

Im Porträt
Fr., 03.07.26, 14:00
Pfeilschneller Außenverteidiger mit Offensivdrang: Das ist FC Bayern-Neuzugang Nathaniel Brown
Servus, Nene! Nathaniel Brown – genannt Nene – wird ab der kommenden Saison das Trikot des FC Bayern tragen. Der pfeilschnelle Außenverteidiger wechselt von Eintracht Frankfurt zum deutschen Rekordmeister. Wir stellen den Neuzugang vor:

Besondere Wochen für den Senkrechtstarter
Besondere Wochen für den Senkrechtstarter

Nach dem deutschen Auftaktmatch gegen Curaçao (7:1) bei der Weltmeisterschaft kam Nathaniel Brown gar nicht mehr aus dem Grinsen heraus. „Es ist einfach unglaublich“, sagte der Außenverteidiger: „Erstes WM-Spiel und direkt ein Tor und eine Vorlage – ich glaube, besser geht’s nicht.“ Gut ein halbes Jahr nach seinem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft fand sich der 23-Jährige plötzlich auf der großen Bühne Weltmeisterschaft wieder und war damit endgültig im Sichtfeld der deutschen Fußballfans gelandet.
Auch wenn das deutsche WM-Abenteuer in Nordamerika mit dem Aus im Sechzehntelfinale letztlich alles andere als erhofft lief, werden die Auftritte des jungen Außenverteidigers in guter Erinnerung bleiben. Mit seinen Tempoläufen und gefährlichen Standards war Brown ein Lichtblick in der DFB-Elf. Vom Bundesliga-Shootingstar zum WM-Starter setzte der gebürtige Amberger damit seinen rasanten Aufstieg weiter fort, der nun mit dem Wechsel zum FC Bayern auch auf Vereinsebene ein neues Kapitel schreibt – und auch beim Neustart der DFB-Elf nach dem Sommer eine tragende Säule werden wird.
„Meine erste Weltmeisterschaft war ein besonderes Erlebnis für mich. Leider positiv wie negativ. Es ist eine riesengroße Ehre, Deutschland bei so einem Turnier zu vertreten. Umso mehr tut es weh, dass wir viele von euch enttäuscht haben. Dafür können wir uns nur entschuldigen“, schrieb Brown bei Instagram: „Ich werde weiter alles dafür tun, meinen Teil dazu beizutragen, dass wir Deutschland wieder stolz machen.“
Seit dem Sommer 2024 ist Nathaniel Brown in der Bundesliga aktiv und brachte es dort für Eintracht Frankfurt auf sieben Tore und zehn Assists in 59 Bundesliga-Spielen. Diese Ausbeute, die auch so manchem nominellen Angreifer im deutschen Oberhaus gut zu Gesicht stehen würde, verdankt der gelernte Abwehrspieler auch seiner Vielseitigkeit. Neben der linken und teilweise auch rechten Außenverteidigerposition wurde Brown häufig offensiv auf dem Flügel eingesetzt. „Er hat fantastische Qualitäten. Gute Spieler können überall eingesetzt werden, und er wird für uns auf jeder Position eine wichtige Rolle spielen“, adelte ihn der damalige SGE-Trainer Albert Riera.

Topspeed und Torgefahr
Topspeed und Torgefahr

In der für Frankfurt am Ende nur durchwachsenen Saison war Nathaniel Brown ein Lichtblick – und absolute Stammkraft: Vier Tore und vier Assists gelangen Brown in 33 Bundesliga-Spielen, dazu kamen noch zwei weitere Vorlagen in seiner ersten Champions-League-Saison, in der er in allen acht Partien der Hessen zum Einsatz kam. Kein Wunder also, dass er bei der Wahl unter den Eintracht-Fans mit 51 Prozent der Stimmen zum „Spieler der Saison“ gewählt wurde.
Brown ist technisch versiert und taktisch geschult – herausragend ist aber die enorme Geschwindigkeit des Youngsters. „Ich komme über meine Schnelligkeit. Ich will nach vorne spielen, offensiv denken“, erklärte er bei seiner Vorstellung in Frankfurt. In der vergangenen Saison wurde er mit 35,8 km/h in der Bundesliga „geblitzt“ und schrammte damit nur haarscharf an der Top Ten der schnellsten Spieler im Wettbewerb vorbei.

