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Holger Badstuber: Und ewig lockt Balkonien

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Es gibt nichts Schöneres, als mit dem FC Bayern Meister zu werden. Je öfter, desto besser, findet Holger Badstuber. Er glaubt: Nächste Saison wird Bayern noch stärker sein. In der Meisterfeier-Kolumne mit unserem Mitgliedermagazin „51" schreibt er über seine erste Meisterschaft, den Triplesieg, den Rathausbalkon und Thomas Müller.

Die Kolumne von Holger Badstuber

Die erste Meisterschaft ist die schönste, heißt es immer, und es ist wirklich so. Ich erinnere mich noch gut, wie ich 2010 zum ersten Mal Deutscher Meister wurde. Da ging ein Kindheitstraum in Erfüllung, auf den man jahrelang hingearbeitet hat, für den man auf Dinge verzichtet hat. Und dann hat man es geschafft, reckt die Schale in die Höhe - und wird hungrig auf mehr. So war es bei mir jedenfalls. Ich wollte immer wieder gewinnen und Pokale in Händen halten.

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2010 feierte der junge Holger Badstuber seine erste Meisterschaft mit dem FC Bayern.

Zehn Meisterschaften in Folge sind schon ein Kracher. Und eins ist sicher: In der nächsten Saison wird der Club mit aller Kraft den elften Titel anstreben. Das ist eben Bayern München, das ist auch der Unterschied zu anderen Clubs. Egal, was in der Vergangenheit war, in der neuen Saison sind wieder so viele Titel wie möglich das Ziel. Die Konkurrenz sollte nicht glauben, dass die Bayern irgendwann mal müde werden. Ich glaube sogar: 2022/23 werden sie noch stärker sein als zuletzt. Weil im DFB-Pokal zuletzt zweimal früh Schluss war. Und in der Champions League sieht sich der Club eigentlich auch immer unter den letzten vier. Bayern wird alles daransetzen, auch in diesen beiden Wettbewerben wieder bis zum Ende zu gehen.

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Insgesamt sechsmal wurde der heute 33-Jährige Deutscher Meister mit dem FC Bayern.

Dass im Spiel gegen Dortmund die zehnte Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht wurde, war für mich keine Überraschung. Ich weiß ja, um wie viel Prestige es in diesem Spiel geht. Im eigenen Stadion gegen Dortmund die Meisterschaft perfekt machen zu können - das war eine Steilvorlage. Und von Bayern ist man gewohnt, dass sie eine solche Möglichkeit nutzen. Als Zuschauer hat man das dann auch gespürt. Nach dem 1:0 war die Partie entschieden. Ich hatte sogar das Gefühl, dass sie nicht hundert Prozent geben mussten. Die Konkurrenten in der Bundesliga, auch Dortmund, sind einfach ein Stück weg, wie man auch in der Tabelle sieht.

Wenn ich dann Thomas Müller sehe, wie er auch noch seinen elften Titel ausgelassen auf dem Rasen feiert, freue ich mich. Er ist ein Phänomen, eine Clublegende. Seine ganze Karriere lang geht er immer mit dem Gedanken ins Spiel, zu gewinnen. Er muss sich nicht extra motivieren, das ist einfach in ihm drin. Und damit steht er wie kein Zweiter für den FC Bayern. Zweifel gibt es bei Bayern nie. Man weiß, was man will und dass man jeden auf der Welt schlagen kann.

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Verletzungsbedingt fehlte Badstuber 2013 beim Champions League-Finale gegen Dortmund (2:1) - seine Kollegen zeigten nach dem Sieg eine starke Aktion.

Wenn man die Meisterserie der Bayern sieht, vergisst man leicht, dass auch Verlieren Teil des Fußballgeschäfts ist. Dabei können Niederlagen sehr wertvoll sein, das erkennt man aber meist erst im Nachhinein. 2012 war das bitterste Jahr meiner Karriere. Jeder weiß, was passiert ist. Aber ich bin überzeugt: Aus 2012 haben wir viel Kraft und Motivation gezogen - und jeder weiß auch, was dann 2013 passiert ist: das Triple, mit dem auch die aktuelle Meisterserie losging.

Das Schönste an Meisterschaften in München war für mich immer die gemeinsame Feier mit den Fans. Im Autokorso fährt man durch die Stadt, dann steht man auf dem Rathausbalkon, und unten ist der Marienplatz proppenvoll. Da merkt man so richtig, wie sehr die Menschen mit dem Verein verbunden sind, was ihnen der FC Bayern bedeutet. Ich wünsche den Spielern und den Fans, dass solche unvergesslichen Momente jetzt hoffentlich wieder möglich sind. Und auch da gilt: Je häufiger man auf dem Balkon stehen kann, desto besser. Das wird nie langweilig.

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