

Mit einem souveränen 5:0-Auswärtssieg bei Viktoria Aschaffenburg haben sich die FC Bayern Amateure vor 1800 Fans aus der Saison 2025/26 verabschiedet. Gleichzeitig endete damit auch die Zeit von Holger Seitz als Cheftrainer der zweiten Mannschaft. Nach insgesamt 189 Spielen an der Seitenlinie blickt der 51-Jährige auf sein letztes Heimspiel und seine Verbindung zum FC Bayern.
Das Interview mit Holger Seitz
Holger, mittlerweile ist auch dein letztes Spiel als Trainer der FC Bayern Amateure vorbei. Mit dem 5:0 in Aschaffenburg hätte es sportlich kaum einen besseren Abschluss geben können. Wie hast du diesen letzten Tag erlebt?
„Es war ein besonderer Tag. Natürlich nimmt man vor so einem Spiel noch einmal viele Dinge bewusster wahr. Umso schöner war es, dass die Mannschaft zum Ende so ein Spiel gezeigt hat. Die Jungs sind sehr charakterstark und haben sich das absolut verdient. Der Zusammenhalt und die Energie in der Mannschaft waren gerade in den letzten Wochen spürbar. Dass wir uns dann mit so einem Auftritt verabschieden konnten, war ein schöner Abschluss.“
Wie hast du dich nach dem Schlusspfiff gefühlt?
„Natürlich kommt nach so vielen Jahren einiges hoch. Aber ich war vor allem stolz auf die Mannschaft und dankbar für die gemeinsame Zeit. Die letzten Tage insgesamt – erst das Heimspiel an der Grünwalder Straße und dann jetzt Aschaffenburg – waren emotional schon sehr besonders.“
Gerade das letzte Heimspiel an der Grünwalder Straße hat viele bewegt. Die Fans haben dich dort mit einer eigenen Choreo verabschiedet. Was hat dieser Moment mit dir gemacht?
„Ich war den ganzen Tag eigentlich komplett auf die Partie fokussiert und hatte gar nicht so auf dem Schirm, dass es mein letztes Heimspiel sein würde. Als ich dann durch den Tunnel Richtung Platz gelaufen bin, habe ich die Choreo gesehen und erst nach und nach realisiert, dass sie mir gewidmet ist. In dem Moment sind unglaublich viele Erinnerungen hochgekommen – aus den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren. Ich war ehrlich gesagt für ein paar Minuten komplett emotional überwältigt und musste mich erst wieder sammeln, um mich auf das Spiel zu konzentrieren.“
Wann konntest du das Ganze wirklich an dich heranlassen?
„Eigentlich erst einen Tag später. Direkt nach dem Spiel war alles noch sehr intensiv. Aber am Samstag, im Austausch mit meiner Familie, habe ich gemerkt, wie dankbar ich für diese Wertschätzung bin – von den Fans, der Mannschaft und auch von den Verantwortlichen im Verein. Das hat mich sehr berührt.“
Was bedeutet dir der FC Bayern persönlich?
„Für mich war nie entscheidend, welche Aufgabe ich hier habe. Wichtig war immer nur, für wen ich sie machen darf. Und das ist für mich der beste Verein überhaupt. Ob U17, U19, Amateurtrainer oder Sportlicher Leiter – ich war immer einfach froh, Teil dieser Reise zu sein. Ich glaube, die Menschen hier haben gespürt, dass das bei mir von Herzen kommt.“

Diese Verbindung zum FC Bayern begann schon sehr früh, oder?
„Ja, tatsächlich schon als Jugendlicher. Ich war 16, als ich mein Probetraining bei Hermann Gerland hatte. Damals aus Niederbayern an die Säbener Straße zu fahren, war riesig für mich. Hermann war brutal ehrlich zu mir und meinte damals, dass mir wahrscheinlich das Tempo fehlen würde, um ganz oben anzukommen. Im Nachhinein hatte er leider recht (lacht). Aber genau solche Erfahrungen prägen dich. Am Ende bin ich als 22-Jähriger doch noch bei den Amateuren gelandet.“
Du hast mit den Amateuren viele emotionale Momente erlebt. Welcher bleibt besonders hängen
„Die Aufstiegsrelegation gegen Wolfsburg war wahrscheinlich das emotionalste Erlebnis auf dem Platz. Da hat einfach alles gepasst: das Stadion, die Atmosphäre, die Mannschaft, die Fans. Wir lagen im Rückspiel sogar 0:1 hinten und haben trotzdem diesen unglaublichen Spirit entwickelt und das Spiel gedreht (4:1). Diese Mannschaft ist damals extrem zusammengerückt. Das war wahrscheinlich das schönste Erlebnis als Trainer.“

