Illustration von Sammy Kuffour im Zweikampf
© Illustration: Sergio Ingravalle

Special Moves

Zum 50. Geburtstag von FC Bayern-Legende Samuel Kuffour: Sammy regelt

Die Monstergrätsche, der unhaltbare Strich, der Schlenzer in den Winkel: Beim FCB gibt und gab es viele Spieler mit speziellen Fähigkeiten, die uns unvergessliche Momente schenken. So wie Samuel Kuffour, der auch und vor allem gegen Weltstars glänzte. Von 1993 bis 2005 absolvierte der ghanaische Abwehrspieler 277 Pflichtspiele für den deutschen Rekordmeister und gewann 17 Titel mit den Bayern. Am heutigen 3. September feiert er seinen 50. Geburtstag – wir wünschen alles Gute.

Effenbergs Nervenstärke beim 1:1, Kahns Monsterparaden im Elfmeterschießen – diese Szenen unseres Königsklassen-Triumphs gegen den FC Valencia werden viele Fans nie vergessen. Weniger präsent dürfte Samuel Kuffours Beitrag zum vierten Champions League-Titel sein. Denn der ghanaische Innenverteidiger sorgt am 23. Mai 2001 im Giuseppe-Meazza-Stadion nicht für den einen ikonischen Moment. Seine ganze 120-minütige Performance in der FCB-Dreierkette ist legendär. Wie in allen K.-o.-Spielen zuvor steht er über die volle Spieldauer auf dem Platz und unterbindet einen Angriff nach dem nächsten. Er läuft den Gegner an, grätscht, wuchtet sich in Luftduelle, läuft reihenweise Bälle ab. Nachdem er im Viertelfinale Manchester Uniteds Dwight Yorke und Andy Cole und im Halbfinale Real Ma­drids Raúl und Guti abgemeldet hat, ist jetzt John Carew dran. Von dem bulligen, 1,96 Meter großen Neuner ist im Finale kaum etwas zu sehen. Mit seiner für einen Innenverteidiger eher geringen Körpergröße von 1,78 Metern wirkt „Sammy“ haushoch überlegen. Wie gelingt es ihm, so erfolgreich gegen die Stars seiner Zeit zu bestehen? Was zeichnet sein Abwehrspiel aus?

Illustration von Sammy Kuffour im Kopfballduell

Leidenschaftlich Kompromisslos

© Illustration: Sergio Ingravalle

Leidenschaftlich Kompromisslos

Illustration von Sammy Kuffour im Kopfballduell
© Illustration: Sergio Ingravalle

 Kuffour geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Er sucht ihn, verteidigt proaktiv nach vorne und wirft sich mit einem Körpereinsatz hinein, der in der FCB-Historie seinesgleichen sucht. Auch im Training ist das nicht anders: „Ich habe es gehasst, gegen ihn zu trainieren“, sagt etwa Giovane Elber, mit dem er von 1997 bis 2003 beim FC Bayern spielt. Diese Spielweise bringt ein gewisses Risiko mit sich, er hält den Rekord für die meisten Hinausstellungen im FCB-Trikot (2 Gelb-Rote, 6 Rote Karten). Doch das sehen ihm Fans und Bosse gerne nach. „Wenn sich einer so reinknallt wie der Sammy, dann darf er auch Fehler machen“, so Uli Hoeneß. Erst recht, da es ihm in den großen Spielen stets gelingt, sich zu fokussieren. 

Illustration von Sammy Kuffour bei einem Befreiungsschlag

Explosiv in der Luft und am Boden

© Illustration: Sergio Ingravalle

Explosiv in der Luft und am Boden

Illustration von Sammy Kuffour bei einem Befreiungsschlag
© Illustration: Sergio Ingravalle

 Eine zentrale Komponente von Kuffours Spiels ist seine beeindruckende Athletik. Er ist extrem antrittsstark und wendig, wodurch er es auch mit technisch überlegenen Spielern aufnehmen kann. Hinzu kommt seine außergewöhnliche Sprungkraft. Dank ihr agiert er gegen Gegenspieler wie Valencias John Carew in der Luft locker auf Augenhöhe. Wenig verwunderlich sorgt er dadurch auch in der Offensive immer wieder für Torgefahr. Besonders bei Standards. Sechs seiner zehn Bayern-Treffer erzielt er per Kopf. Das gilt allerdings nicht für sein wichtigstes, das titelentscheidende 1:0 im Finale um den Weltpokal gegen die Boca Juniors in der 109. Spielminute der Verlängerung im November 2001. Das gelingt ihm aus dem Strafraumgewühl heraus mit dem rechten Fuß. 

Illustration von Sammy Kuffour mit der Meisterschale und einem Mikrofon in der Hand

Rot-weiß durch und durch

© Illustration: Sergio Ingravalle

Rot-weiß durch und durch

Illustration von Sammy Kuffour mit der Meisterschale und einem Mikrofon in der Hand
© Illustration: Sergio Ingravalle

 Der dritte und vielleicht wichtigste Grund für seine Gala-Vorstellungen auf großer Bühne ist Samuel Kuffours 100-prozentige Identifikation mit dem FC Bayern. Nachdem er mit 17 Jahren an die Säbener Straße wechselt, ist unser Verein für ihn zu einer zweiten Familie geworden. Bei der dritten von sechs Meisterfeiern skandiert er auf dem Münchner Rathausbalkon: „Wir wollen rot-weiße Trikots!“ Die Last-Minute-Niederlage gegen Manchester United im Jahr 1999 steigert nur seinen Ansporn, alles für den FCB zu geben. Ein schmerzhaftes Erlebnis, das er so gut wie möglich vergessen machen will. Dafür lässt er alles auf dem Platz – und wird zur Bayern-Legende. Kaum zu glauben, dass er am 3. September seinen 50. Geburtstag feiert. Herzlichen Glückwunsch, lieber Sammy! 

Die Serie „Special Moves“ erscheint regelmäßig im FC Bayern Magazin „51“ – hier geht es zu den Highlights der aktuellen Ausgabe:

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