



Von Herzogenaurach nach Berlin
Sa., 23.05.26, 19:07
„Unbezahlbare Erinnerungen": So erleben zwei Bayernfans aus Franken das Finale des DFB-Pokals
FC Bayern-Fans reisen von überall an, um ihre Mannschaft bei Auswärtsspielen zu unterstützen – selbst wenn es sie Hunderte Kilometer über Autobahn oder Schienen, über Ozeane und Wüsten führt. Um diejenigen kennenzulernen, die keinerlei Aufwand und Kosten scheuen, um ihren FC Bayern auch außerhalb der Allianz Arena zu erleben, stellen wir sie vor: unsere Auswärtsfans mit ihren besonderen Geschichten, ihrer Liebe und ihrer Leidenschaft für den FC Bayern.
Für Tobias ist es das allererste Mal überhaupt, sein jüngerer Bruder Matthias, der war schon einmal da: Olympiastadion Berlin, Pokalstimmung, Endspiel. Ein paar Freunde hatten den Herzogenauracher mitgenommen vor 19 Jahren, als der 1. FC Nürnberg überraschend den VfB Stuttgart bezwang und den DFB-Pokal nach Franken holte. „Ich nehme das heute als gutes Omen“, sagt der 48-Jährige: „Damals hat Stuttgart verloren. Heute hoffentlich wieder“, so Matthias.

„Die Stimmung, die Stadt, die Fans – das ist schon was ganz Besonderes“, findet Tobias Frerichs (51). Die Brüder wollten nicht nur am Samstagabend ins Olympiastadion, sie wollten das komplette Event aufsaugen, wie sie sagen: „Stadt, Spirit und die Fan-Kulturen beider Lager“, so Tobias – natürlich mit besonderem Blick auf den rot-weißen Teil. Auch sie stecken beide voller Stolz in den neuen Heimtrikots des deutschen Meisters mit goldenem Kakadu-Emblem auf der Brust. „Das hat uns der Giovane Elber verkauft“, erzählt Matthias und strahlt, besorgt haben sie es sich im Popup-Store des FC Bayern in der Hauptstadt, wo auch der Riesenkakadu von der Meisterfeier ausgestellt ist. Im Hotel gelassen haben sie ihre Retro-Trikots mit Zickler, Pizzaro, Ballack auf dem Rücken, die haben sie am Vortag getragen, beim Sightseeing zwischen Berliner Mauer und Brandenburger Tor.
Freundliche Atmosphäre
Auf ihren Streifzügen durch die Stadt begegneten sie vielen Fans, die Atmosphäre gerade auch mit den VfB-Anhängern ist auffallend freundlich, geprägt von lockerer Stichelei: „Das muss schon sein, das gehört dazu“, sagen die Brüder und grinsen.
Die Stimmung, die Stadt, die Fans – das ist schon was ganz Besonderes!
Tobias aus Herzogenaurach
Dass sie an diesem enorm heißen, ersten Sommertag in Berlin sein dürfen, ist für beide etwas ganz Besonderes – und eine stolze Investition: Zug, zwei Nächte im Hotel, Trikots aus dem Pop-up-Store, Bier und Essen summieren sich auf eine hohe dreistellige Summe pro Kopf. „Das Erlebnis ist es wert und wird uns für immer bleiben“, sagt Tobias: „Es ist das allererste Mal, dass ich auswärts mit dem FC Bayern unterwegs bin. Sonst war es immer das Olympiastadion oder die Allianz Arena.“
Matthias war schonmal auswärts dabei, als Student vor über 20 Jahren in Kaiserslautern. Arbeitskollegen hatten Tickets besorgt und der FC Bayern-Fan fand sich am Betzenberg bei den Roten Teufeln wieder. „Ich konnte weder jubeln, noch mich über die Tore beim 2:0-Sieg offen freuen“, erzählt er: „Das hätte im FCK-Fanblock zu echten Problemen für mich geführt.“ Als er sich von den Kollegen auf dem Heimweg verabschiedet hatte, war es endlich soweit: „Ich habe so laut gejubelt, das war wahnsinn: Die Freude hatte sich die ganze Zeit aufgestaut, jetzt endlich konnte ich sie rausschreien!“
Rummenigges Dribblings und Breitners Frisur
Die Liebe zu den Bayern begann für seinen großen Bruder in den 80ern: Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner prägten die Kindheit. „Rummenigge war der Superstar, sein Tempo, die Dribblings, die Tore – das hat mich gepackt. Und die Frisur von Paul Breitner im knallroten Trikot. Das blieb bei mir als kleinem Bub sofort hängen, das hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen.“ Dazu kommt der immer erfolgreiche, attraktive Fußball. „Und auch das große soziale Engagement des Klubs, damit identifizieren wir uns einfach gerne.“ Angesteckt hat er damit seinen jüngeren Bruder und auch die kleine Schwester. „Ab diesem Moment waren wir Rote – für immer!“

Dass sie nun Tickets fürs DFB-Pokalfinale mit ihrem FC Bayern haben, ist ein riesengroßer Glücksfall. „Wir haben nicht nachdenken müssen, keine Sekunde“, sagt Matthias. Jetzt zählt nur noch: genießen, den FC Bayern nach Leibeskräften unterstützen – und einen unvergesslichen Pokalabend erleben.

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