
Für Robert Deziel Jr. ist das Trainingslager der Bayern-Amateure in den USA eine Reise voller Erinnerungen: Einst als Nachwuchsspieler in den Staaten gestartet, führte ihn sein Weg über Real Madrid und Celta Vigo bis zum FC Bayern. Im Interview spricht der Verteidiger über seine persönliche Entwicklung, prägende Erfahrungen, Rückschläge und seine Ziele mit den Amateuren.
Das Interview mit Robert Deziel Jr.
Servus Robert, du warst 2019 schon einmal hier. Was unterscheidet den Robert von damals vom Robert von heute?
Robert Deziel Jr.: „Ich war mit der U-Nationalmannschaft der USA schon einmal hier. Das ist über fünf Jahre her. Im Vergleich zu damals habe ich mich auf beiden Ebenen weiterentwickelt – mental und physisch. Ich bin älter und erwachsener geworden und habe viele neue Erfahrungen gesammelt. Auf jeden Fall bin ich heute ein besserer Fußballer (lacht).“
Wie surreal fühlt es sich an, zurückzukehren?
„Ich hätte nicht geglaubt, dass ich jemals mit einem Fußballverein an diesen Ort zurückkehren würde. Es macht mich auf jeden Fall ein bisschen nostalgisch. Alle Gebäude sehen noch so aus wie damals, und ich erinnere mich sehr gut an die Tage, die wir hier verbracht haben. Ich habe sogar noch Kontakt zu einigen Spielern aus dieser Zeit. Damals habe ich noch bei Celta Vigo in Spanien gespielt. Ein Jahr später kam der Wechsel zu Bayern.“
Bayern war bis dahin aber nicht der einzige Rekordmeister in deiner Vita.
„Das stimmt. Ich habe in der Jugend zwei Jahre für Real Madrid gespielt, bevor ich bei Celta Vigo gelandet bin.“
Ein steiler Karrierebeginn. Wie kam es dazu?
„Meine Familie kommt aus Florida. Dort habe ich auch mit dem Fußballspielen angefangen, für Basketball war ich immer zu klein (lacht). Als ich neun Jahre alt war, sind meine Eltern aus beruflichen Gründen nach Madrid gezogen. Ich habe dort zunächst bei einem kleineren Verein gespielt, wurde dann von Real gescoutet und habe zwei Jahre dort verbracht. Es ist eine meiner schönsten Erinnerungen an meine erste Zeit in Europa. Nicht viele Amerikaner können von sich behaupten, dass sie einmal für Real Madrid und den FC Bayern gespielt haben.“
Der Weg nach Deutschland: Wurzeln und neue Chancen

Was kam danach?
„Als es bei Real für mich nicht weiterging, sind meine Eltern mit mir nach Vigo gezogen, um mich auf meinem weiteren Weg zu unterstützen. Ich habe dort knapp drei Jahre gespielt und wollte dann den nächsten Schritt machen. Dabei habe ich immer wieder an Deutschland gedacht. Ich habe die Kultur damals schon sehr gemocht – ich war immer Fan der Nationalmannschaft, und ein Urgroßelternteil meiner Mutter stammt sogar aus Deutschland. Ich habe es also in meinem Blut. Zusammen mit meinem Agenten haben wir nach möglichen Stationen in Deutschland gesucht. Ich hatte zunächst ein Probetraining bei Borussia Mönchengladbach. Alles sah gut aus, ich wollte dorthin. Doch dann ergab sich kurzfristig die Möglichkeit für ein Probetraining bei Bayern. Das wollte ich unbedingt versuchen.“
Und deine Eltern haben dich dabei unterstützt?
„Ja, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Sie haben mich immer unterstützt und begleitet. Das ist nicht selbstverständlich, und das weiß ich. Dieser Schritt zum FC Bayern hat mich sehr glücklich gemacht. Es war die beste Entscheidung, die ich damals treffen konnte. Aufgrund der vielen Umzüge war der Wechsel nichts Neues für mich. Ich habe mich schnell eingewöhnt und die Sprache gelernt. Wie vermutet, hat die deutsche Mentalität auch besser zu mir gepasst.“
Warum?
„Ich habe Deutsche immer als sehr diszipliniert und respektvoll wahrgenommen – Menschen, die hart für ihren Erfolg arbeiten. Ich würde sagen, damit kann ich mich selbst sehr gut identifizieren. Ich bin ein ruhiger Typ, aber auf dem Platz spiele ich gerne typischen deutschen Fußball. Dieser zeichnet sich für mich durch hohe Intensität und Aggressivität aus.“
Mentale Stärke als Wegbegleiter

