

„Hier herrscht Anspruch, hier ist Qualität“
Interview: Lars Bender über seinen Start beim FC Bayern & seine Vision als U17-Cheftrainer
Lars Bender ist zurück in München, als neuer Cheftrainer der U17 des FC Bayern. Der ehemalige Nationalspieler bringt die Erfahrung aus fast 350 Profispielen mit an den Campus und möchte diese an sein Team weitergeben. Im Interview mit fcbayern.com spricht der 37-Jährige über seine ersten Eindrücke im Nachwuchs des deutschen Rekordmeisters, die größten Herausforderungen für Talente im modernen Fußball, die besondere Beziehung zu Zwillingsbruder Sven und was er von seiner Mannschaft in der kommenden Saison erwartet.
Das Interview mit Lars Bender
Lars, du bist zurück in München, herzlich willkommen beim FC Bayern! Wie hast du deine ersten Tage am Campus erlebt?
„Ich wurde von allen herzlich aufgenommen, es sind viele neue Gesichter, viel Personal, das erschlägt einen am Anfang ein bisschen. Aber schon nach den ersten Schritten merkst du: Hier herrscht Anspruch, hier ist Qualität – du wirst automatisch mitgezogen, immer alles zu geben.“

München ist für dich ein ganz besonderer Ort, hier hast du deine ersten Schritte als Spieler und Trainer gemacht. Was bedeutet dir die Rückkehr zu deinen Wurzeln?
„Zum einen ist es die Rückkehr in eine Stadt und eine Region, mit der ich viel verbinde. Aber für mich steht vor allem das sportliche Umfeld im Vordergrund, das ich hier vorfinde. Ich bin mittlerweile nicht mehr Spieler, sondern Trainer und da schaue ich sehr genau hin, wie die Strukturen aussehen und welche Perspektiven gegeben sind.“
Du hast als Nachwuchstrainer begonnen, bist über den Herrenbereich nun wieder bei der U17 gelandet: Warum dieser Weg zurück in den Juniorenfußball?
„Ich komme zwar aus dieser Altersklasse und kenne sie gut, war zuletzt aber im Herrenbereich tätig. Letztlich war das ausschlaggebende Argumente das, was hier am FC Bayern Campus rundherum geboten ist: das Setup, die Bedingungen, das Team, das ich führen darf – das ist unfassbar professionell. Das hat mich sehr gereizt.“

Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen im modernen Fußball?
„Seit meiner Jugendzeit hat sich der Fußball stark verändert. Trends zu erkennen und für sich richtig einzuordnen, ist aktuell die größte Herausforderung. Für junge Spieler ist es wichtig, dass sie einerseits offen sind für neue Impulse und andererseits genug Raum behalten, um ihren eigenen Weg zu gehen. Diesen möchte ich zulassen, mit meinen eigenen Vorstellungen und mit denen des Vereins.“
Wie definierst du Erfolg im Nachwuchsfußball – Titel oder individuelle Entwicklung?
„Für mich geht beides Hand in Hand. Wir können von den Jungs nicht erwarten, dass sie nur in individuellen Themen wachsen, auch wenn dort natürlich der Fokus liegt und das klarer Schwerpunkt in Ausbildung und Entwicklung sein muss. Gleichzeitig müssen sie aber lernen, um was sie eigentlich spielen: um Wettbewerb, um Erfolg. Dieser Drang, dieser Wille nach Erfolg und der eigene Anspruch, nach dem größtmöglichen und bestmöglichen Ziel zu streben, ist unabdingbar, wenn du vorwärtskommen willst. Und das möchte ich verbinden. Individuelle Entwicklung, jeden Einzelnen voranbringen und gleichzeitig immer übergeordnete Ziele für das Kollektiv im Blick behalten.“
Auf welche Art von Fußball dürfen wir uns in der kommenden Spielzeit bei der U17 freuen?
„Wir wollen maximale Dominanz ausstrahlen, Dynamik im Spiel haben und eine intensive Spielweise wählen. Man soll sehen, dass es beim FC Bayern ums Gewinnen geht, und darum, niemals satt zu sein. Ich möchte von den Jungs sehen, dass sie diesen Anspruch leben und zeigen.“
Wie viele Freiheiten gibst du jungen Spielern bei taktischen Entscheidungen?
„Grundsätzlich sollen die Jungs immer Freiheiten besitzen. Wir wollen ihre Individualität, das macht sie jetzt und später im Profibereich aus. Gleichzeitig ist klar, dass in diesem Altersbereich noch mehr Fokus auf taktischem Verständnis und Struktur liegt. Diese Mischung aus klarer Struktur und Freiräumen ist für mich entscheidend.“

Mit fast 350 Profispielen bringst du enorme Erfahrungen mit: Wie möchtest du diese im Alltag am Campus an die Jungs weitergeben?
„Erst einmal möchte ich vermitteln, dass es immer noch besser geht und immer noch mehr möglich ist. Die Jungs sollen ihr Limit immer weiter verschieben und ich erwarte, dass sie jeden Tag ihre beste Version auf den Platz bringen. Alleine kommst du nicht weit, im Teamsport zählt das Miteinander.“
Welche Werte stehen dabei im Mittelpunkt?
„Für mich sind es vor allem Ehrlichkeit, Hingabe und Teamgeist. Du musst bereit sein, dich mit vollem Herzen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen - für dich selbst und deine Mannschaft.“

Ist es für Dich persönlich ein Vorteil oder manchmal auch eine Herausforderung, ständig mit dem eigenen Zwillingsbruder Sven verglichen zu werden?
„Für mich war es immer ein Vorteil. Wenn man parallel ähnliche Dinge erlebt in anderen Vereinen, kann man sich unglaublich gut austauschen über Erfahrungen, über Fragen, die aufkommen, über Probleme und mögliche Lösungen. Es ist enorm hilfreich, jemanden zu haben, der im ähnlichen Kosmos unterwegs ist. Ein Zwillingsbruder hat dadurch oft ein gutes Gefühl und eine andere Sicht auf Dinge, eine immense Unterstützung. Das war schon immer cool für uns.“
Wenn du zum Abschluss auf deine Karriere zurückschaust: Welche Persönlichkeiten haben dir am meisten mitgegeben und wie fließen diese Erfahrungen jetzt in deinen Alltag als Cheftrainer ein?
„Definitiv Jupp Heynckes, Peter Bosz und Horst Hrubesch. Hrubesch hat aus vermeintlich unpassenden Gruppen immer funktionierende Mannschaften geformt. Bosz hat mir gezeigt, wie kraftvoll präzise Detailarbeit sein kann. Selbst mit 29, 30 kannst du noch spürbar besser werden. Und Jupp hatte immer den maßgeschneiderten Anzug für seine Spieler gebaut, statt alle in ein Schema zu pressen. Diese Mischung aus Klarheit, Individualität und Menschlichkeit versuche ich in meine Arbeit als Trainer einfließen zu lassen.“
Bender ist, genau wie die U19 unter Cheftrainer Leo Haas, in die Vorbereitung gestartet:
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