Viking Stadion Stavanger
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Kunstrasen im Viking-Stadion

Warum die Schuhwahl für den FC Bayern in Stavanger entscheidend ist

Am Dienstagabend um 21 Uhr bestreitet der FC Bayern bei Viking Stavanger sein erstes Auswärtsspiel in dieser Champions League-Saison. Eine Besonderheit in Norwegen: Gespielt wird auf Kunstrasen. Für den deutschen Rekordmeister, der im Alltag an einen hochwertigen Hybridrasen gewöhnt ist, bedeutet das eine Umstellung – technisch, körperlich und bei der Wahl des Schuhwerks.

Andere Oberfläche, anderes Spielgefühl

In der Allianz Arena und im Trainingszentrum an der Säbener Straße spielt der FC Bayern auf Hybridrasen. Dabei handelt es sich um Naturrasen, der durch künstliche Fasern verstärkt wird. Die natürlichen Gräser bleiben die Grundlage des Spielfelds: Sie sorgen für das vertraute Ballgefühl, einen natürlichen Ballabsprung und eine Oberfläche, die unter den Schuhen leicht nachgibt. Die synthetischen Fasern stabilisieren den Rasen zusätzlich und machen ihn belastbarer.

In Stavanger ist der Belag hingegen vollständig künstlich. Moderne Kunstrasenplätze bestehen aus synthetischen Fasern, die mit Sand und je nach System weiteren Füllstoffen stabilisiert werden. Sie sind besonders widerstandsfähig, ganzjährig bespielbar und weniger abhängig von Witterung und Wachstumsbedingungen, erklärt Peter Sauer, Teamleiter Greenkeeping beim FC Bayern. Gerade in Regionen mit langen Wintern, viel Regen und vergleichsweise wenig natürlichem Licht bietet Kunstrasen deshalb große Vorteile. 

Der Ball rollt und springt anders

Für die Spieler fühlt sich der Untergrund dennoch anders an. Der Ball kann etwas schneller laufen und anders aufspringen. Auch das Zusammenspiel zwischen Schuh und Rasen verändert sich: Bei Richtungswechseln, Sprints und abrupten Stopps reagieren die Oberfläche und die Traktion anders als auf einem Hybridrasen. Dazu kommt, dass Kunstrasen in der Regel härter wirkt und weniger natürlich federt.

„Ich glaube, es wäre fahrlässig, wenn wir als Mannschaft, die zu 99 Prozent auf Rasen spielt und jetzt ein wichtiges Spiel auf Kunstrasen hat, wenn wir nicht vorher anreisen würden“, meinte Max Eberl, Sportvorstand des FC Bayern nach dem 2:2 beim FC Augsburg am Samstagabend: „Wir wollen den Kunstrasen auch mal fühlen und sehen, das ist für mich jetzt gar keine große Schlagzeile, sondern völlig normal.“ Der FC Bayern wird sein Abschlusstraining vor dem Champions League-Spiel in Stavanger daher am Montagabend im Viking-Stadion absolvieren.

Wie stark sich die Bedingungen unterscheiden können, erklärt Peter Sauer, Teamleiter Greenkeeping: „Kunstrasen ist nicht gleich Kunstrasen. Es kommt darauf an, wie alt der Belag ist, welche Verfüllung verwendet wurde und welche Dämpfungswerte die Oberfläche hat. Im Vergleich zu Naturrasen fühlt er sich stumpfer an, gibt weniger nach und der Ball springt anders auf – meist rollt der Ball auch deutlich schneller.“

Harry Kane gibt auf dem Feld eine Anweisung
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Man muss sich kurz an den Belag gewöhnen; er geht etwas stärker auf Knie und Knöchel. Mit den richtigen Schuhen sollte das aber kein großes Problem sein.

Harry Kane, Torjäger

„Man muss sich kurz an den Belag gewöhnen“

Harry Kane kennt diese spezielle Herausforderung aus eigener Erfahrung. Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft spielte zuletzt 2017 mit den Three Lions in Litauen auf Kunstrasen. Seine Einschätzung: „Unsere Spielweise ändern wir nicht. Man muss sich kurz an den Belag gewöhnen; er geht etwas stärker auf Knie und Knöchel. Mit den richtigen Schuhen sollte das aber kein großes Problem sein. Gut, dass wir im Herbst und nicht im Winter dort spielen, sonst wäre der Unterschied größer.“

Genau diese Anpassung stand im Mittelpunkt der Vorbereitung in Stavanger. Nicht die grundsätzliche Spielidee soll sich verändern, sondern das Gefühl für den Untergrund soll möglichst früh entstehen. Wie schnell läuft der Ball? Wie stark greift der Schuh? Wie verhält sich der Rasen bei Drehungen und Sprints? Antworten auf diese Fragen lassen sich am besten auf dem Platz selbst finden.

