

Seit Mitte April ist Michael Wiesinger Leiter Sport und Nachwuchsentwicklung am FC Bayern Campus. Im Interview mit fcbayern.com berichtet er über seine Anfangszeit und seine Ziele für den Nachwuchs des deutschen Rekordmeisters. Der einstige Bayern-Profi analysiert den Saisonstart der ältesten Campus-Mannschaften und erklärt, warum Amateure-Coach Dante auch die U19 in der Youth League betreuen wird.
Das Interview mit Michael Wiesinger
Herr Wiesinger, das vergangene Wochenende dürfte ganz nach ihrem Geschmack gelaufen sein. Sind sie zufrieden mit der Ausbeute unserer ältesten Nachwuchsmannschaften?
Michael Wiesinger: „Ja, das können alle Beteiligten sein. Wir haben mit der U23 den wichtigen ersten Saisonsieg errungen, die U19 hat nach Rückstand in Unterzahl das Achtelfinale im DFB-Pokal erreicht und die U17 das prestigeträchtige Derby gegen die Löwen gewonnen. Die Ergebnisse waren also top! Bei allen drei Mannschaften war aber auch noch Steigerungspotential über die 90 Minuten zu erkennen.“

Beim Trainerteam um Dante, aber auch bei den Spielern, war nach dem Sieg in Illertissen Erleichterung zu spüren gewesen. Ging es ihnen ähnlich?
„Ich war froh über diesen Erfolg, ganz klar. Nach den bisherigen Ergebnissen war dieser Dreier wichtig. Wir hatten eine herausfordernde Vorbereitung, das hat sich bis in die ersten Spieltage hineingezogen. Aufgrund der vielen WM-Teilnehmer haben wir teilweise eine komplette Mannschaft an Nachwuchsspielern im Training der Profis gehabt, dazu gab es Verletzungen und Spieler, die von diesen erst noch zurückkamen. David Santos Daiber hat in Illertissen seine ersten Minuten in dieser Saison absolviert. Wir haben schon weit über 30 Spieler eingesetzt. Von unserer Startelf beim Auftakt gegen Eltersdorf waren in Illertissen nur drei von Beginn an auf dem Platz. Das zeigt, wie viel Bewegung wir im Kader hatten. Jetzt haben wir so langsam alle Spieler an Bord, das Trainerteam kann mehr und mehr an den Automatismen arbeiten. Und das wird sich auch auf die Ergebnisse auswirken, davon sind wir alle überzeugt. Wir wissen aber auch, dass eine Entwicklung mit so vielen jungen Spielern – in Illertissen standen drei 16-Jährige in der Anfangsformation – nicht immer linear verläuft. Am Ende geht es für Dante darum, möglichst viele Spieler für Vincent Kompany anbieten zu können. Das ist die Währung, an der wir uns alle messen lassen. Dennoch sind Siege für die Entwicklung eines Spielers wichtig, speziell bei einem so erfolgsverwöhnten Verein wie den FC Bayern.“
In der vergangenen Saison haben neun Teenager ihr Debüt bei den Profis gefeiert. Sehen sie das Potential am Campus, diese Zahl toppen zu können?
„Ich sehe eine Vielzahl an Toptalenten, die es in den Profifußball schaffen können, zweifelsohne. Aktuell gelingt dies fast jedem zweiten Spieler, der bis zur U19 bei uns war. Wie viele es am Ende in die Allianz Arena schaffen, ist schwer vorherzusagen und hängt auch vom Saisonverlauf bei den Profis ab. Ich sehe aber die Bereitschaft aller Verantwortlichen im sportlichen Bereich, die Tür für unsere Jungs weit offen zu halten. Durchgehen müssen die Jungs aber selbst. Wir haben aktuell immer fünf Spieler regelmäßig im Training der Profis, das ist schon mal der erste Schritt. Jetzt schauen wir mal, von wem das nächste Trikot an unserer Debütanten-Wand am Campus aufgehängt wird.“