Auf der anderen Seite gab es aber auch schwierige Phasen – gerade in dieser Spielzeit. Wie hast du die letzten zwölf Monate erlebt?
„Diese Saison war definitiv die herausforderndste, die ich hier erlebt habe – als Spieler, Trainer oder Sportlicher Leiter. Wir hatten im Winter sehr viele Abgänge, weil sich die Jungs gut entwickelt haben und Vereine auf sie aufmerksam wurden. Gleichzeitig kamen viele Verletzungen dazu. Das hat uns enorm gefordert.“
Trotzdem blickst du positiv auf die Saison zurück. Warum?
„Weil es bei uns am Ende um Entwicklung geht. Natürlich willst du beim FC Bayern immer gewinnen, aber unser Auftrag ist es, Spieler auf den nächsten Schritt vorzubereiten. Und wenn du siehst, wie viele junge Spieler in dieser Saison Erfahrungen im Herrenfußball gesammelt haben, dann war das trotz aller Schwierigkeiten eine sehr erfolgreiche Saison. Mit den zahlreichen Debütanten bei den Profis sogar die beste Saison überhaupt für den Nachwuchs des FCB.“
Du hast in den vergangenen Jahren viele Talente begleitet – unter anderem Aleksandar Pavlović, Josip Stanišić oder Frans Krätzig...
„Das freut mich natürlich extrem. Aber ich habe die Jungs letztlich nur begleitet. Jeder Spieler braucht etwas anderes. Der eine braucht einen harten Ton, der andere mehr Ruhe. Entscheidend ist, dass du ein Gefühl für die Spieler entwickelst.“
Gerade die Geschichte von hast du mit deinem Trainerteam entscheidend mitgeprägt.
„Ja, ich glaube schon. Er hatte damals, als er zu uns kam, ein paar Verletzungen hinter sich und war kurz davor, den Verein zu verlassen. Wir mussten ihn erst wieder körperlich stabil bekommen. Ich hatte aber sofort das Gefühl, dass er als Linksverteidiger funktionieren kann. Frans war extrem intelligent und lernfähig. Als er dann im Sommer darauf auf der Audi Summer Tour dieses Tor gemacht hat (4:3-Siegtreffer im Test gegen Liverpool), war mir klar: Das wird für ihn eine Tür öffnen. Im Anschluss hat er seinen Weg gemacht und ist jetzt Profifußballer.“
Viele ehemalige Spieler haben sich in den vergangenen Tagen bei dir gemeldet. Wie viel bedeutet dir das?
„Sehr viel. Ich habe eine Menge persönliche Nachrichten bekommen. Das waren sehr berührende Worte. Martin Demichelis hat mir zum Beispiel geschrieben. Da merkt man einfach diese gegenseitige Wertschätzung – und das freut mich enorm.“

Was war dir im Umgang mit jungen Spielern immer besonders wichtig?
„Authentizität und Klarheit. Die Spieler merken sofort, wenn du ihnen etwas vorspielst. Gerade junge Spieler brauchen Orientierung. Sie haben so viele Einflüsse von außen – da muss der Trainer Klarheit vermitteln. Das habe ich selbst als Spieler geschätzt und genau das wollte ich auch weitergeben. Wenn du als Trainer merkst, dass ein Spieler den nächsten Schritt macht, dann ist das unglaublich motivierend. Das war immer mein größter Antrieb.“
Hat sich dein Blick auf die Trainerrolle über die Jahre verändert?
„Definitiv. Heute würde ich meinem jüngeren Ich raten, sich mehr mit erfahrenen Trainern auszutauschen. Gerade als junger Trainer bist du oft emotional und extrem im Tunnel. Da hilft jemand von außen, der Dinge einordnet oder relativiert. Erfahrung ist im Umgang mit jungen Spielern unglaublich wichtig.“
Und zum Schluss: Was wirst du am meisten vermissen?
„Das kann ich so richtig erst sagen, wenn mein neuer Job feststeht. Aber definitiv die Heimspiele an der Grünwalder Straße.“
So haben die FC Bayern-Leihspieler am letzten Wochenende abgeschnitten:

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