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Arjen Robben vs. Michael Olise: Vergleich der Giganten

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Arjen Robben und Michael Olise gemeinsam beim Jubeln
© Imago / FC Bayern

Arjen Robben vs. Michael Olise: Der Vergleich der Giganten

Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters. Während der gesamte FC Bayern dem Showdown gegen Real Madrid entgegenfiebert, kümmern wir uns um den Mann, auf den im Bernabéu und eine Woche später in der Allianz Arena die Fußballwelt schaut: Michael Olise, unsere Nummer 17. Wir wollen uns aber auch mit Michaels Vorgänger im Geiste beschäftigen, mit Arjen Robben, mit „Mr. Wembley“, mit dem Helden von 2013. Wenn wir die beiden vergleichen, erleben wir das Aufeinandertreffen zweier Welten, zweier unterschiedlicher Temperamente – und doch zweier Seelenverwandter.

Es ist der ultimative Vergleich der Giganten auf dem rechten Flügel – und der Beweis, wie glücklich wir sein können, dass auf den brillianten Niederländer mit der 10 ein brillianter Franzose mit der 17 gefolgt ist.

Der Signature-Move: Von der Arie zur Variation

Arjen Robben hat den berühmtesten Spielzug der modernen Bayern-Geschichte nicht nur gespielt, er hat ihn perfektioniert. Rechtsaußen, Tempo aufnehmen, Haken nach innen, der linke Fuß, das lange Eck – ein Muster, das gegnerische Trainer vor den Spielen gebetsmühlenartig ankündigten und trotzdem nie verhindern konnten. Jupp Heynckes brachte es auf den Punkt: „Arjen ist jemand, der Spiele im Alleingang entscheiden kann.“

So fing das Robben-Märchen an: Der junge Arjen bei seinem ersten Bayern-Tor 2009 gegen Wolfsburg.
So fing das Robben-Märchen an: Der junge Arjen bei seinem ersten Bayern-Tor 2009 gegen Wolfsburg. | © Imago

Im Vergleich dazu: Oh là là, Olise! Michael trifft zwar ebenfalls auf diese Art – wie zuletzt im Rückspiel gegen Bergamo, als er gleich doppelt nach innen zog und vollstreckte. Doch sein Spiel ist keine bloße Kopie, sondern eine kunstvolle Reminiszenz an große Robben-Zeiten.

Vincent Kompany beschreibt seinen Schützling so: „Michael hat die Qualität, Situationen zu lösen, die eigentlich schon vorbei sind.“ Während Arjen mit Dynamik und Wucht Mauern einriss, findet Michael als “ Lücken, die physikalisch kaum zu existieren scheinen. Aus der liebgewonnenen Arie ist ein neuer, komplexer Fußballzauber geworden.

Die nackte Wahrheit der Zahlen

Ein Blick in die Datenblätter offenbart eine faszinierende Verschiebung. Arjen Robben kam 2009 mit 25 Jahren als fertiger Weltstar von Real zu Bayern und lieferte sofort. In seiner ersten Saison 2009/10 kam er in 37 Pflichtspielen auf 23 Tore und 8 Vorlagen. Michael Olise, der im Juli 2024 mit erst 22 Jahren von Crystal Palace an die Isar wechselte, zeigt eine Effizienz, die mehr auf das Kollektiv ausgerichtet ist. In seinen bisherigen 94 Spielen für den FC Bayern sammelte er bereits 36 Tore und unfassbare 50 (!) Vorlagen.

Wenn Michael Olise dribbelt, ist er so unwiderstehlich wie einst der große Arjen Robben.
Wenn Michael Olise dribbelt, ist er so unwiderstehlich wie einst der große Arjen Robben. | © Imago

Besonders die aktuelle Saison 2025/26 sprengt jeden Rahmen: In 39 Pflichtspielen steht er bei 16 Treffern und 27 Vorlagen. Bei den Toren ist es ein statistisches Unentschieden auf allerhöchstem Niveau: Jeweils 36 Buden in den ersten beiden Spielzeiten – Arjen gehandicapt durch einen langwierigen Muskelriss, Michael noch mit Potenzial, denn die Highlights der Saison kommen erst. Da geht noch mehr!

Bei den Assists zieht der junge Franzose einsam seine Kreise: Seine 50 Vorlagen stehen den 20 von Robben in den ersten beiden Spielzeiten gegenüber. Arjen war oft der krönende Abschluss eines Angriffs, Michael ist immer wieder der geniale Ausgangspunkt.

Glaswaden gegen Stahlfedern

Ein Thema, das jeden Bayern-Fan beim Gedanken an Arjen Robben wehmütig werden lässt, ist seine Krankenakte. Die „gläserne Wade“ war kein Mythos, sondern ein ständiger Begleiter. Insgesamt war er in seiner bayerischen Zeit in 17 Phasen verletzt oder nicht im Kader.

Michael Olise dagegen scheint aus einem Material zu bestehen, das Vincent Kompany persönlich in seiner geheimen Werkstatt an der Säbener Straße gehärtet hat. In der laufenden Saison 2025/26 weist sein Datenblatt bei Verletzungen eine glatte Null auf.

So gut wie nie verletzt: Michael Olise lächelt.
So gut wie nie verletzt: Michael hat gut lachen. | © Imago

Das Einzige, was ihn im Februar und März 2026 stoppen konnte, waren zwei schlichte Gelbsperren gegen Bremen und im Champions-League-Rückspiel gegen Atalanta. Während wir beim großen Arjen bei jedem Tackling Gebete zum Fußballgott schickten, dass alles gut geht, können wir bei Michael beruhigt zuschauen, wie er nach den brenzligsten Situationen einfach wieder aufsteht – und weiterzaubert.

