

Bösingen, Altona, Abersee
Di | 27.10.2026 | 09:00
Heimspiel: Zu Gast bei den Jugendvereinen der Bayern-Profis
Die Spielerinnen und Spieler des FC Bayern sind auf der ganzen Welt bekannt. Aber auch sie begannen ihre Karriere in ganz normalen Fußballvereinen. Das FC Bayern Magazin „51“ hat drei Jugendclubs unserer Profis besucht – und die Magie des Fußballs gefunden.

Erste Station: VfB Bösingen
Erste Station: VfB Bösingen

Wie Joshua Kimmich in einem Dorf zum unbesiegbaren Schwaben wurde
An einem dunklen Oktoberabend erwacht das Vereinsgelände des VfB Bösingen zum Leben. Flackernd springt das Flutlicht an, Auto um Auto parkt vor dem neuen Vereinsheim. In der Kabine wird die Musik angeschaltet, Stollen klackern über kalte Fliesen. Die zweite Mannschaft trainiert auf einem Rasenplatz, dem man den trockenen Sommer noch immer ansieht. Wer ein lockeres Ballgeschiebe erwartet, irrt sich gewaltig. Die Spieler sprinten, grätschen, kämpfen um jeden Ball. Sie loben sich, fluchen, schreien Freude und Frust in den Abendhimmel. Nach dem Trainingsspiel pfeffern mehrere Spieler ihre Leibchen auf den Boden. Und während man so zuschaut, muss man an den berühmtesten Spieler dieses Vereins denken, den ehrgeizigsten deutschen Nationalspieler, dessen Freunde und Cousins hier noch immer spielen: Joshua Kimmich.
Florian Supper, 31, der schon in der E-Jugend mit Kimmich zusammengespielt hat und bis heute mit ihm befreundet ist, sagt es so: „Unseren Freundinnen war schnell klar, dass mit uns nur eine Zukunft in Bösingen möglich ist.“ Und Bösingen bedeutet im Zweifel: auf dem Fußballplatz. Supper hat eine Ausgabe des „Kicker“ dabei, in dem ein Artikel erschien über die E-Jugend des VfB Bösingen. Denn die hatte in einer Saison ein Torverhältnis von 179:0, in einem Spiel gewann sie 34:0, wobei ein kleiner Mittelfeldspieler namens Kimmich 14 Tore beisteuerte. Supper lacht, wenn er an damals denkt. Joshua sei zwar nie durch verrückte Tricks aufgefallen, aber sein Spielverständnis und seine geringe Fehlerquote waren unfassbar. Kimmich habe immer einen unbändigen Siegeswillen gehabt. Wenn Schnee fiel, spielten sie Biathlon, mit Schneebällen warfen sie auf Scheiben und rannten ums Haus, sogar Strafrunden gab es. Und natürlich gewann er meistens. Weil er es am meisten wollte.

Zweite Station: Altona 93
Zweite Station: Altona 93

Auf den Spuren von Jonathan Tah im Hamburger Westen
Altona 93 ist ein bunter Hamburger Großstadtclub, der Groundhopper aus aller Welt anzieht. Zu den Oberliga-Heimspielen der 1. Herren pilgern im Schnitt 1.500 Zuschauer. Doch in der neuen Geschäftsstelle, wo Jugendwart Jens Redenius und Jugendkoordinator Robin Graupner einen empfangen, ist davon wenig zu spüren. Bürostühle stehen um einen Konferenztisch, die Wände sind kahl und weiß. „Es braucht seine Zeit, bis neue Räume zu einer echten Heimat werden“, schmunzelt Robin Graupner, 40 Jahre alt und bei Altona 93 unter anderem für die Trainerausbildung zuständig.
Das Gute an der Sterilität: Der Blick bleibt im Flur sofort an zwei gerahmten Porträts von Eric-Maxim Choupo-Moting und Jonathan Tah hängen. Beide haben bei Altona 93 im Hamburger Westen mit dem Fußballspielen angefangen. Als Tah von den Minis bis zur C-Jugend hier ausgebildet wurde, bespielte Altona 93 noch mehrere Ascheplätze im Bezirk. Dort stehen heute überall große Wohnblocks. Der Verein ist 2019 auf eine große Kunstrasen-Anlage direkt an der A7 gezogen, wo sich auch die Geschäftsstelle befindet. „Mal eben auf dem Bolzplatz um die Ecke zu spielen, ist in Altona kaum noch möglich“, so Jugendwart Jens Redenius, ein Unternehmensberater, der über seinen bei Altona 93 spielenden Sohn zum Ehrenamt gekommen ist. In einer boomenden Großstadt ist jeder Quadratmeter umkämpft. Altona 93 muss sich die Anlage mit drei weiteren Clubs teilen.
„Wir waren eine Multikulti-Mannschaft, in der es keine Gruppierungen gab, jeder durfte dabei sein und Spaß haben“, das hat Jonathan Tah mal über seine Altona-Zeit gesagt – und das bringt die Aufgabe eines Großstadtclubs auf den Punkt. Bei Altona 93 kommen Kinder mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammen. Sie stammen aus Hochhäusern, wie sie westlich der Plätze stehen, aber auch aus der Villengegend, die auf der anderen Seite der A7 beginnt. Der Verein spricht außerdem gezielt Kinder aus den großen Unterkünften für Geflüchtete an, die sich in Altona befinden. Redenius sagt: „Es ist uns sehr wichtig, verschiedene Hintergründe und Nationalitäten zu vereinen und über den Fußball Wertschätzung und Zusammenhalt zu vermitteln.“

Dritte Station: USC Abersee
Dritte Station: USC Abersee

Seit Jahrhunderten ist der Wolfgangsee ein Sehnsuchtsort für gekrönte Häupter, Bundeskanzler und einfache Touristen. Mehr als eine Million Übernachtungen verzeichnete die Region im vergangenen Jahr. Ein herrliches Fleckerl Erde. Aber die Region ist auch ein Reservoir für begabte Fußballer. Der USC Abersee, am Südwestufer gelegen, hat mit Konrad Laimer und Sarah Zadrazil zwei FC-Bayern-Profis hervorgebracht – die zuletzt in Österreich als Fußballer und Fußballerin des Jahres ausgezeichnet wurden.
Aber niemand ist größer als der Club. „Wir sind nicht der FC Konny Laimer, sondern der USC Abersee“, betont Markus Laimer, Sektionsleiter der Fußballsparte (nicht verwandt oder verschwägert). Seit 1959 gibt es den Verein, Gründungsmitglied war auch ein Laimer. Konnys Großvater. Die Kampfmannschaft, wie man in Österreich sagt, spielt in der zweiten Landesliga Nord, der sechsten Liga von oben. Zu Auswärtsspielen nach Strobl, Fuschl oder Kuchl fährt man maximal eine Stunde.
„Kein Verein besteht nur aus guten Fußballern“, sagt der Sektionsleiter. Es braucht auch Top-Leute für Greenkeeping, Verwaltung, Logistik, Gastronomie und Fahrdienste, und natürlich die Fankurve. Warum machen das alle? „Man kriegt eine emotionale Belohnung“, sagt Markus Laimer. Gemeint ist das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein, an einem Strang zu ziehen und eine gemeinsame Richtung zu haben. Bei allem Ehrgeiz ist das Ergebnis am Ende zweitrangig. Wer einen Verein lebendig halten will, denkt nicht nur an das nächste Derby. Sondern an die nächste Generation.
Der Text erscheint hier in Auszügen. In voller Länge ist er in der November-Ausgabe des FC Bayern-Magazins „51“ nachzulesen.
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