Der frühere Augsburg-Manager Stefan Reuter im Stadion
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FC Bayern Magazin „51“

Stefan Reuter im Interview: „Die Meisterfeiern auf dem Marienplatz waren das Größte“

Beim FC Bayern war Stefan Reuter der „Turbo“ auf der rechten Seite und gewann zwei Meisterschaften. Später prägte er als Manager den FC Augsburg. Vor seinem 60. Geburtstag und dem Duell seiner beiden Ex-Vereine in der Bundesliga erzählt er im Gespräch mit dem FC Bayern Magazin „51“ von Leberkäse bei Uli Hoeneß, Diego Maradona und Lektionen fürs Leben.

Das Interview mit Stefan Reuter

Herr Reuter, heute kaum mehr vorstellbar: Sie haben als Spieler Ihren Vertrag beim FC Bayern noch selbst verhandelt – ohne professionellen Berater. Wie lief das ab?
„Ich habe meinen Vater zum Gespräch mitgenommen. Während meiner gesamten Karriere hatte ich keinen Spielerberater. Bei Uli Hoeneß daheim gab es Leberkäs und Brezen. Als er gefragt hat, was ich trinken möchte, sagte ich, dass ein Weißbier am besten passen würde. Da hat er gelacht und geantwortet, ich wäre bei Bayern München genau richtig.“

Später in Ihrer Karriere saßen Sie als Geschäftsführer von 1860 München und FC Augsburg oft auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Haben Sie dabei an Ihr Gespräch mit Uli Hoeneß zurückgedacht?
„Natürlich, ich habe sicher auch das eine oder andere bewusst oder unterbewusst nachgemacht. Wie Uli den Verein geführt und für einen guten Teamspirit gesorgt hat, war sehr beeindruckend. Er hat durchaus mal den einen oder anderen Mannschaftsabend angeschoben, was dem Zusammenhalt gutgetan hat. Ich habe als Spieler immer hinterfragt, warum welche Entscheidungen getroffen wurden. Deswegen war ich bei Bayern und später als Kapitän bei Borussia Dortmund häufig mit Trainern und Managern im Austausch. Auch nach meiner aktiven Karriere war Uli ein wertvoller Gesprächspartner. Das hat mir als Geschäftsführer unheimlich geholfen.“

Stefan Reuter (FC Bayern) im Zweikampf mit Leverkusens Knut Reinhard
Welt- und Europameister, Champions League-Sieger und Weltpokalgewinner: Nach einer erfolgreichen Spielerkarriere mit Stationen bei Nürnberg, Bayern, Juventus Turin und Dortmund führte Stefan Reuter den FC Augsburg als Geschäftsführer erstmals in die Europa League. | © Imago

Welche Lektionen haben Sie aus Ihrer Zeit an der Säbener Straße mitgenommen?
„Jupp Heynckes hat die Mannschaft grandios geführt. Auch in schwierigen Zeiten hat er jedem ein gutes Gefühl gegeben und gesagt, dass man fleißig bleiben muss. Die Sonne kann schließlich nicht immer scheinen. Man musste immer voll da sein, sich im Training reinhauen und gut auf die Spiele vorbereiten. Das hat mich geprägt. Auch das Zusammenspiel zwischen Jupp und Uli Hoeneß war für mich ein Vorbild für meine Zeit nach der aktiven Karriere.“

Sie gewannen unter Heynckes zwei Deutsche Meisterschaften in drei Jahren. Woran erinnern Sie sich besonders gerne zurück?
„Zweimal auf dem Marienplatz zu stehen und die Meisterschaften zu feiern, war das Größte für mich. Besondere Highlights waren auch die internationalen Spiele. Wir haben im Olympiastadion gegen Neapel mit Diego Maradona gespielt. Der hat schon beim Warmmachen mit offenen Schuhen ein bisschen vor der Kurve jongliert. Im Vorfeld hieß es, Diego sei nicht mehr in Top-Form. Aber was der mit dem Ball gemacht hat und wie er seine Mitspieler eingesetzt hat, war einfach außergewöhnlich. Solche Spiele waren unglaubliche Erfahrungen, die ich als junger Fußballer sammeln durfte.“

Sie sind direkt im Anschluss an Ihre Zeit als Spieler vom Fußballplatz in die Geschäftsstelle gewechselt. Woher kam der Drang, im Fußball tätig zu bleiben?
„Es ist ein wahnsinniges Geschenk, das Hobby zum Beruf machen zu können. Für mich war immer klar: Ich gehe nach der Karriere in Richtung Manager. Natürlich hatte ich den Vorteil, dass ich Ansprechpartner wie Uli Hoeneß oder Karl Hopfner hatte. Die konnte ich immer anrufen, wenn irgendwo Fragen aufgekommen sind. Eigentlich war angedacht, dass ich nach meiner Zeit als Spieler langfristig ins Management bei Borussia Dortmund gehe. Das kam aber nicht zustande. So bot sich eine Möglichkeit, bei 1860 München einzusteigen. Beim FC Augsburg hatte ich dann großes Glück mit Walther Seinsch und Klaus Hofmann, die mir gesagt haben, sie bräuchten mein Gefühl für Fußball. Ich habe geantwortet: ‚Das bekommt ihr jeden Tag.‘“

Spielerporträt von Stefan Reuter beim FC Bayern
Am 16. Oktober feiert Stefan Reuter seinen 60. Geburtstag. Der frühere Bayern-Profi wohnt in Augsburg und besucht regelmäßig die Spiele seiner ehemaligen Clubs. | © Imago

Als Sie Ende 2012 beim FCA einstiegen, hatte der Verein zur Winterpause neun Punkte. War das der große Reiz?
„Intern hieß es, es sei nicht zu verhindern, dass die Mannschaft absteigt. Doch als wir aus dem Trainingslager wiedergekommen sind, habe ich gemerkt, dass der Trainer Markus Weinzierl und das Team passen. Wir mussten aber dafür sorgen, dass die Trainerdiskussion aufhört. Daraufhin haben wir in der Rückrunde sensationelle 24 Punkte geholt und den Klassenerhalt gesichert. Gemeinsam konnten wir den Grundstein für die Stabilität des Vereins legen und die Mannschaft weiterbringen. Heute steht der FC Augsburg sehr gesund da.“

Zum Ende der Saison 2025/26 wurden Sie beim FC Augsburg offiziell verabschiedet. Wie sieht Ihre persönliche Zukunft im Fußballgeschäft aus?
„Erst war angedacht, dass ich noch mal eine Geschäftsführung oder Vorstandsposition übernehme. Das hat sich aber zerschlagen. Daher bin ich mit meiner Agentur, die während meiner Zeit in Augsburg geruht hat, in beratender Funktion tätig. Ich habe zu meinen ehemaligen Clubs ein sehr gutes Verhältnis und freue mich immer, die Menschen dort wiederzusehen. Dem Fußball werde ich auf jeden Fall verbunden bleiben.“

Das Interview erscheint hier in Auszügen. In voller Länge ist es in der Oktober-Ausgabe des FC Bayern-Magazins „51“ nachzulesen.

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