



Frühes Gegentor & unnötige Fehler
Mi | 14.10.2026 | 01:26
Welche Lektionen die Bayern aus dem 3:3 bei Viking FK ziehen
Dass das kleine, aber durchaus stimmungsvolle Viking-Stadion in Stavanger rund 15.000 Zuschauern Platz zum Sitzen bietet, war lange nicht zu erkennen. Vor dem Anpfiff des ersten Champions League-Heimspiels der Vereinsgeschichte erhoben sich die Fans gemeinsam zur Vereinshymne und sahen danach zunächst keinen Grund, sich wieder zu setzen. Bereits 70 Sekunden nach dem Anstoß geschah etwas, das sie ohnehin von den Sitzen gerissen hätte: In der zweiten Minute traf Gianni Stensness nach der ersten Ecke der Partie per Kopf zur Führung für den Underdog. Schnell wurde klar, dass der vor Spielbeginn vielfach thematisierte Kunstrasen nicht das größte Hindernis sein würde, dem sich der FC Bayern an diesem Abend gegenübersah.
Respekt für den Gegner
Der amtierende norwegische Meister habe „eine Teamperformance gezeigt, teilweise am Rande gespielt. Aber das gehört dazu und das war der richtige Weg von ihnen“, zollte Chefcoach Vincent Kompany den Gastgebern nach Abpfiff Respekt. 3:3 hieß es am Ende der ersten Champions League-Reise der Saison. Wie schon vier Tage zuvor beim 2:2 beim FC Augsburg in der Bundesliga hatte ein frühes Gegentor die Pläne der Münchner über den Haufen geworfen. So bekamen die Fans im Stadion ein wildes Hin und Her zu sehen, bei dem der deutsche Rekordmeister eine zwischenzeitliche Aufholjagd hinlegte, sich am Ende aber mit nur einem Punkt in der Königsklasse begnügen musste.

„Ich glaube, der Start war wieder das Problem. In den letzten beiden Spielen haben wir jeweils in der ersten Minute ein Gegentor bekommen“, ärgerte sich auch Konrad Laimer nach Abpfiff. „Das kann und darf uns nicht passieren.“ Dabei zeigte sich der FCB nach dem frühen Gegentor nicht lange geschockt. Laimer selbst hatte in der dritten Minute die Möglichkeit auf die passende Antwort, doch die Viking-Abwehr bekam gerade noch ein Bein dazwischen. Lennart Karl (6. Minute), Michael Olise per Freistoß (10.) und Luis Díaz (14.) zielten kurz darauf ebenfalls etwas zu ungenau.
Chancenwucher wird bestraft
Und selbst Harry Kane gelang es nach einer guten halben Stunde nicht, den Ball aus etwas mehr als einem Meter an Arild Østbø im Tor der Hausherren vorbei über die Linie zu drücken. „Wir haben uns auf ein Spiel eingelassen, das wir nicht hätten eingehen müssen, weil wir mehr Tore hätten schießen können“, sagte Kompany. Stavanger habe „von den besonderen Momenten gelebt, und diese Momente haben sie sich verdient“.
So kam es wie so oft im Fußball: Wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft – in diesem Fall von Vikings Peter Christiansen. Mitten in die Münchner Angriffswelle hinein verwandelte der Angreifer einen Konter zum 2:0 für die Hausherren.
Mit dieser schweren Hypothek ging das Team von Vincent Kompany in die zweite Halbzeit – und zeigte Moral. Nach einem Foul an Laimer bekamen die Bayern einen Strafstoß zugesprochen, den Harry Kane in der 54. Minute sicher zum Anschlusstreffer verwandelte. Der Engländer traf damit im neunten Champions League-Spiel in Folge. Dieses Kunststück war in diesem Wettbewerb zuvor nur den Stürmergrößen Robert Lewandowski, Cristiano Ronaldo und Ruud van Nistelrooy gelungen.
Nun lag das Momentum wieder beim FC Bayern, der klar auf Sieg spielte. Nur sechs Minuten später war es erneut der starke Kane, der per Kopf nach einer Flanke von Joshua Kimmich zum Ausgleich einnickte. In der 71. Minute leitete der Engländer sogar die Münchner Führung ein: Nach einem überragenden Chipball von Kane auf Laimer legte der Österreicher direkt nach innen, wo der eingelaufene Luis Díaz den Ball nur noch über die Linie drücken musste.
Zu zehnt in der entscheidenden Phase
„Die erste Halbzeit war schwach von uns. In der zweiten Hälfte haben wir es deutlich besser gemacht. Wir waren die bessere Mannschaft, haben uns Chancen herausgespielt und das Spiel zum 3:2 gedreht“, meinte der zweifache Torschütze Harry Kane anschließend.
Doch aus Bayern-Sicht hatten die Gäste mit dieser starken Aufholjagd leider nicht das letzte Wort. In der 74. Minute sah Michael Olise die Gelb-Rote Karte. Der FC Bayern musste die Führung fortan zu zehnt verteidigen. Das gelang bis in die Schlussphase hinein. Auch, weil Jonas Urbig in der 80. Minute einen Kopfball von Henrik Falchener gerade noch von der Linie kratzte.
In der 90. Minute wurde der Druck von Viking dann aber zu groß. Der eingewechselte Herman Haugen traf doch noch zum Ausgleich für die Norweger. „Der Platzverweis hat natürlich alles verändert, vor allem die letzten 15 bis 20 Minuten“, resümierte Kane. „Wir haben auswärts gegen eine gute Mannschaft einfach zu viele Fehler gemacht. Wenn du solche großen Fehler begehst, wirst du bestraft. Genau das ist heute passiert.“
Dem FC Bayern bleiben nun vier Tage bis zum nächsten Pflichtspiel in der Bundesliga gegen RB Leipzig (Samstag um 18:30 Uhr), um diese Fehler abzustellen. „Im Moment führt gefühlt jede Chance des Gegners zu einem Tor. Das ist aber keine Ausrede, denn wir verursachen diese Situationen selbst“, erklärte Kompany.
Mannschaft auf dem richtigen Weg
25:8 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz und ein xG-Wert von 3,51 zu 0,56 aus Münchner Sicht bestätigten zugleich das Gefühl des Chefcoachs, dass sich sein Team grundsätzlich auf dem richtigen Weg befindet. „Wichtig ist mir, dass ich bei meiner Mannschaft keinen Mangel an Energie sehe. Die Spieler arbeiten, auch mental sind sie immer da“, so Kompany weiter. Doch es reiche nicht zu sagen, dass man einen Sieg verdient habe. „Man kann nur auf dem Platz eine Reaktion zeigen“, forderte der Coach.
Dem schloss sich auch Jan-Christian Dreesen am Abend beim Bankett nach dem Spiel in Stavanger an. Die Mannschaft müsse nun die Lehren aus den Fehlern ziehen, erklärte der Vorstandsvorsitzende in seiner Rede vor dem Team und den anwesenden Gästen: „Wir müssen nach vorne schauen. Ich glaube, das ist jetzt eure Aufgabe.“
Nehmen sich die Bayern das zu Herzen, werden sie sich schon bald wieder für ihre Leistung belohnt.
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