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Denzi Ofli während einer Trainingseinheit im Trainingslager der FC Bayern Amateure.
© FC Bayern

Deniz Ofli: Dank meiner Nachbarin erstmals im Profi-Kader

Mit den Amateuren des FC Bayern befindet sich Deniz Ofli aktuell im Trainingslager im sonnigen San Diego. Seit dem Jahreswechsel gehöhrt der Linksverteidiger zum Kader der Regionalliga-Mannschaft und steht vor seinem ersten Halbjahr im Herrenbereich. Im Interview spricht er über das Trainingslager, sein Testspiel-Debüt bei den Profis und die besonderen Begleitumstände bei seiner ersten Kadernominierung.

Das Interview mit Deniz Ofli

Servus Deniz, bist du noch geflasht von eurem Eishockey-Teamevent am Samstag?
Deniz Ofli: „Es war eine großartige Erfahrung, sich dieses Spektakel einmal live anzuschauen. Auch die Möglichkeit, danach noch in der Kabine der Anaheim Ducks mit den Spielern sprechen zu können, ist nicht selbstverständlich. Ich war auch in Deutschland schon einmal bei einem Spiel – das war ebenfalls spannend, weil ich sonst fast ausschließlich Fußball schaue.“

Was läuft dann bei dir zuhause – Bundesliga, Premier League oder Serie A?
„Ich bin schon eher der Bundesliga-Typ und schaue auch viele Spiele, nicht nur vom FC Bayern. Wenn interessante Partien laufen, verfolge ich aber auch regelmäßig die Premier League und die Serie A. Besonders die italienische Liga hat es mir angetan, da dort viele türkische Spieler im Einsatz sind, zum Beispiel Hakan Çalhanoğlu oder Kenan Yildiz. Seine Karriere verfolge ich besonders interessiert.“

Inwiefern?
„Es geht nicht um seine Position, sondern darum, dass er es geschafft hat, Profi zu werden. Auch er hat hier am Campus gespielt und es dann im Ausland bis in die türkische Nationalmannschaft geschafft. So einen erfolgreichen Weg wünsche ich mir natürlich auch – am liebsten bei Bayern. Das motiviert mich.“

„Beides ist ein Teil von mir“

Deniz Ofli bei einer koordinativen Lauf-Übung.
Deniz Ofli spielt seit 2019 für den FC Bayern. | © FC Bayern

Du hast früher für Deutschland gespielt, jetzt für die Türkei. Wie kam es zu der Entscheidung?
„Ich habe bis zur U16 beim DFB gespielt. Die Türkei hat sich jedoch immer sehr um mich bemüht, mich eingeladen und mir viel Vertrauen und Wertschätzung entgegengebracht. Deshalb und wegen der aufgezeigten Perspektive habe ich mich entschieden, aktuell für die Türkei aufzulaufen. Bis jetzt läuft es wirklich gut und ich fühle mich beim Verband sehr wohl.“

Heimisch fühlst du dich aber bei beiden Nationen.
„Ich bin in München geboren, meine Mutter ebenfalls. Mein Vater kam mit drei Jahren nach Deutschland. Ich fühle mich hier sehr wohl, bin hier aufgewachsen und schätze die deutsche Kultur sehr. Auf der anderen Seite bin ich aber auch Türke. Beide Seiten gehören zu mir und ich bin stolz darauf, beide Kulturen in mir zu tragen.“

Deine Familie hat auch eine besondere Verbindung zur Säbener Straße, richtig?
Das stimmt. Meine Mutter ist an der Säbener Straße groß geworden und mein Onkel wohnt dort immer noch. Wenn ich bei den Profis trainiere, gehe ich danach oft zu ihm. Meine Familie ist sehr stolz auf mich und unterstützt mich, wo sie nur kann.“

Der Sprung zu den Profis 

In den vergangenen Wochen hattest du also oft die Gelegenheit, deinen Onkel zu besuchen.
„Ja, ich war jetzt mehrere Wochen bei der ersten Mannschaft dabei. Nach dem U19-Spiel gegen Freiburg Anfang Dezember (3:2) hat mich U19-Trainer Peter Gaydarov darüber informiert, dass ich in der nächsten Woche bei den Profis mittrainieren darf. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, aber es war erst einmal komplettes Neuland für mich. Das Team hat es mir jedoch einfach gemacht und mich sehr herzlich aufgenommen.“

Wie war die erste Einheit?
„Am Anfang war ich sehr nervös. Ich wusste nicht, was ich sagen oder wo ich mich hinstellen soll. Dieses Gefühl vergeht aber mit der Zeit. Es ist ein Privileg, mit diesem Team zu trainieren, aber am Ende sind wir alle nur Menschen. Diese Einstellung hilft mir.“

 Hast du auch Tipps von erfahrenen Spielern bekommen?
„Ja, zum Beispiel von Alphonso Davies. In den letzten Tagen haben wir im Training oft zusammen Flanken trainiert. Er hat mir gesagt, ich soll variabler sein und immer mal wieder neue Dinge ausprobieren. Solche Tipps sind für meine Entwicklung enorm wichtig.“

Mit der Hilfer der Nachbarin

Deniz Ofli feiert nach einem Sieg der FC Bayern Profis gemeinsam mit der Mannschaft und den Fans.
Am 21. Dezember stand Deniz Ofli gegen den 1. FC Heidenheim das erste Mal im Kader der FC Bayern Profis. | © Imago

