Karl-Heinz Rummenigge auf der Bühne.
© Carsten Kobow

Die Nacht von Sevilla im Residenztheater

Jahrhundertspiel mit Karl-Heinz Rummenigge

Es sind die Details und Momente an diesem Abend, in denen Bilder und die damit verbundenen Anekdoten und Erinnerungen lebendig werden, die ihn so besonders machen: Während der Lesung wechseln sich Motive auf der Leinwand über der Bühne ab, und einmal sieht man Karl-Heinz Rummenigge im Kreise seiner Teamkollegen der deutschen Nationalmannschaft stehen, ganz aufrecht, die anderen sitzen am Boden. Die deutsche Sturmikone greift sich auf dem Bild an den rechten Oberschenkel, der so schmerzte, dass ein Einsatz des damaligen DFB-Kapitäns in diesem wichtigen WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich erst spät ermöglicht wurde. Rummenigge hatte ab der 30. Minute auf der Ersatzbank angefangen, die malade Muskulatur mit Eis einzureiben, zur Betäubung. Einige Minuten nach diesem Bild, das vor der Verlängerung entstanden war, wurde er eingewechselt, Frankreichs Staatschef Francois Mitterrand entfuhr damals ein „Mon dieu – Rummenigge“, das ist historisch verbrieft, und all das wurde am Mittwochabend im Münchner Residenztheater wieder lebendig. „Diesen Thriller werde ich nie vergessen“, sagt Rummenigge auf der Bühne. Das Halbfinale von Sevilla 1982 gilt bis heute als eines der Jahrhundertspiele im Weltfußball.

Karl-Heinz Rummenigge auf der Bühne mit Pierre Littbarski und Toni Schumacher.
© Carsten Kobow

Unter dem Titel „Die Nacht von Sevilla – ein Fußballdrama in fünf Akten“ hatte Schauspieler Peter Lohmeyer das Spiel vorgelesen, indem er im Takt flinker Ballstafetten in die Rollen der unterschiedlichen Protagonisten schlüpfte, von Rummenigge über Paul Breitner bis hin zu Frankreichs Spiellenker Michel Platini. Die Deutschen unter Bundestrainer Jupp Derwall gingen 1:0 in Führung, nach 90 Minuten stand es 1:1, in der Verlängerung lagen sie 1:3 zurück, doch der eingewechselte Rummenigge und Klaus Fischer per Fallrückzieher sorgten für eine Entscheidung im Elfmeterschießen. Harald „Toni“ Schumacher, der zum Ausklang seiner Karriere später auch noch einmal das Tor des FC Bayern hüten sollte, parierte darin zwei Schüsse der Franzosen, Rummenigge zählte zu den erfolgreichen deutschen Schützen, „ich habe vor dem Schuss geschmunzelt, obwohl mir nicht danach zumute war – und nach dem Abpfiff war Karneval in der Kabine“, erinnert sich der spätere langjährige Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsrat des FC Bayern im Bühnengespräch nach der Lesung an der Seite seiner damaligen Weggefährten Schumacher und Pierre Littbarski.  

Das Spiel ist bis heute überschattet von Schumachers schwerem Zusammenprall mit Patrick Battiston, ehrlich und authentisch lässt der ehemalige Torwart die Geschichte Revue passieren („vielleicht war ich damals zum ersten Mal in meinem Leben feige“, heißt es, weil er sich nicht gleich entschuldigt hatte), dann richtet sich der Blick auf weitere Aspekte des 2 Stunden und 41 Minuten dauernden Spiels. „Pierre war damals der beste Mann auf dem Platz“, sagt Rummenigge über den Torschützen zum 1:0, Vorbereiter zweier Treffer und ebenfalls erfolgreichen Elfmeterschützen. „Ich wusste, dass ich mit Typen wie Kalle und Toni nicht verlieren würde“, erklärt Littbarski glaubwürdig: „Obwohl Kalle angeschlagen war, wusste ich: er macht ein Tor.“ Es seien „die vielleicht besten 23 Minuten meiner Karriere gewesen“, so Rummenigge über seine Einwechslung in der Verlängerung. Am Ende setzt es langen Applaus für das legendäre Trio. Ein Jahrhundertspiel hat auch 44 Jahre nach dem Abpfiff eine große Bühne verdient.    

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