Mit Dante gibt es einen neuen Chefcoach bei den Amateuren, der gleichzeitig auch Trainer für die Youth League-Mannschaft sein wird. Welche Ideen stecken da dahinter?
„Wir haben eine sehr junge Mannschaft bei den Amateuren. Die meisten können noch in der Youth League eingesetzt werden. Da war es aus unserer Sicht sinnvoll, dass der Trainer der Amateure auch international verantwortlich ist. Außerdem haben wir die Erfahrungen gemacht, dass bei den Spielern, die aus dem Kader der Amateure für die Youth-League Partien runtergezogen wurden, oft die Automatismen auf dem Platz gefehlt haben. Deswegen machen wir es jetzt genau umgekehrt: der Kern der Mannschaft kommt aus dem Amateure-Kader und wird punktuell mit Spielern der U19 besetzt.“
Diese Konstellation sorgt für Termin-Herausforderungen: am 10. September spielen wir in der Youth League zuhause gegen Bodo Glimt und am nächsten Tag wartet Regionalliga pur in Buchbach…
„… und Sonntag haben wir dann noch das U19-Derby an der Grünwalder Straße. Das ist sicherlich nicht optimal, aber ich bin überzeugt, dass wir bei allen drei Terminen eine schlagkräftige Mannschaft am Start haben werden, um die Spiele erfolgreich zu bestreiten. Jedenfalls ist dafür gesorgt, dass jeder Spieler auf seine Minuten kommen wird und sich bewähren kann. Und wir erreichen damit, dass unsere Spieler beim Thema Widerstandsfähigkeit noch mehr gefordert und gefördert werden. Wenn die Hinrunde vorbei ist, werden wir ein Fazit ziehen und wichtige Erfahrungswerte für die Saison 2027/28 haben.“

Sie sind jetzt über vier Monate in ihrer neuen Position ‚Leiter Sport und Nachwuchsentwicklung‘ am Campus aktiv. Welches Fazit ziehen sie für ihre Anfangszeit?
„Definitiv ein positives. Aufgrund der Größe des Campus und der Anzahl der Mitarbeiter war ich die ersten Wochen intensiv mit Kennenlernen beschäftigt. Wir haben aber schnell auch wichtige Entscheidungen getroffen, personell und strategisch. Ich arbeite sehr eng und vertrauensvoll mit Bernhard Seonbuchner (Leiter Spiel-/ Trainerentwicklung und Übergang) zusammen, der kurz nach mir angefangen hat. Wir haben eine klare Aufgabenverteilung vorgenommen, haben in vielen Themen aber die gleiche Denkweise und Einstellung. Auch die Zusammenarbeit mit Jochen Sauer, Christoph Freund und allen anderen an der Säbener Straße funktioniert bestens. Der Campus hat die vergangenen Jahre viele Talente hervorgebracht und sehr viele Spieler für den Profifußball entwickelt, aber wir wollen einfach noch eine Schippe drauflegen. Unsere Profis gehören zu den Top-Five in Europa, da wollen wir auch mit dem Campus hin.“

Mit Arijon Ibrahimov wurde nun ein weiterer Spieler, der am Campus ausgebildet wurde, abgeben. Nimmt man diese und die vergangene Transferphase zusammen, dann hat der FC Bayern mit Transfererlösen von eigenen Akademie-Spielern sehr viel Geld eingenommen. Spricht das auch für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit?
„Ja, absolut. Wir alle wollen Spieler wie Aleks Pavlović, Josip Stanišić, Jamal Musiala oder Lennart Karl sehen, die über den Campus ein fester Bestandteil im Profi-Kader werden. Christoph Freund sagte erst kürzlich, es sei das schönste Gefühl, wenn ein Spieler aus den eigenen Reihen bei unseren Profis durchstartet. Nicht jedes von uns top-ausgebildete Talent wird aber Spieler beim FC Bayern werden können. Wir wollen aber, dass jeder nach seiner Zeit am Campus die fußballerischen Voraussetzungen für eine Profi-Karriere und zusätzlich auch die Möglichkeit für eine gute schulische Ausbildung bekommen hat. Und wenn dann der FC Bayern davon finanziell profitiert, sollten diese Spieler woanders ihre Karriere fortsetzen, ist das doch für den Club eine wunderbare Geschichte.“
Diese Teams warten auf Dante und sein Team in der Youth League:
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