

am 13. Mai ist bundesweiter Trikottag
Mi., 13.05.26, 08:00
Trikothistorie des FC Bayern: Michael Olise geht auf Tuchfühlung
Am 13. Mai ist bundesweiter Trikottag – Grund genug, um auf Entdeckungstour durch die Trikothistorie des deutschen Rekordmeisters zu gehen: In den 1970er Jahren strahlte es klassisch rot, in den 90ern waren Streifen en vogue, und um 2010 kamen schwarze Modelle dazu: Für das FC Bayern-Magazin „51“ hat sich Michael Olise durch fünf Jahrzehnte Bayern-Trikots gewühlt – und erzählt, wie das FCB-Trikot aussehen würde, wenn er Designer wäre.
Mit Michael Olise durch die Trikothistorie des FC Bayern

Mit Michael Olise durch die Trikothistorie des FC Bayern

Von Hans Dorfner hat Michael Olise noch nie etwas gehört. Aber klar, er ist Jahrgang 2001, also ein gutes Stück nach Dorfners Karriere geboren. Die Helden seiner Kindheit hießen Thierry Henry und Zinédine Zidane, erzählt er, während er in ein Bayern-Trikot schlüpft, das Hans Dorfner 1989 getragen hat. Es ist weiß, hat rote und blaue Akzentstreifen und „Commodore“ auf der Brust. Olise fühlt sich wohl darin, auch wenn Stoff und Schnitt ganz anders sind, als er es gewohnt ist. Aus seiner Kindheit habe er vor allem das blaue Trikot der französischen Nationalmannschaft in Erinnerung, sagt er: „Und das Brasilien-Trikot mit seinem typischen Gelb und den grünen Elementen.“ Olises Blick wandert über die Trikots, die an einer Kleiderstange vor ihm hängen.

Wenn ich Designer wäre, würde ich das Heimtrikot des FC Bayern sehr klassisch halten. Es wäre einfach rot, vielleicht mit ein paar Streifen und wenigen weißen Akzenten. Ganz minimalistisch.Michael Olise
Am kanariengelben Modell aus dem Jahr 1986 bleibt er hängen. „Wirklich?“, sagt er und lacht, als er erfährt, dass es beim FC Bayern mal ein Brasilien-Trikot gab. „Und ich dachte, das ist ein Torhüter-Trikot.“ Er wiegt das Trikot in den Händen. „Der Baumwollstoff ist echt schwer. Ich bin froh, dass die Trikots heute aus leichterem Material sind.“
Olises Streifzug durch die Trikotgeschichte des FC Bayern ist voller Überraschungen. Allein die Vielfalt: Schulterstreifen, Diagonalstreifen, Längsstreifen – und neben Rot und Weiß auch mal Gold und Silber als Farben. Oder eben Kanariengelb. Mit einer Hand schiebt Olise ein Trikot zur Seite und zieht ein dunkles Modell hervor, das Champions League-Trikot aus der Saison 2013/14. Die fast wie Anthrazit wirkenden Blautöne sind ungewöhnlich für den FC Bayern, deshalb ist es ihm ins Auge gefallen. „Das ist cool.“ Mit den goldenen oder silbernen Modellen rund um die Jahrtausendwende kann er dagegen wenig anfangen.

Aber das rot-blau gestreifte Trikot von 1995/96 gefällt ihm. Blau ist natürlich ein heikles Thema bei den Roten. „Aber gehört Blau nicht auch irgendwie zum FC Bayern?“, fragt Olise und zeigt auf die Rauten im Vereinswappen. Er erinnert sich: Sein Ex-Club Crystal Palace trug Ende der 90er Jahre das gleiche rot-blaue Adidas-Streifendesign wie Bayern. „Das habe ich mal gesehen. Das Trikot finde ich gut.“ Aber eigentlich sollte Bayern immer Rot oder Weiß tragen, meint Olise. Wenn er Chefdesigner bei Adidas wäre, würde er das Home-Trikot ganz klassisch halten, sagt er: „Einfach rot, vielleicht mit ein paar Streifen und wenigen weißen Akzenten. Ganz minimalistisch.“ So wie das Home-Trikot aus der Saison 2005/06: knallrot, mit einem feinen weißen Akzentstreifen und einem weißen Kragen. Kragen findet er sowieso grundsätzlich gut.
Olise selbst hat eine kleine Trikotsammlung zu Hause. Von jeder Saison hebe er sich eines seiner Trikots auf, das ihm am besten gefällt, erzählt er. Außerdem tausche er gerne mit Freunden oder Mitspielern aus der Nationalmannschaft, wenn er gegen sie spielt. Für ihn seien Trikots aber vor allem Arbeitskleidung, anders als für viele Fans, die alte Trikots sammeln oder mit ihnen ins Stadion gehen. Er kann das verstehen: „Trikots stehen auch für eine bestimmte Zeit, für Spieler und Ereignisse, an die man sich gerne erinnert.“ So wie an Hans Dorfner und das weiße Commodore-Trikot von 1989.
Dieser Text erschien ursprünglich in der Mai-Ausgabe des FC Bayern-Mitgliedermagazins „51“.

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