlicher im Fußball im Grunde sehr fokussiert. Außerdem kannte ich es ja nicht anders -- das ist eben das Schicksal eines Jungen, dessen Vater selbst Profi war. Natürlich haben manche gesagt, ich würde ja nur spielen, weil mein Vater Trainer ist, solche Sachen eben. Aber irgendwann haben die Leute gesehen, dass ich nicht so schlecht bin. Ich konnte damit immer ganz gut umgehen."

War jetzt der ideale Zeitpunkt, um zum FCB zu kommen -- auch mit dem Wechsel von Julian Nagelsmann?
„Ich denke schon. Ich bin mit 27 Jahren im besten Fußballeralter, und da wollte ich mich immer auf dem Höhepunkt meiner Karriere sehen. Dass mein altes Trainerteam und Dayot Upamecano ebenfalls hier sind, ist ein schöner Nebeneffekt und macht die Sache für mich absolut rund."

In Leipzig warst du Kapitän und Führungsspieler. Welche Rolle siehst du beim FC Bayern für dich?
„Kapitänsansprüche kann ich hier nicht stellen, das ist mir schon bewusst (lacht). Aber meine Mentalität wird sich nie ändern. Ich will auf dem Platz immer vorangehen, alles geben und meine Mannschaft pushen."

Jeder schwärmt von deiner Vielseitigkeit. Wo spielst du selbst am liebsten?
„Auf der linken Acht bin ich am stärksten. Aber das System ist erst einmal zweitrangig, ich will mich in der Mannschaft gut zurechtfinden, und dafür werde ich sehr viel investieren."

Du hast mal gesagt: „Ich kann nicht halb oder weniger. Ich will immer ans Limit." Ideale Voraussetzungen für den FC Bayern, oder?
„Ich sitze auch manchmal nach Spielen, die wir gewonnen haben, unzufrieden zuhause und denke mir: Eigentlich hätte es noch besser sein können. So war ich schon immer, das wird sich hier auch nicht ändern. Ich orientiere mich immer daran, noch besser zu werden, noch mehr zu machen -- in Kombination mit dem FC Bayern passt das ganz gut, das stimmt."

Julian Nagelsmann war wie du als Kind großer Bayern-Fan. Er sagte, der Trainerjob hier kommt seinem Lebenstraum sehr nahe. Wie fühlt es sich bei dir an?
„Es ist die Erfüllung eines Kindheitstraums, das kann man schon so sagen. Wenn du als kleiner Bub immer stolz mit deinem Bayern-Trikot herumgelaufen bist, dann ist das hier das Höchste der Gefühle. Ich habe vom FC Bayern geträumt, und damals war das sehr, sehr weit weg. Jetzt komme ich aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus."

Nagelsmann sagte auch, „wohlig und warm wird es erst, wenn ich Titel gewinne. Erst dann bin ich wirklich angekommen." Siehst du das ähnlich?
„Wenn du hier nichts gewinnst, ziehen recht schnell Gewitterwolken auf. Das möchte jeder vermeiden. Aber ich kann mich mit dieser Mentalität sehr gut identifizieren."

Wie kam es eigentlich dazu, dass aus dem Buben in Graz ein Bayern-Fan wurde?
„Das kam über die Häufigkeit der Spiele, die im TV übertragen wurden. Mein Vater hat viel Fußball geschaut, und da waren oft Spiele des FC Bayern dabei. So kam eins zum anderen."

Welche Poster hingen an deiner Wand im Kinderzimmer?
Zé Roberto und Giovane Élber, die beiden waren meine ersten großen Helden. Zé Roberto, weil er so eine Maschine im Mittelfeld war. Und Élber vorne wegen seiner Gustostückerl. Ich habe als Kind auch in der Offensive gespielt, da war das naheliegend. Und dann musste natürlich auch alles dabei sein: weiße Schuhe, Teppichrolle und so weiter."

Welches Trikot war das heiligste für dich?
„Ich hatte unter anderem das goldene und das dunkelrote mit den dunkelgrauen Ärmeln. Da die Trikots allerdings nicht beflockt waren, habe ich mit einem schwarzen Filzstift selbst „Élber" und die Nummer 9 drauf gemalt. Sah super aus (lacht)!"

Fotos: Dirk Bruniecki

Das vollständige Interview gibt es in der Oktober-Ausgabe unseres FC Bayern-Mitgliedermagazins „51".