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Sensationelle Aufholjagd

Last-Minute-Toni lässt Bayern jubeln

Der Triple-Traum des FC Bayern geht weiter. Nach dem 1:1-Unentschieden im Hinspiel des UEFA-Pokal-Viertelfinals gegen den FC Getafe kam der Rekordmeister im Rückspiel am Donnerstagabend im Madrider Vorort nach dramatischem Spielverlauf und 120 Minuten zu einem 3:3 (1:1, 0:1)-Unentschieden. Gemäß der Auswärtstorregel zog der deutsche Rekordmeister somit in die Vorschlussrunde ein, wo nun am 24. April und 1. Mai der russische Meister Zenit St. Petersburg wartet.

Trotz der deutlich größeren Spielanteile und einer Vielzahl guter Tormöglichkeiten schaffte es die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld zunächst nicht, Kapital aus ihrer Überlegenheit zu schlagen. Nach Toren von Cosmin Contra (44. Minute) und Franck Ribéry (89.) schien ein Doppelschlag von Casquero (91.) und Braulio (93.) zu Beginn der Verlängerung die Partie zugunsten Getafes, das nach der Roten Karte gegen Ruben de la Red (6.) beinahe die gesamte Spielzeit in Unterzahl spielen musste, entschieden zu haben. Doch dann kam der Auftritt von Luca Toni (115./120.) der mit zwei Toren in den letzten fünf Minuten den Halbfinaleinzug besiegelte.

Klose für Podolski

Im Vergleich zum 3:1-Erfolg am vergangenen Wochenende gegen den VfL Bochum nahm Hitzfeld eine Änderung in der Startformation vor. Miroslav Klose rückte im Sturmzentrum an die Seite von Luca Toni, dafür musste Lukas Podolski zunächst auf die Bank. Hitzfelds Gegenüber Michael Laudrup wartete mit einer Überraschung auf: Der Däne bot Ruben de la Red, normalerweise der Kopf im Mittelfeld, in der Innenverteidigung auf. Eine Maßnahme mit Folgen.

Unter den Blicken des spanischen Königs Juan Carlos, des Kronprinzen Felipe und 16.000 weiteren Zuschauern im ausverkauften „Coliseum Alfonso Perez“ starteten beide Mannschaften furios in die Partie. Schon nach 20 Sekunden luchste Klose De la Red den Ball ab und spielte anschließend auf Ribéry, doch statt ins Tor traf der Franzose aus acht Metern nur seinen Mitspieler Toni. Im Gegenzug zielte Contra aus 18 Metern knapp über das Tor (2.).

Rote Karte für De la Red

Vier Minuten später kam es wieder zum Duell zwischen Klose und De la Red. Der Spanier konnte den durchgebrochenen Bayern-Stürmer kurz vor der Strafraumgrenze nur per Notbremse bremsen, Schiedsrichter Massimo Busacca aus der Schweiz zögerte nicht und verwies De la Red des Feldes. Den anschließenden Freistoß setzte Ribéry gegen den Pfosten, Toni drückte zwar den Abpraller über die Linie, doch der Treffer fand wegen eines Handspiels des Italieners keine Anerkennung (8.).

Danach beruhigten sich die Wogen ein wenig. Getafe zog sich nun zurück und lauerte auf Konter, der FCB kontrollierte das Geschehen, ohne das Tor der Spanier ernsthaft in Gefahr zu bringen. In der 20. Minute folgte der nächste Rückschlag für Getafe: Angreifer Uche verletzte sich bei einem Laufduell mit Lahm und musste vom Feld, für ihn kam der etatmäßige Kapitän Belenguer ins Spiel.

Lell vergibt, Getafe gibt Contra

Auch in der Folgezeit schaffte es der FC Bayern nicht, aus seiner numerischen Überlegenheit Kapital zu schlagen. Gegen zwei kompakt verteidigende Viererketten agierte der Rekordmeister zu umständlich, vernachlässigte das Spiel über die Außenbahnen und suchte zu selten den Torabschluss. Erst in der 33. Minute gab es die nächste Gelegenheit, doch Demichelis köpfte einen Ribéry-Eckstoß über das Tor. Eine Minute später vergab Lell die große Chance zur Führung, als er den Ball freistehend aus halbrechter Position am Tor vorbeischoss. Allerdings rutschte der Abwehrspieler bei seinem Schuss unglücklich weg.

