

„Glücklich, weiter meinen Beitrag zu leisten“
Interview: Mosandl über emotionales Karriereende & Neuanfang
Drei Kreuzbandrisse, mehrere Operationen und unzählige Tage in der Reha: Moritz Mosandl hat in seinem jungen Alter mehr Rückschläge erlebt als viele Fußballer in ihrer gesamten Karriere. Nach neun Jahren beim FC Bayern und einem emotionalen Comeback nach dreieinhalbjähriger Pause beendete der Mittelfeldspieler im vergangenen Spätsommer seine Karriere. Heute hat der 23-Jährige ein neues Kapitel aufgeschlagen – und ist dem FC Bayern weiterhin erhalten geblieben. Im Interview spricht er über die schwierigsten Momente seiner Laufbahn, die Menschen, die ihn getragen haben, und warum er trotz allem dankbar auf seine aktive Zeit zurückblickt.
Das Interview mit Moritz ‚Mosi‘ Mosandl
Mosi, vor fast einem Jahr hast du nach langer Leidenszeit deine Karriere beendet. Wie blickst du heute auf diese Zeit zurück?
„Mittlerweile schon mit einer gewissen Ruhe. Direkt nach der Entscheidung war das nicht einfach. Fußball war mein Leben, meine große Leidenschaft und mein Kindheitstraum. Aber inzwischen kann ich sagen, dass ich meinen Frieden damit gemacht habe. Ich habe alles versucht und deshalb kann ich mir auch nichts vorwerfen. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es anders ausgeht, aber ich kann die Situation akzeptieren und freue mich jetzt auf das, was vor mir liegt.“

Wie schwer ist dir damals der Abschied gefallen?
„Sehr schwer. Das war kein Entschluss von heute auf morgen. Ich habe die Vorbereitung noch einmal mitgemacht und gehofft, dass mein Körper die Belastung noch mitgehen kann. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich mehr Zeit auf der Physiobank als auf dem Trainingsplatz verbringe. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass es körperlich und auch für den Kopf einfach zu belastend geworden ist. Dann habe ich die Entscheidung getroffen, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen.“
Wie emotional war der Moment, als du die Entscheidung der Mannschaft mitgeteilt hast?
„Schon sehr. Ich war neun Jahre beim FC Bayern, viele Mitspieler kannte ich schon ewig. Aus Teamkollegen sind Freunde geworden. Als ich in der Kabine stand und allen gesagt habe, dass es nicht mehr weitergeht, war das schon ein besonderer Moment. Da realisiert man erst richtig, dass ein Lebensabschnitt zu Ende geht. Aber ich habe unglaublich viel Zuspruch bekommen. Jeder hat mich in den Arm genommen und mir nur das Beste gewünscht. Das bedeutet einem schon sehr viel.“

Nach drei Kreuzbandrissen, vielen Monaten ohne Ball und mehreren Rückschlägen: Was war die schwierigste Phase?
„Ganz klar die Zeit nach dem zweiten Kreuzbandriss. Ich war fast zwei Jahre am Stück in der Reha und musste mehrere Operationen über mich ergehen lassen. Das war für den Kopf brutal. Es gab immer wieder Rückschläge und man hatte das Gefühl, einfach nicht voranzukommen. Die mentale Belastung war deutlich größer als die Schmerzen. Es gab Tage, an denen man sich wirklich überwinden musste, überhaupt wieder in die Reha zu fahren.“
Was hat dir in dieser Zeit Kraft gegeben?
„Vor allem meine Familie, meine Freunde und meine Freundin. Sie haben mich nie unter Druck gesetzt und mir immer das Gefühl gegeben, dass sie hinter mir stehen – egal, wie ich mich entscheide. Gerade meine Freundin hat alles hautnah miterlebt. Wir wohnen seit mehreren Jahren zusammen, sie hat auch die schwierigen Tage mitbekommen und mich immer unterstützt. Dafür bin ich ihr unglaublich dankbar. Und auch der FC Bayern war immer da. Ich habe mich nie allein gefühlt. Der Verein hat mir die Zeit gegeben, die ich gebraucht habe, hat meine Verträge verlängert und mich immer unterstützt. Außerdem standen meine Berater immer hinter mir und begleiten mich nun auch über mein Karriereende hinaus auf meinem weiteren Weg.“

