

FC Bayern-Fans reisen von überall an, um ihre Mannschaft bei Auswärtsspielen zu unterstützen – selbst wenn es sie Hunderte Kilometer über Autobahn oder Schienen, über Ozeane und Wüsten führt. Um diejenigen kennenzulernen, die keinerlei Aufwand und Kosten scheuen, um ihren FC Bayern auch außerhalb der Allianz Arena zu erleben, wollen wir sie noch besser kennenlernen: unsere Auswärtsfans mit ihren besonderen Geschichten, ihrer Liebe und ihrer Leidenschaft für den FC Bayern.
Wenn der FC Bayern am heutigen Dienstagabend (21 Uhr) im Bernabéu aufläuft, sind Kevin und Moritz mittendrin statt nur dabei. Für die beiden Fans ist diese Reise nach Madrid nicht einfach nur ein Auswärtstrip in der Champions League, sondern ein Moment, auf den sie seit Jahren hingefiebert haben – voller Erinnerungen, großer Spiele und dieser besonderen Vorfreude, die nur solche Europapokal-Nächte auslösen.

Kevin ist 33, Moritz 32 – beide kommen aus Köln, beide sind mit dem FC Bayern groß geworden. Und beide wissen, wie es sich anfühlt, als Bayern-Fan in einer Stadt aufzuwachsen, in der der 1. FC Köln allgegenwärtig ist. Für Kevin begann alles 1999, mit dem dramatischen Champions League-Finale gegen Manchester United. Damals war er ein kleiner Junge, gerade erst dabei, Fußball für sich zu entdecken. Sein Vater spielte hobbymäßig Fußball, dort entstand zunächst die Liebe zum Sport. Doch an diesem Abend wurde daraus mehr. Die Familie saß gemeinsam vor dem Fernseher, hielt „für die Bayern als deutsches Team“ – und Kevin litt mit. Die Bilder von Oliver Kahn und Mehmet Scholl, niedergeschlagen am Tor sitzend, hat er bis heute vor Augen. „Ich habe mich mit dem Einsatz, der Leidenschaft und dem Team angefreundet“, sagt er. Aus Mitleid wurde Nähe, aus Nähe Verbundenheit.
Wie aus Kindheitserinnerungen Fanliebe wurde
Auch Moritz’ Bayern-Geschichte führt zurück in die Kindheit. Geprägt wurde er vor allem durch seinen Vater, der schon seit den 70er Jahren Bayern-Fan ist. „Das muss man sich mal überlegen, das sind jetzt über 50 Jahre Familiengeschichte, die wir mit dem FC Bayern verbinden“, sagt er. Bei ihm fing alles klassisch an: mit Bayern-Bettwäsche, mit Postern von Claudio Pizarro oder Owen Hargreaves aus der Bravo Sport, mit dem Bayern-Trikot auf dem Wunschzettel. Und mit diesen besonderen Abenden unter der Woche, wenn Champions League war und er wenigstens bis zur Halbzeit aufbleiben durfte. Gerade diese Erinnerungen aus den späten 90ern und frühen 2000ern, sagt Moritz, hätten ihn emotional dauerhaft an den FC Bayern gebunden.
Ich habe mich mit dem Einsatz, der Leidenschaft und dem Team angefreundet.
FC Bayern-Fan Kevin
Das Champions League-Finale 2001 gegen Valencia ist für beide ein solcher Schlüsselmoment. Kevin weiß noch genau, wie er „eingemummelt in meiner FC Bayern-Bettwäsche“ das Elfmeterschießen verfolgte – und vermutlich die Nachbarn weckte, als Oliver Kahn den letzten Elfmeter hielt. Moritz beschreibt dieses Endspiel als das erste Finale, das er wirklich bewusst erlebt hat. Solche Nächte bleiben. Sie sind es, für die Fanleben gemacht sind.
Bayern-Fans in Köln: Gegen die Masse, mit Überzeugung
Dabei war das Fansein in Köln nicht immer leicht. Kevin erzählt von Schulzeiten, in denen er sich als Bayern-Fan einiges anhören musste. Dazu kamen italienische Freunde und Mitschüler, mit denen sich in den erfolgreichen Jahren von Juventus, Milan und Inter ein ständiges sportliches Kräftemessen entwickelte. Gerade die internationalen Abende hätten ihn geprägt – auch, weil die Bayern damals in seinen Augen noch nicht mit jener Selbstverständlichkeit auftraten, die man heute vielleicht eher mit ihnen verbindet. Umso größer war für ihn der Reiz dieser Duelle mit den ganz Großen. Gerade Spiele gegen Real Madrid seien „immer etwas Besonderes“ gewesen.
Wir haben wichtige Tipps für Gästefans vor Ort gesammelt:
Auch Moritz verbindet mit Real Madrid diese große europäische Bühne. Wenn er zurückdenkt, dann an legendäre Namen, an epische Stadien und an Kindheitsträume. Schon früh wollte er einmal selbst in den Arenen jener Vereine sein, die Europa geprägt haben: im Old Trafford oder im Estadio Santiago Bernabéu. Vor fast drei Jahren konnte er bei Manchester United den ersten Haken setzen. Und jetzt folgt Madrid – ausgerechnet in einem Champions League-Viertelfinale.
Große Nächte, bittere Momente, bleibende Erinnerungen
Live haben die Bayern beiden unvergessliche Erinnerungen geschenkt. Kevin bekam von seinen Eltern einmal Tickets für ein Spiel in München geschenkt – gegen Hoffenheim, in jener Saison 2008, als der Aufsteiger die Liga aufmischte. Er flog mit seinem Vater nach München, verbrachte einen Tag dort und erlebte am Abend in der Allianz Arena eines der besten Fußballspiele, an die er sich erinnert. Plätze direkt hinter dem Tor, dazu Luca Tonis 2:1 in der Nachspielzeit auf genau dieses Tor – „ein unvergesslicher Moment“, sagt er. Moritz’ erstes Live-Spiel der Bayern führte ihn ins alte Müngersdorfer Stadion in Köln. Geblieben ist ihm dieses Spiel bis heute auch deshalb, weil die Bayern damals in Trainingsleibchen antreten mussten, da das Auswärtstrikot fehlte.

