
Diese 89. Minute im Kölner Stadion wird auf ewig mit ihm verbunden sein: Jamal Musiala nimmt sich den Ball, dreht sich auf seine spezielle Weise und schließt trocken ins lange Eck ab – der FC Bayern ist Last-Minute-Meister! Doch der 20-jährige Offensivkünstler blickt längst schon wieder nach vorne auf die nächsten Aufgaben, wie er im Interview mit fcbayern.com verrät. Musiala will sich persönlich und gemeinsam mit dem Team weiter steigern, um „dem Verein zu noch mehr Titeln zu verhelfen“. Im Interview spricht Musiala über seine Ambitionen, die kommende Saison, den Golden Boy-Award sowie die Europameisterschaft in Deutschland.
Das Interview mit Jamal Musiala
Jamal, Hand aufs Herz! Wie häufig musstest Du bisher die Geschichte von Deinem Treffer am letzten Spieltag in Köln erzählen?
Jamal Musiala: „Das war schon sehr oft, aber das mache ich doch gerne (grinst). Es motiviert mich, dass ich mehr solcher Momente in meiner Karriere erleben möchte. Hoffentlich kann ich dem Verein zu noch mehr Titeln verhelfen.“

Was ging Dir bei dem Last-Minute-Tor in Köln durch den Kopf?
„Da waren so viele Emotionen, dass ich nicht wusste, was ich machen soll. Ich habe einfach rumgeschrien vor Freude und bin rumgesprungen (lacht). Es war ein großer Moment für mich. Es ist umso schöner, dass ich mit dem wichtigen Tor dazu beitragen konnte, dass wir doch noch Meister geworden sind. Aber das ändert nichts daran, wie ich jetzt trainiere. Ich schaue auf die neue Saison: Wir haben viel vor. Natürlich haben wir die Meisterschaft gefeiert, aber wir können besser spielen. Unser voller Fokus liegt auf der neuen Saison, wir können viel erreichen.“
Mit dem Treffer hast Du bei den Bayern-Fans wohl jetzt schon Legenden-Status erreicht. Aber denkst Du, dass sich dadurch auch Dein Standing innerhalb der Mannschaft verändert hat?
„Meine Trainingsmotivation, mein Umfeld und meine Mentalität bleiben gleich. Auch mein Verhalten innerhalb des Teams wird sich dadurch nicht ändern. Ich will immer alles geben und gemeinsam mit der Mannschaft Erfolge feiern.“

Du bist erst 20 Jahre alt, gehst aber schon in Deine vierte Saison als Profi beim FC Bayern. Inwiefern wird Deine Verantwortung im Team größer?
„Meine Erwartungen an mich sind immer hoch. Je mehr man spielt, desto mehr Verantwortung bekommt man. Mit der Zeit bin ich selbstbewusster geworden und traue mir zu, meine Mitspieler zu pushen und mitzureißen.“
Wie würdest Du Eure Teamstruktur und Deinen Platz darin beschreiben?
„In unserem Team haben wir erfahrenere Spieler, die schon mehr erlebt haben und auch mehr kommunizieren. Das sind zum Beispiel Thomas Müller, Manuel Neuer oder Joshua Kimmich. Sie sind Leader, an denen man sich immer orientieren kann. Aber jeder Spieler, der auf dem Platz steht, hat seine Momente, um ein Leader zu sein. Wir versuchen immer, uns gegenseitig zu helfen.“

Kannst Du auch ein Lautsprecher sein oder lässt Du lieber Deine Füße sprechen?
„Ich bin eine Person, die für gewöhnlich nicht gerne im Mittelpunkt steht. Das ,Center of Attention‘ werde ich nie sein, ich bin normalerweise nicht der Lauteste im Raum, bin eher ruhiger. Aber auf dem Platz, wenn ich eine Meinung zu einem Thema habe oder jemandem helfen kann, äußere ich mich. Ich kann und will ein Führungsspieler sein, der mit Leistung vorneweg geht und seine Mitspieler damit pusht.“
Bist Du der erste Ansprechpartner für die Spieler, die vom Campus zu den Profis hochgerückt sind?
„Ich versuche, ihnen auf und außerhalb des Platzes zu helfen und Ratschläge zu geben. Es ist nicht immer einfach, sich als junger Spieler bei den Profis zurechtzufinden, insbesondere beim FC Bayern. Als ich in der Position war, habe ich auch viele Fragen gestellt. Bei mir war es wichtig, dass ich selbstbewusst und frei aufgespielt habe. Das ist meine Stärke.“

Welche Ziele hast Du für die kommende Saison?