So kam es, wie es kommen musste. Nach einem Ballverlust auf der linken Seite zog der Rumäne Contra, schon im Hinspiel Schütze des 1:1-Ausgleichs, auf und davon, versetzte erst Lucio, dann Demichelis und drosch den Ball von der Strafraumgrenze unter die Querlatte (44.). Ein Treffer aus dem Nichts für den Tabellenzwölften der Primera Division, der die Nachlässigkeiten der Gäste gnadenlos bestrafte.

Mehr Druck nach der Pause

„Das Spiel ging gut los. Danach haben wir unsere personelle Überlegenheit überhaupt nicht ausgespielt. In der zweiten Halbzeit müssen wir verstärkt über außen kommen“, lautete das Halbzeit-Fazit von Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Marcell Jansen ersetzte mit Wiederbeginn Lell, Lahm rückte dafür auf die rechte Abwehrseite. Der FCB drängte nun auf den Ausgleich und kam auch zu einigen Torchancen.

In der 49. Minute wurde ein Freistoßtreffer von Ribéry wegen eines vermeintlichen Toni-Fouls vor dem Tor nicht gegeben, dann zielten Toni (53.) und Klose (56,) knapp vorbei. Zu guter Letzt kam Schweinsteiger nach einer Jansen-Flanke einen Tick zu spät, dann schoss Klose aus 14 Metern über das Tor (63.). Auf der Gegenseite blieb Getafe mit seinen Gegenstößen stets gefährlich, Casquero (60.) verfehlte aus 18 Metern nur knapp.

Ribéry kurz vor Feierabend

Hitzfeld verstärkte noch mal die Offensive, brachte Sosa für Schweinsteiger, doch die nächste Großchance hatte Getafe. Licht setzte bei einem Konter den eingewechselten Braulio in Szene, der Kahn gekonnt umkurvte, dann aber beim Torschuss wegrutschte und damit die mögliche Vorentscheidung vergab (68.). Zwei Minuten später hatte auch Sosa Pech, als seine Direktabnahme knapp am Tor vorbei strich.

Mit Podolski für Zé Roberto ging es in die Schlussphase, in der der FCB zu weiteren Chancen kam. Zunächst vergab Toni (82.) per Kopf, dann wurde ein Schussversuch von Podolski (85.) abgeblockt. In der 87. Minute stürmte erneut Braulio Richtung Kahn, verstolperte aber hart bedrängt durch Demichelis. Als die Niederlage schon zementiert schien, fiel doch noch das Tor für die Bayern. Ribéry kam aus elf Metern zum Schuss und erzwang mit seinem Tor die Verlängerung (89.).

Zwei Doppelschläge in der Verlängerung

Und in der erwischte Getafe trotz Unterzahl einen Auftakt nach Maß. Zunächst brachte Casquero (91.) mit einem wuchtigen 20-Meter-Schuss, der vom Innenpfosten ins Tor prallte, die Spanier wieder in Führung. Nur zwei Minuten später rutschte Lucio bei einem Klärungsversuch weg, Braulio ließ sich die Chance nicht entgehen und erhöhte gar auf 3:1 (93.).

Die Münchner gaben sich trotz des Zwei-Tore-Rückstands aber nicht auf und wurden schließlich belohnt. Fünf Minuten vor dem Schlusspfiff verkürzte Toni (115.) nach einem Fehler von Getafe-Torwart Abbondanzieri auf 2:3. Und in der Schlussminute traf der Italiener nach Flanke von José Sosa per Kopf zum kaum noch für möglich geglaubten Ausgleich, der dem FCB zum Halbfinal-Einzug reichte.

Für fcbayern.de im Coliseum Alfonso Perez: Carsten Zimmermann

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