Stimmt es, dass du von deinem Kaderplatz gegen Heidenheim erst sehr spät erfahren hast?
„Das ist eine verrückte Geschichte. Über Nacht sind zwei Spieler bei den Profis kurzfristig krank geworden, deshalb bin ich spontan in den Kader gerückt. Ich wurde früh morgens angerufen, bin allerdings nicht ans Handy gegangen, weil ich geschlafen habe. Meine Eltern waren an diesem Wochenende nicht zuhause und nur mein Bruder war da. Plötzlich werde ich wach und höre, wie er die Treppe runterrennt, um die Tür zu öffnen. Dann stand dort meine Nachbarin und meinte nur: ‚Weck sofort den Dada, der muss aufstehen, der ist heute im Heidenheim-Kader‘. Niemand konnte mich erreichen, deshalb hat meine Mama die ganze Nachbarschaft mobilisiert, nachdem Bayern bei ihr angerufen hatte. Als ich davon erfahren habe, bin ich sofort aufgestanden, habe mich fertig gemacht und bin direkt zur Säbener Straße gefahren. Ich konnte es gar nicht realisieren.“

Wie war dann die Busfahrt nach Heidenheim für dich?
„Ich war voller Adrenalin. Der ganze Tag lief ab wie ein Film. Ich konnte weder bei der Fahrt noch im Tageshotel wirklich runterfahren. Um 23 Uhr war ich schon wieder zuhause und musste mich fragen, ob dieser Tag wirklich so passiert ist. Alles ging so schnell.“

„Das war einfach ein Wow-Moment“

Auf deinen ersten Profi-Einsatz hast du dich ein bisschen besser vorbereiten können. Beim Testspiel gegen Salzburg konntest du schon vermuten, dass du reinkommst.
„Vielleicht war ich auch deswegen gar nicht nervös. Einen Tag vorher hat René Marić zu Felipe Chávez und mir gesagt, wir sollen unsere Sachen packen – da wusste ich, dass ich vielleicht spielen werde. Ich habe ganz normal geschlafen und mir vorgenommen, einfach mein Spiel zu machen und mich nicht zu verstellen. Im Moment der Einwechslung war ich so fokussiert, dass ich das Drumherum und das große Stadion kaum wahrgenommen habe. Du bist in einem Tunnel und denkst nur daran, gut zu performen. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen.“

Neben dir wurden mit Wisdom Mike, Javier Fernández, David Santos Daiber, Cassiano Kiala, Guido Della Rovere und Felipe Chávez eine Vielzahl an Campus-Spielern eingesetzt. Letzterer traf sogar und legte das Tor von Lennart Karl auf.
„Felipes Tor war einfach ein Wow-Moment. Wir kennen uns schon seit der U13 und verstehen uns wirklich sehr gut. Er ist einer meiner liebsten Menschen im Verein. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie viel Qualität er hat. Er musste einige Hindernisse überwinden. Wenn es jemand verdient hat, dann er.“

Stolpersteine und Comebacks

Deniz Ofli und Felipe Chávez freuen sich gemeinsam über ein Tor.
Deniz Ofli und Felipe Chávez verbindet eine tiefe Freundschaft. | © Imago

Auch bei dir lief es nicht immer so steil bergauf wie zuletzt.
„Die erste Zeit bei Bayern war nicht einfach. Ich war ruhig, zurückhaltend und habe kaum gespielt. Ich habe nur langsam Anschluss gefunden und war sogar kurz davor, zu wechseln. Aber ich habe weitergemacht, mehr trainiert und an mir gearbeitet – und es hat sich ausgezahlt.“

Wer hat dir dabei am meisten geholfen?
„Meine Eltern, mein Bruder und mein bester Freund. Zuhause wird kaum über Fußball gesprochen – egal, ob ich gut oder schlecht spiele. Das hilft extrem, den Druck rauszunehmen und den Kopf freizubekommen. Und natürlich meine Trainer, weil sie immer an mich geglaubt haben.“

Der Blick nach vorne

Jussef Nasrawe und Deniz Ofli jubeln während einer Trainingseinheit.
Deniz Ofli genießt das Trainingslager der FC Bayern Amateure in den Vereinigten Staaten. | © FC Bayern

Jetzt gehörst du zum Kader der U23 – und bist gleich im Trainingslager in San Diego. Wie fühlt sich das an?
„Es ist etwas ganz Besonderes, hier im Trainingslager zu sein. Die Jungs haben mich super aufgenommen. Natürlich merke ich Unterschiede im Vergleich zur U19, weil alles erwachsener ist, aber es fühlt sich gut an. Die Plätze vor Ort sind überragend und wir haben optimale Bedingungen, um uns auf die zweite Saisonhälfte vorzubereiten. Mein Ziel ist es, in jedem Training alles zu geben und mich bestmöglich weiterzuentwickeln.“

Und was sind deine Ziele für die zweite Saisonhälfte?
„Ich möchte einfach dort weitermachen, wo ich aufgehört habe: immer Vollgas geben, mich weiterentwickeln und meine nächsten Schritte gehen. Ich glaube fest daran, dass ich es weit schaffen kann, wenn ich so weitermache – das hilft sowohl dem Team als auch mir persönlich.“

Verfolgt das Amatuere-Trainingslager in den USA in unserem Ticker: 

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