Wie schwer war es, sich an die andere Art Fußball zu gewöhnen?
„In Spanien ist das Spiel langsamer und sehr ballbesitzorientiert. Ich musste mich erst daran gewöhnen, hatte damit aber nicht allzu viele Probleme. Ich fand mich schnell zurecht und habe von der U16 bis zur U19 alle Jugendteams durchlaufen. Allerdings gab es auch Phasen, in denen ich nicht regelmäßig gespielt habe.“
Wie bist du damit umgegangen?
„In einer Mannschaft will jeder spielen und sich am Wochenende beweisen. Ich musste immer wieder auch mit Rückschlägen kämpfen, aber das hat mich mental zu einem stärkeren Menschen gemacht.“
„Eine sehr wichtige Erfahrung in meinem Leben“

Diese Mentalität hat dir auch zuletzt bei deiner zweijährigen Leihe in Berlin geholfen.
„Ich bin damals von der U19 des FC Bayern direkt zur VSG Altglienicke nach Berlin verliehen worden. Damals war ich 17 und habe zum ersten Mal Männerfußball gespielt. Anfangs war ich auch noch lange verletzt und musste mich erst in die Mannschaft kämpfen. An die Stadt und die neue Umgebung habe ich mich schnell gewöhnt, weil ich diesen Prozess ja schon kannte. Alles in allem war es eine sehr wichtige Erfahrung in meinem Leben, die mich vieles gelehrt hat. Wenn ich nochmal vor der gleichen Wahl stünde, würde ich den gleichen Schritt wieder machen.“
Im vergangenen Sommer ist deine Leihe zu Ende gegangen. War es geplant, dass du zum Kader der Amateure gehören wirst?
„Das war zunächst nur eine Idee. Ich bin damals nach München zurückgekehrt, und der Verein und ich haben eine gemeinsame Lösung gesucht. Lange stand auch im Raum, dass ich den FC Bayern verlasse. Ich habe aber durchgehend an meine Chance geglaubt. Die kam gegen Ende des Sommers auch: Aufgrund der engen Personalsituation haben Markus Weinzierl und Holger Seitz mir ermöglicht, mich in einem Testspiel zu zeigen und mich im Training zu beweisen. Seither bin ich Teil des Teams.“
„Ich fühle mich wie zu Hause“

Wie bleibst du in so einer ungewissen Situation positiv?
„Ich bin sehr religiös und ziehe viel Kraft aus meinem Glauben. Selbst wenn ich mich in einer schwierigen Phase befinde, war es für mich immer wichtig, positiv zu bleiben und gut zu meinen Mitmenschen zu sein. Ich glaube daran, dass alle guten Taten im Leben irgendwann positiv zurückkommen – gerade, wenn man hart arbeitet und bescheiden bleibt.“
Deinen Platz in der Mannschaft hast du so gefunden und bisher 15 Regionalliga-Spiele absolviert (drei Tore).
„Ich freue mich sehr, dass es so gelaufen ist und ich weiterhin für den FC Bayern auflaufen darf. Ich liebe den Verein und vor allem die Stadt. München ist für mich die schönste Stadt, in der ich je gelebt habe. Ich habe hier viele Freunde gefunden, mit denen ich im Sommer gerne im Englischen Garten unterwegs bin. Ich fühle mich wie zu Hause – und es ist schön, zu Hause zu spielen.“
Wie würdest du dich auf dem Platz beschreiben?
„Mit dem Ball bin ich ein moderner, schneller Innenverteidiger, der versucht, auch in engen Situationen eine spielerische Lösung zu finden. Gegen den Ball hilft mir meine Physis, für die ich im Kraftraum hart arbeite. Außerdem gehört das Kopfballspiel zu meinen Stärken.“
Das Trainingslager hat eben erst begonnen. Was sind die Ziele für die kommende Zeit?
„Wir wollen uns weiterentwickeln – jeder von uns. Die Bedingungen hier sind top! Das wird uns auf einen guten Weg bringen, um die Vorbereitung erfolgreich abzuschließen und für die erste Aufgabe gegen Unterhaching bereit zu sein.“
...und für dich persönlich?
„Ich will dem Team helfen. Es geht vorrangig nicht um eigene Ziele, sondern um die Mannschaft. Wenn ich also jeden Tag da bin und alles gebe, werden auch die Mitspieler um mich herum davon profitieren. Natürlich möchte ich aber so viel wie möglich spielen.“
Verfolgt das Amatuere-Trainingslager in den USA in unserem Ticker:

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