

Es gibt Reisen, die vergisst man nicht mehr. Und es gibt diese eine ganz besondere Nacht, in der trotzdem nochmal alles anders ist: Wenn ein ganzes Dorf, ein halbes Dutzend Fanclubs und ein Präsident mit Herzblut ein eigenes Flugzeug chartern, um ihren FC Bayern nach Madrid zu begleiten. Was als verrückte Idee irgendwann begann, wird zu einer Geschichte, die zeigt, was Leidenschaft, Zusammenhalt und Mentalität wirklich bedeuten. Wer wissen will, wie 180 Fans über sich hinauswachsen, warum ein Fanclub-Präsident nachts um drei noch Tickets verteilt – und was das alles mit dem großen Traum vom Halbfinale zu tun hat, der sollte jetzt unbedingt weiterlesen.
Not macht erfinderisch

Die Idee, eine eigene Maschine zu chartern, war ja gar kein Geistesblitz. Es war aus der Not geboren – und das nicht zum ersten Mal. „Die Flugpreise waren schnell astronomisch hoch“, sagt Rudi Grabmeier: 800, 900 Euro – für viele Bayernfans der „Red Bulls Taubenbach“ (Kreis Rottal-Inn) schier unbezahlbar. Also griff der Fanclub-Präsident zum Telefon, kontaktierte andere Fanclubs, wägte ab, rechnete, riskierte. Letztlich charterte er ein eigenes Flugzeug, das ihn und seine Freunde aus München nach Madrid zum Viertelfinal-Hinspiel brachte. „Dadurch konnten wir den Platz im Flieger für nur 475 Euro anbieten“, verrät Grabmeier. Und: Es war gar nicht der erste Flug, den der Fanclub charterte, sondern bereits der siebte: „Es ist immer viel Arbeit, viel Risiko, viel Verantwortung.“ Doch diesmal, sagt Grabmeier, war der Gegner ja auch der vielleicht allergrößte, den es gibt. Das Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid an sich fast schon wie ein Finale. Und so wurde aus einer spontanen und ein bisschen verrückten Aktion ein Projekt, das am Ende, wie Rudi Grabmeier sagt, „schon wieder sehr geil“ war.
Erfahrung, Herzblut, Familie
Grabmeier ist kein Neuling. 2010 schon war er mit Freunden in Madrid. „Das erste Mal ist immer etwas Besonderes, Nervenkitzel pur.“ Damals tobte eine Aschewolke über Europa, Flugzeuge flogen kaum, diesmal war es entspannter – und doch wieder ein riesiger Kraftakt. „Du hast immer das Risiko, dass du in Vorkasse gehen musst. Kein Mensch von uns hat ja so viel Geld auf dem Konto.“
180 Herzen, ein Ziel
Es war schon wieder sehr, sehr geil
Fanclub-Präsident Rudi Grabmeier
Ohne große Werbung war der Flieger in nur 24 Stunden ausgebucht. „Der Run war unglaublich. Ich hätte auch eine zweite Maschine chartern können.“ Am Ende waren es 178 Fans, zwei mussten kurzfristig krankheitsbedingt wieder absagen – „aber ich sage immer 180, weil er war ja ausgebucht und ausverkauft.“ 150 Fluggäste waren Fans der Red Bulls Taubenbach, die übrigen Plätze vergeben an Freunde, Weggefährten und auch neue Gesichter aus anderen Fanclubs. „Das war eine unglaublich runde Sache diesmal.“
Brotzeit über den Wolken
„Die meisten Flieger haben immer zu wenig Getränke an Bord für uns Bayern-Fans.“ Also organisierte Rudi Grabmeier 1000 Dosen Paulaner, Leberkäse, Semmeln, Brezen. „Das war alles eine krasse Story.“ Die Crew staunte, die Stimmung war ausgelassen, das Gruppenfoto am Flughafen ein kleines Wunder. „So einen schönen Flug haben wir noch nie gehabt“, freuten sich die Stewardessen, behauptet Grabmeier: „Ein Fanbild ohne Probleme, das ist auch mal wichtig.“
Madrid weint – und Bayern lebt
In Madrid kamen die Transferbusse zum Plaza Mayor, dort gemeinsames Einstimmen, Vorfreude, Nervosität – sie hatten es doch noch alle nach Madrid geschafft. „Jeder war auf Sieg eingestellt, 2:1, 3:1 – wir sind immer positiv.“ Dann der Regen, das Warten vor dem Stadion. „Madrid weint jetzt schon“, scherzte Rudi Grabmeier im Dauerregen. Die Kontrollen zäh, die Stimmung trotzdem elektrisierend. „Wir haben Stimmung gemacht, wie wir es angekündigt haben – viel lauter als die ganzen Madrid-Fans.“ Das Spiel: ein Wechselbad der Gefühle. „Du leidest, du jubelst, du bist voller Emotionen dabei.“ Am Ende ein Ergebnis, das alles offenlässt – und den Hunger auf mehr nur noch größer macht. Morgens um halb vier ging es per Flugzeug zurück nach München – müde zwar, aber bestens gelaunt durch den Hinspiel-Sieg.
Zusammenhalt, der bleibt
Was Rudi und seinen Fanclub ausmacht? „Unsere Aktivität, nicht bloß beim Fußball, auch beim Basketball, unsere Jugendarbeit.“ Fast 600 junge Mitglieder haben sie, über 3000 insgesamt. „Wir begleiten die Jugend, bieten etwas Spezielles, helfen beim Berufspraktikum.“ Fan zu sein bedeutet bei ihnen Teil einer rot-weißen Familie zu sein, inklusive Verantwortung. Erst im Winter kam Jamal Musiala zum Fanclub-Besuch zu den „Red Bulls Taubenbach“, noch so ein Highlight in Grabmeiers Kalender.
Der Blick nach vorn – Mittwoch, München, magische Nacht

Jetzt, nach dieser Reise, ist aber nur vor dem nächsten Höhepunkt. „Du freust dich auf diese entscheidenden Monate April und Mai. Du bist voller Energie, wenn du diese Highlight-Spiele miterleben darfst.“ Am Mittwoch, beim Rückspiel in München, werden sie wieder da sein. „Wir werden 150 Mitglieder im Stadion sein, viele in der Südkurve.“ Die Karten werden verteilt an die, „die es verdient haben, die immer dabei sind, nicht nur die Rosinenpicker.“ Und dann? „Dann haben wir auch wieder eine magische Nacht vor uns, die hoffentlich so ausgeht, wie wir es uns alle vorstellen – mit dem Einzug ins Halbfinale.“

Themen dieses Artikels


