Logo FC Bayern München

News

Logo Telekom

Neuers Balljunge & Bayern-Urgestein: Das sind Bayerns Torhüter-Talente

Es ist der 5. März 2024, als in der Allianz Arena ein Schlusspfiff ertönt: Manuel Neuer dreht sich zur Südkurve um, reißt die Arme in die Luft und jubelt mit den Bayern-Fans. Dazwischen, hinter der Bande, steht ein Balljunge mit blauer Cap und Leibchen. Er reckt Neuer die Siegerfaust entgegen und auch er gibt einen glücklichen Siegesschrei von sich. Aus gutem Grund: Der FC Bayern hat soeben das Rückspiel gegen Lazio Rom gewonnen (3:0) und sich für das Viertelfinale der Champions League qualifiziert.

Fast genau zwei Jahre später steht dieser Balljunge selbst erstmals bei einem Heimspiel des FC Bayern im Champions League-Kader. Sein Name: Leonard Prescott. Der mittlerweile 16 Jahre junge Nachwuchskeeper ist nach den Ausfällen von Manuel Neuer, Sven Ulreich und Leon Klanac die erste Wahl hinter Jonas Urbig. Letzterer hat nach seiner Gehirnerschütterung am Dienstag das Abschlusstraining absolviert. „Wenn alles normal läuft, steht Urbig am Mittwoch im Tor. Wenn nicht werden wir eine andere Lösung finden. Das wäre dann Leonard Prescott“, erklärte Cheftrainer Vincent Kompany auf der PK. 

Über den jüngsten Tormann in seinem Kader ergänzte der 39-Jährige: „Er ist ganz ruhig. Aber ich muss auch sagen, wenn ich auf einen jungen Spieler wie ihn schaue, dann ist es ein anderes Extrem zu Ulle. Aber insgesamt sind wir ein ganz ruhiger Staff - wenn er spielen muss, bekommt er volle Unterstützung und Rückendeckung. Wir haben viele gute Spieler, die ihm dann helfen. Und es wird nie ein junger Spieler bei uns geben, der eine Hauptrolle bekommt. Egal, was passiert: Wir haben volles Vertrauen!"

Von New York über Berlin an den Campus

In New York geboren, wuchs Prescott mit einem amerikanischen Vater und einer deutschen Mutter ab seinem zweiten Lebensjahr in Berlin auf. Dort spielte er für den Nachwuchs von Union Berlin, ehe er im Alter von 13 Jahren an den FC Bayern Campus wechselte und dort ins Internat einzog. Seitdem spielte der großgewachsene Torhüter für die U14 bis zur U16, von wo er den Sprung direkt zur U19 schaffte und zur Nummer 1 aufstieg. Dabei kommt der 1,96 Meter große Keeper bereits auf 16 Einsätze in der DFB-Nachwuchsliga und in der Youth League. Außerdem trainiert der 16-jährige Schüler mit der Schuhgröße 47 bereits regelmäßig bei der ersten Mannschaft und stand beim Champions League-Hinspiel gegen Bergamo erstmals neben Jonas Urbig & Co. im Kader von Cheftrainer Vincent Kompany.

„Leo strahlt trotz seines jungen Alters bereits große Ruhe aus“, beschreibt Ex-Profitorwart Tom Starke und ergänzt: „dass er mit 15 Jahren schon Youth League gespielt hat und die Nummer Eins der U19 ist, spricht für sich.“ Er sei neben dem Platz einer ruhiger und sehr demütiger Mensch, der auf dem Feld aber sehr laut und selbstbewusst agiere und sich durch seine Raumverteidigung auszeichnet, so der Teamleiter Torwarttrainer Nachwuchsfußball weiter: „Er nutzt seine Größe ideal aus, geht mutig zu hohen Bällen und fängt eine Vielzahl davon ab. Das ist eine große Stärke von ihm.“ 

Mit Rat von Manuel Neuer

„Es ist ein geiles Gefühl, seinen Idolen zuzusehen“, sagte Leonard Prescott im März 2024 und blickte staunend auf den „größten Keeper aller Zeiten“. Um seinem Ziel von der Seitenline auf den Platz näher zu kommen, gab ihm der fünfmalige Welttorhüter einen Rat: „Es ist wichtig, dass er sich Tag für Tag verbessert und den Glauben hat, es eines Tages zu schaffen“.

Dieser Tag könnte nun früher kommen, als Prescott es sich erträumt hätte. Mit einem Einsatz am Mittwochabend würde der sechsfache deutsche U17-Nationalkeeper nicht nur Sven Scheuer als jüngsten Bayern-Tormann der Geschichte ablösen (Debüt 1989 mit 18 Jahren und 237 Tagen), sondern auch zum jüngsten Champions League-Torhüter des Wettbewerbs aufsteigen.

Das ist Jannis Bärtl

Diesen Rekord könnte der zweite Ersatzkeeper, Jannis Bärtl, nicht mehr aufstellen: Er ist mit seinen 19 Jahren zwar drei Jahre älter als Prescott, steht aber dennoch erst am Anfang seiner Karriere. Diese hat Bärtl bereits mit sieben Jahren beim FC Bayern gestartet, als der gebürtige Regensburger 2013 beim Rekordmeister das Torwartspiel lernte. Von da an durchlief der heute 1,83 Meter große Tormann alle Jugendteams bis zur U19. Dann folgte für Bärtl eine Leihe innerhalb Deutschlands zum Karlsruher SC. 

Jannis Bärtl hütet den Kasten der FC Bayern Amateure. | © FC Bayern / Goldberg

Seit 2013 beim FCB

„Jay-Bee ist einer von uns“, sagt Tom Starke. Einer, der den Campus und den FC Bayern schon fast sein ganzes Leben lang kennt. Nach einer erfolgreichen Ausbildung habe er sich aus der Komfortzone getraut und 2023 den Schritt nach Baden-Württemberg gewagt: „Er hat es dort sehr gut und viele Schritte nach vorne gemacht“, so Starke. Er sei mit der Entwicklung Bärtls, der beim KSC mit 48 Spielen in zwei Saisons Stammkeeper war, sehr zufrieden. „Janis ist für sein Alter schon sehr reif. Das merkt man nicht nur auf dem Platz, wo er sich durch seine enormen Qualitäten am Ball und seine Reflexe auszeichnet, sondern auch durch sein Verhalten außerhalb des Sports.“ Natürlich sei der Profifußball seine Priorität, nichtsdestotrotz möchte er sich auch neben dem Platz weiterbilden und ein Studium beginnen. 

Starke Reflexe

Dafür ist aktuell allerdings wenig Zeit. Neben seinen regelmäßigen Trainingseinheiten bei den Profis ist Bärtl die aktuelle Nummer Eins bei den Amateuren und hat dort auch in Vertretung des verletzten Leon Klanac bisher elf Regionalliga-Spiele für die FCB-Reserve absolviert. Am Mittwochabend könnte vielleicht ein Champions League-Einsatz dazukommen. 

Und wer weiß, vielleicht steht dann irgendwo am Spielfeldrand ein anderer Balljunge vom Campus – der den jungen Torhütern im Bayern-Trikot mit leuchtenden Augen zusieht.

Ein Einsatz von Bärtl oder Prescott könnte Bayerns Jung-Rekord ausbauen:

Logo FC Bayern München

Diesen Artikel teilen

Weitere news