Gab es Momente, in denen du ans Aufgeben gedacht hast?
„Natürlich. Diese Gedanken kommen automatisch, wenn du immer wieder Rückschläge erleidest. Aber ich wollte mir nie vorwerfen lassen müssen, es nicht versucht zu haben. Solange die Ärzte gesagt haben, dass es möglich ist, wollte ich kämpfen. Deshalb war mir dieses Comeback auch so wichtig. Nicht, weil ich mir etwas beweisen wollte, sondern weil ich für mich sagen wollte: Ich habe alles versucht.“
Im Vorjahr hast du nach über 1300 Tagen im letzten Heimspiel der Saison noch einmal das Amateure-Trikot tragen dürfen. Was bedeutet dir dieses Comeback heute, ein Jahr später?
„Sehr viel. Natürlich war mir damals nicht zu 100 Prozent bewusst, dass es mein letztes Spiel als Fußballer sein würde – allerdings hatte ich eine Vorahnung. Heute bin ich einfach dankbar, dass ich diesen Moment noch erleben durfte. Nach dreieinhalb Jahren wieder dieses Trikot anzuziehen, mit den Jungs in der Kabine zu sitzen und auf dem Platz zu stehen – das hat sich fast nochmal wie ein Debüt angefühlt. Ich glaube, ich habe jeden einzelnen Moment viel bewusster wahrgenommen und genossen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich diesen Abschluss noch bekommen habe.“
Nach dem Ende deiner aktiven Zeit bist du dem FC Bayern erhalten geblieben. Wie ging es für dich weiter
„Nach dem Abschied vom Leistungssport habe ich mir erstmal ein bisschen Zeit für mich genommen, um all das zu verarbeiten. Nach neun Jahren als Spieler war es nicht leicht, plötzlich einen Schlussstrich zu ziehen. Umso dankbarer bin ich, dass ich weiterhin Teil des Vereins sein darf. Seit dem Frühjahr arbeite ich als Werkstudent im Scouting am FC Bayern Campus. Dass mir der Verein diese Möglichkeit gegeben hat, freut mich wirklich sehr.“
Was reizt dich an dieser Aufgabe?
„Fußball war immer meine Leidenschaft und wird es auch bleiben. Natürlich ist es etwas anderes, wenn man nicht mehr selbst auf dem Platz steht. Aber ich merke, dass ich meine Erfahrungen aus der aktiven Zeit einbringen kann. Ich kenne die Perspektive eines Spielers, weiß, wie sich bestimmte Situationen anfühlen und wie wichtig manche Details sind. Das macht die Arbeit unglaublich spannend. Und ehrlicherweise genieße ich es auch sehr, weiterhin am Campus zu sein. Ich kenne hier so viele Menschen, habe hier fast mein halbes Leben verbracht. Es fühlt sich einfach vertraut an. Ich bin glücklich, dass ich dem Umfeld erhalten geblieben bin und auf eine andere Art weiterhin meinen Beitrag leisten kann.“

Kannst du dir vorstellen, langfristig in diesem Bereich zu arbeiten?
„Auf jeden Fall. Ich studiere BWL und möchte mich in diesem Bereich weiterentwickeln. Das Scouting ist unglaublich spannend und ich freue mich, dass ich dort erste Erfahrungen sammeln darf.“
Wenn du heute auf die vergangenen Jahre zurückblickst – überwiegt eher der Stolz oder die Enttäuschung?
„Ich glaube, es ist vor allem Dankbarkeit. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte anders endet. Aber ich durfte neun Jahre beim FC Bayern spielen, habe viele besondere Menschen kennengelernt und unglaublich viel erlebt. Die Verletzungen gehören leider dazu, auch wenn sie wehgetan haben. Aber ich kann heute sagen, dass ich alles gegeben habe und mir nichts vorwerfen muss. Und vielleicht ist das das Wichtigste: Dass man seinen Traum nicht daran misst, wie er endet, sondern daran, wie viel man auf dem Weg erleben durfte. Bisher war es eine herausfordernde, aber auch spannende Reise und ich bin mir sicher, dass es so weitergehen wird.“
Diese Campus-Spieler waren auf Länderspielreise:

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