Dann sind da diese Abende, die jeder Bayern-Fan sofort wieder vor sich sieht. 2012 das Halbfinale gegen Real Madrid, als Bastian Schweinsteiger die Bayern ins Finale schoss. Kevin erinnert sich daran, wie er mit mehreren Leuten im Wohnzimmer einer Freundin mitfieberte und danach den Abend „sehr ekstatisch“ feierte. Nur wenige Wochen später dann das Finale dahoam, gemeinsam geschaut bei Moritz – mit Barbecue, Familie, Freunden und der Hoffnung auf den lang ersehnten Titel. Doch stattdessen blieb einer der bittersten Momente seiner Bayern-Zeit. Umso größer war die Erleichterung ein Jahr später, als die Wiedergutmachung gegen Dortmund gelang. Kevin fuhr mit Freunden nach München, sah das Finale beim Public Viewing in der Allianz Arena und feierte anschließend mit allen den Champions League-Titel. Für ihn bis heute einer der coolsten Momente überhaupt.
Der lange Weg zu einem besonderen Europapokal-Abend
Für Moritz bekam die Beziehung zum FC Bayern später noch eine weitere Ebene. Er studierte Sportmanagement in Köln, absolvierte während seines Masterstudiums in München ein Praktikum beim FC Bayern und arbeitete sechs Monate an der Säbener Straße. Hinter die Kulissen zu blicken, Spieler zu sehen, das Trainingsgelände zu erleben und zu verstehen, wie dieser Verein funktioniert – all das war für ihn, wie er sagt, ein wahrgewordener Traum. Inzwischen lebt er seit fast zehn Jahren mit Unterbrechungen in München und kann deshalb immer wieder in die Allianz Arena gehen. Doch auch für ihn ist das, was jetzt ansteht, noch einmal etwas anderes.
Die Faktenlage zum Duell bei Real:
Denn Madrid ist für beide mehr als nur ein Spielort. Für Kevin war ein Champions League-Spiel der Bayern lange ein Punkt auf der Bucketlist. „Das steht schon sehr lange auf meiner Liste“, sagt er. Geklappt hatte es bislang nie. Fast wäre es 2022 so weit gewesen, doch dann kam das überraschende Aus gegen Villarreal dazwischen. Umso größer ist nun die Freude, dass es ausgerechnet mit einem Auswärtsspiel in Madrid klappt – K.-o.-Phase, Bernabéu, Real. Für Moritz ist es ebenfalls ein absolutes Highlight, eines, von dem er „jetzt schon weiß, dass es niemals vergessen wird.“
Madrid als Höhepunkt einer langen Bayern-Reise
So trägt dieser Tag in Madrid für beide vieles in sich: Kindheitserinnerungen, Familiengeschichte, große Fußballnächte und die Vorfreude auf einen Gegner, der für Generationen von Bayern-Fans immer ein besonderer war. Kevin spricht davon, „super heiß“ auf das Spiel zu sein und sich auf die Stimmung mit den Bayern-Fans im Auswärtsblock zu freuen. Moritz hofft auf eine „wundervolle Zeit“ und auf Erinnerungen, die man irgendwann vielleicht weitergeben kann. Vielleicht sogar an eigene Kinder – so wie er einst seine Leidenschaft von seinem Papa geerbt hatte. Aber nun zählt es erstmal gegen Real, oder wie Kevin es zum Schluss sagt: „Pack ma‘s!“
Im Interview spricht Leon Goretzka über den Viertelfinal-Kracher bei Real:

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