„Ich habe ehrlicherweise schon länger nicht mehr auf Kunstrasen gespielt. Es ist schon anders“, sagte auch Joshua Kimmich am Samstag: „Ich glaube, dass sich die Kunstrasenplätze entwickelt haben, die sind nicht mehr so wie bei mir in der Jugend. Aber ich gehe davon aus, dass wir auf dem Kunstrasen sehr guten Fußball spielen können.“

Kompany: „Wir wollen überall Bayern sein“

Claudio Pizarro köpft das 1:1 bei Spartak Moskau 2006
Claudio Pizarro köpft das zwischenzeitliche 1:1 auf Kunstrasen im Luzhniki-Stadion bei Spartak Moskau. Die Partie endete mit 2:2. | © Imago

Auch Vincent Kompany betonte, dass der Kunstrasen keine Ausrede sein dürfe. Gleichzeitig sei es wichtig gewesen, der Mannschaft die Möglichkeit zu geben, sich rechtzeitig mit den Bedingungen vertraut zu machen: „Ich habe in 20 Jahren Karriere nie auf Kunstrasen gespielt. Und dann habe ich im Kopf: Wenn die Spieler das zum ersten Mal machen müssen, dann können wir vielleicht besser einmal dort trainieren, dass wir das Gefühl bekommen, was für Schuhe man tragen muss. Ich möchte das gerne nicht am Spieltag erfahren, sondern einen Tag vorher. Unsere Einstellung, und das ist wichtig, ich habe das schon einmal gesagt: Wind, Regen oder Sonne, egal ob es in Amerika in Carolina war mit 45 Grad, oder im Viking-Stadion in Stavanger mit vielleicht minus fünf Grad auf Kunstrasen, es ist für mich alles egal. Ich möchte gern, dass wir überall Bayern sind, überall, wo wir hinfliegen oder fahren. Aber es fühlt sich so an, dass das die richtige Entscheidung ist, damit wir ein bisschen mehr Information bekommen vor dem Spiel.“

Der FC Bayern absolviert deshalb bereits am Vortag der Partie am heutigen Montag eine Einheit auf dem künstlichen Untergrund. Im Mittelpunkt stehen dabei neben den taktischen Abläufen auch die Schuhe. Je nach Beschaffenheit des Kunstrasens kann die passende Stollenkonfiguration entscheidend sein, um ausreichend Halt zu haben, ohne dass die Belastung für Knie und Knöchel unnötig steigt.

Eine besondere Bayern-Bilanz

Vincent Kompany im Pressetalk vor dem Bundesliga-Spiel auf Schalke
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Ich habe in 20 Jahren Karriere nie auf Kunstrasen gespielt. Und dann habe ich im Kopf: Wenn die Spieler das zum ersten Mal machen müssen, dann können wir vielleicht besser einmal dort trainieren, dass wir das Gefühl bekommen, was für Schuhe man tragen muss.

Vincent Kompany, Cheftrainer

Pflichtspiele auf Kunstrasen sind für die Münchner Männer eine Seltenheit. Bislang absolvierte der FC Bayern nur ein einziges Pflichtspiel auf diesem Belag: Am 22. November 2006 gastierte der deutsche Rekordmeister in der Champions League bei Spartak Moskau. Im Luschniki-Stadion trennte sich der FCB mit 2:2 von den Gastgebern – beide Münchner Treffer erzielte Claudio Pizarro. Auch die FC Bayern Frauen haben bereits Erfahrungen mit Kunstrasen gesammelt. Am 17. November 2016 gewannen sie das Champions League-Rückspiel beim russischen Club Rossiyanka mit 4:0. Außerdem bestritt die Frauen-Nationalmannschaft erst im März 2026 im Viking-Stadion in Stavanger ihre WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen (4:0) – mit dabei beim Auswärtssieg die Bayern-Spielerinnen Giulia Gwinn und Franziska Kett. Die Geschichte zeigt: Der ungewohnte Belag verändert die Rahmenbedingungen, aber nicht die Grundhaltung. In Stavanger geht es für den FC Bayern darum, sich schnell auf die Oberfläche einzustellen, die eigenen Abläufe zu bewahren – und auch auf Kunstrasen das eigene Spiel auf den Platz zu bringen.

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