Die Marktwert-Inflation

Die Marktwerte zeigen uns deutlicher als jede Statistik, wie sehr sich die Fußballwelt gewandelt hat. Arjen Robben war 2009 ein absoluter Top-Transfer – und aus heutiger Sicht fast absurd günstig. Uli Hoeneß stellte damals klar: „So einen Spieler bekommst du nicht oft.“ Auf seinem absoluten Peak erreichte Arjen einen Marktwert von 40 Millionen Euro. 

Michael Olise wechselte 2024 aus England zu Bayern. Max Eberl wusste genau, was er tat: „Michael bringt genau die Qualität, die wir gesucht haben.“ Sein Marktwert soll derzeit bei rund 140 Millionen Euro liegen.

Arjen Robben jubelt nach seinem Tor im Champions League-Finale 2013
Sein Wembley-Tor 2013 hat Arjen Robben für den FC Bayern ohnehin unbezahlbar gemacht. | © Imago

Das macht dreieinhalb Prime-Robben – vergleichen lassen sich diese Zahlen freilich nicht. Michael ist mit 24 Jahren eine sportliche Wertanlage, deren Dividende wir Spieltag für Spieltag in Form von Scorerpunkten bewundern dürfen.

Vulkan gegen Gefrierfach

Arjen Robben war Emotion pur. Sein unbändiger Ehrgeiz, von dem Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger so oft berichteten, trieb ihn an. Er konnte bei einer Auswechslung, übertrieben gesagt, schon mal die Bank in Trümmer legen.

Michael Olise ist das exakte Gegenteil – er ist das personifizierte Gefrierfach. Kompany lobt seine stoische Ruhe: „Er bleibt ruhig, egal in welcher Situation.“ Während Arjen ein tobender Sturm war, ist Michael eine tiefe, unaufhaltsame Strömung. Rein optisch würde man meinen, der Niederländer mit dem sparsamen Haupthaar wäre der kühle Typ – und nicht der wilde Franzose mit den bunten Braids, die sich nur mit einem todschicken Haarband zähmen lassen. Aber von wegen, so kann man sich täuschen.

Arjen Robben feiert seinen Bayern-Abschiedstreffer 2019 gegen Frankfurt.
Jubel bis zum allerletzten Tor: Arjen Robben feiert seinen Bayern-Abschiedstreffer 2019 gegen Frankfurt. | © Imago

Jamal Musiala schwärmt: „Mit ihm zu spielen, macht es einfacher.“ Und auch Harry Kane profitiert, denn für ihn ist Olise das perfekte Verbindungsglied in der Offensive.

Von „Robbery“ zum kreativen Netzwerk

Die Ära Robben war geprägt von klaren Achsen: „Robbery“ mit Franck Ribéry lehrte Europa das Fürchten, und vorne wartete Robert Lewandowski als klassischer Vollstrecker. Heute spielt Michael Olise in einem deutlich flexibleren Netzwerk.

Michael Olise schlägt mit Harry Kane ein
Wir hatten „Robbery“, jetzt haben wir Michael Olise und Harry Kane. Wir sind ein sehr glücklicher Fußballverein. | © Imago

Vincent Kompany gibt ihm die Freiheit, zu rochieren und ins Zentrum abzukippen: „Wir wollen ihm Räume geben, in denen er kreativ sein kann.“ In seinen bisher 94 Einsätzen agierte er meist als Rechtsaußen, tauchte aber auch schon als Zehner auf – in einem rotierenden System mit Jamal Musiala, Serge Gnabry, Luis Díaz oder Lennart Karl, in dem die Rollen ständig wechseln. Noch schwerer zu lesen, noch unangenehmer für den Gegner.

Das Vermächtnis und die Suche nach Wembley

Arjen Robben ist eine lebende Legende. Sein Platz in der Bayern-Geschichte ist durch den Wembley-Moment 2013 für immer gesichert. Thomas Müller brachte es auf den Punkt: „Arjen hat uns erlöst.“ Diese 89. Minute gegen Dortmund, ein Jahr nach dem „Finale dahoam“, machte ihn unsterblich.

Michael Olise schickt ein Stoßgebet gen Himmel
Wir haben zu danken – für diesern fantastischen Stürmer aus Frankreich. | © Imago

Michael Olise steht in diesem Punkt noch am Anfang seiner Reise. Er hat die Daten, er hat die Qualität, er hat das Vertrauen. Kompany weiß: „Er versteckt sich nicht. Und das ist in München entscheidend.“ In der laufenden Champions-League-Saison zeigt er mit 3 Toren und 6 Assists in 9 Spielen bereits, dass er auch für die großen Nächte bereit ist.

Vom „Mr. Wembley“ zum „Monsieur Budapest“ – es wäre fast schon kitschig schön. Im Moment heißt es noch „Der Arjen hat’s gemacht.“ Aber man spürt schon: „Der Michael wird’s machen“, irgendwann. Egal, ob es diesmal schon klappt: Der rechte Flügel des FC Bayern bleibt der Ort, an dem die Magie zu Hause ist. Gestern, heute – und dank Michael Olise in einer Zukunft, die strahlender denn je erscheint.

Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“

Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.

In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent!

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