Insbesondere im Umschaltspiel machen Browns Geschwindigkeitsvorteile oft den Unterschied. Er kann seinen Gegenspielern mit seinen schnellen Antritten davonziehen oder aber in der Defensive die entscheidenden Meter im Sprintduell abnehmen. Zu spüren bekam das in dieser Saison unter anderem Spaniens Superstar Lamine Yamal im Königsklassenduell im Dezember. Trotz Barças 2:1-Sieg verließ der Offensivspieler den Platz bei seiner Auswechslung in der 89. Minute deutlich angesäuert, nachdem er sich zuvor auf Browns Abwehrseite aufgerieben hatte. Seine Leistung an diesem Abend „war okay, glaube ich“, meinte Nathaniel Brown danach verschmitzt. Er hatte nicht nur die zwischenzeitliche Frankfurter Führung vorbereitet, sondern es sei ihm auch „das eine oder andere Mal gelungen, ihn [Lamine Yamal, d. Red.] ein bisschen zu nerven.“
Neben der Champions League sammelte Brown mit der Eintracht auch in der Europa League internationale Erfahrung, wo in der Saison 2024/25 erst im Viertelfinale gegen den späteren Titelträger Tottenham Hotspur Endstation war. Und zuletzt eben auf der größten Bühne des Weltfußballs bei der Weltmeisterschaft in Mexiko, den USA und Kanada. Dabei hätte Brown die WM auch durchaus aus anderer Perspektive erleben können. Als Sohn eines US-Amerikaners wäre der Senkrechtstarter auch für den Co-Gastgeber spielberechtigt gewesen, entschied sich aber für Deutschland. „Ich wurde hier geboren und habe auch für die U21 gespielt“, begründete er seine Entscheidung.

Familienmensch mit viel Potenzial
Familienmensch mit viel Potenzial

Geboren im bayerischen Amberg, begann Brown bei seinem Heimatverein TSV Kümmersbruck mit dem Fußballspielen. Auf seinem Trikot stand damals schon Nene, der Spitzname, den ihm seine Mutter gab, da „Nathaniel Brown“ für die Oberpfälzer etwas zu sperrig war. Nach einer Station beim SSV Regensburg durchlief der Verteidiger die Jugendmannschaften des 1. FC Nürnberg, für den er im März 2023 im Alter von 19 Jahren in der 2. Liga debütierte. Es folgte der nächste logische Karriereschritt nach Frankfurt – und nun der Wechsel zum deutschen Doublesieger.
Dass Nathaniel Brown damit im Freistaat und somit auch in der Nähe seiner Heimat bleibt, dürfte insbesondere seine Familie freuen, die auch heute noch ein Fixpunkt in seinem Leben ist. Zwar pflegt Brown zu seinem leiblichen Vater kaum noch Kontakt, umso intensiver ist die Beziehung zu seiner Mutter, die auch seine WM-Premiere in den USA live vor Ort verfolgte. Seine Ausbildung zum Sport- und Gesundheitstrainer absolvierte der Familienmensch zudem nach seinem Schulabschluss im Fitnessstudio seines Ziehvaters in Kümmersbruck.
„Er ist ein ganz lieber Mensch, ein ganz lieber Kerl, der sehr demütig ist, der sehr wissbegierig ist. Er hat trotzdem auch einen kleinen Schalk im Nacken, was ich sehr gerne mag“, verriet Bundestrainer Julian Nagelsmann über Nathaniel Brown, der mit diesen Eigenschaften wohl auch bei seinem neuen Arbeitgeber perfekt ins Team passen wird. Einen Kritikpunkt hatte Nagelsmann aber doch noch an seinem Schützling: „Manchmal wünsche ich mir, dass er sich noch mehr zutraut“, meinte der frühere Bayern-Trainer: „Ich glaube, er weiß noch gar nicht, wie gut er ist.“ Die Fans des deutschen Rekordmeisters dürfen sich also auf eine echte Verstärkung freuen.
Alle Informationen zum Transfer von Nathaniel Brown:
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