
Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.
Obwohl die Saison gerade erst losgeht, gibt es schon eine spannende Änderung in unserem Kader: Tom Bischof, aufstrebendes Mittelfeld-Talent, wechselt – gottlob nicht den Club, sondern von der Rückennummer 20, mit der er letzte Saison durchgestartet ist, zu Leon Goretzkas bisheriger Nummer 8. „Ich habe erst einmal abgewartet, was Aleks Pavlović macht. Er ist länger hier, ein guter Freund von mir und ich schätze ihn sehr“, verrät Tom im Interview. Weil Pavlo seiner 45 treu bleiben wollte, war der Weg frei für unseren frischgebackenen Achter.
Die Bayern-Fans haben damit eine spannende neue Option für ihre 2026er-Trikots – es ist quasi der „Flockruf“ einer neuen Ära. Wer sich dieses Trikot überstreift, trägt eine gigantische Ahnengalerie auf dem Rücken. Denn Tom Bischof ist der 50. Spieler der modernen Bayern-Historie seit 1962, der mit der 8 aufläuft. Wir erzählen die Geschichte einer unserer „heiligsten“ Nummern, von Paul Breitner bis Tom Bischof.
Die Chefs: Alphatiere und Regisseure
Paul Breitner kam 1970 zusammen mit Uli Hoeneß an die Isar – mit Stutzen auf Halbmast, und als stürmender linker Außenverteidiger mit Rückennummer 3. Seine Interpretation dieser Rolle war eine Revolution für den deutschen Fußball: Beseelt von der niederländischen Idee des „totalen Fußballs“ schaltete sich Paul immer wieder in die Offensive ein. Das gab es vorher noch nie.
1978 kehrte er doch wieder aus Madrid nach München zurück. Er wurde als rauschebärtige Hälfte von „Breitnigge“ zum unangefochtenen Antreiber im Mittelfeld. Paul Breitner, hinten die 8 auf dem Trikot und vorne die Magirus-Deutz-Werbung – mehr Bayern-Kult, mehr „Acht-Demonstration“, geht nicht.

1984 schlüpfte Lothar Matthäus ins legendäre Trikot. Der 23-Jährige kam aus Gladbach – wo er im Pokalfinale zuvor noch einen Elfmeter in den Nachthimmel befördert hatte. Er wurde zum bestbezahlten und zum redefreudigsten Bundesligaspieler, wie DFB-Co-Trainer Erich Ribbeck staunte: „Sogar, wenn wir den Speiseplan diskutieren, quakt er dazwischen.“ Doch Lothar lieferte. Und wie! 16 Tore allein in seiner ersten Münchner Bundesligasaison – nie zuvor hatte ein Mittelfeldspieler die interne Torschützenliste angeführt. Lothar ging 1988 als Achter zu Inter Mailand, und kehrte 1992 als Zehner zurück.
Dauerbrenner und Triple-Helden: Das Fundament des Erfolgs
Schon in den 70ern glänzten im FCB-Maschinenraum mit der 8 Rackerer wie Rainer Zobel, Bernd „Wipf“ Dürnberger und Conny Torstensson. „Super-Schwede“ Torstensson schoss die Bayern im Herbst 1973 mit Åtvidaberg beinahe aus dem Europapokal. Die schwer beeindruckte Münchner Führung um Manager Robert Schwan packte ihn danach quasi ein und holte ihn zum FC Bayern.

Kuriose Folge: Torstensson schied in dieser Saison gegen Bayern aus dem Europapokal aus – und holte am Ende der Spielzeit mit den Münchnern in Brüssel den Henkelpott. Später verriet er augenzwinkernd: „Bei unseren zwei Jungs, die die Elfmeter gegen Bayern verschossen haben, habe ich mich oft bedankt.“
Dauerbrenner (und Renner) Bernd Dürnberger wurde von Gerd Müller „Wipf“ getauft. Der Wipf wurde von 1972 bis 1985 zum unverzichtbaren Inventar – und wegen einiger unglücklicher Verletzungen zum einzigen FCB-Spieler mit mehr als 500 Partien, dem die Nationalmannschaft verwehrt bliebt. Verdient hätte er die DFB-Karriere allemal.

In den 80ern hielt Norbert Nachtweih als erster ehemaliger DDR-Star in 202 Bundesliga-Spielen die Knochen hin. Später folgte Thomas Strunz, der die 8 durch drei Jahrzehnte trug, von 1989 bis 2001 – ein einsamer Rekord. In der modernen Ära wurde Javi Martínez zu einem unserer Lieblings-Spanier. 2012 gewechselt, begeisterte er nicht durch laute Töne, sondern als kompromissloser Abräumer und zweifacher Triple-Sieger 2013 und 2020. Bis 2026 marschierte dann Muskel-Maschine Leon Goretzka mit der 8 durch die Zentrale – nachdem er sich von 2018 bis 2021 mit Nummer 18 erstmal hinter Javi anstellen musste.

Die Bank der Zukunft: Ausbildung zum Bayern-Boss
Einige Bayern-Achter lernten auf dem Rasen das Handwerkszeug, um später die Geschicke des Clubs zu lenken. Uli Hoeneß, der in Sachen Rückennummern viel rumkam, von der 7 über die 10 bis zur 11, war 1974/75 auch als Achter unterwegs – je nach Position änderten sich damals die Nummern. So war das vor der Einführung der festen Rückennummern 1995.
Ihm folgte ein Jahrzehnt später Hansi Flick, den Co-Trainer Egon Coordes 1985 in Sandhausen entdeckte und sofort unter Vertrag nehmen ließ. Flick feierte vier Meisterschaften, stand 1987 im Europapokal-Finale gegen Porto – und holte 2020 als Cheftrainer das historische Sextuple.

Ebenfalls eine Acht: Niko Kovac, der 2019 als Bayern-Coach das Double feierte.
Ballkünstler und Edeltechniker: Zwischen Magie und Hollywood
Pure Magie versprühte der isländische „Eismeer-Zico“ Ásgeir Sigurvinsson. Mit traumhaften 50-Meter-Diagonalpässen gesegnet, scheiterte er 1981/82 in München als Teilzeit-8 an einer langwierigen Verletzung – und daran, dass neben Paul Breitner im Zentrum kein Platz für einen zweiten Chef war. Nach nur einem Jahr zog „Siggi“ weiter nach Stuttgart, wo er als Meister zur Schwaben-Legende wurde – und einen Getränkemarkt eröffnete, den es bis heute gibt.

Zu den feinen Technikern auf der 8 zählten Teenie-Liebling Michael „Sterni“ Sternkopf und der pfeilschnelle „Sachsen-Express“ Alex Zickler – dessen phänomenaler Antritt auf den ersten 30 Metern mit Weltklasse-Sprintern mithalten konnte. „Zico“ wurde in München glücklich, im Gegensatz zum Wiener „Rasen-Mozart“ Andreas Herzog, der in den Wirren des FC Hollywood aufgerieben wurde. Davor und danach war das „Herzerl“ in Bremen „Wöidklasse“.
Trikot-Roulette und kultige Überraschungen
Vor der Ära fester Nummern gab es skurrile Trikot-Besetzungen. Allen voran Jürgen „Kobra“ Wegmann („Ich bin giftiger wie die giftigste Schlange“). Er lief als Stürmer mit der 8 auf und erzielte 1988 mit einem prächtigen Seitfallzieher das Tor des Jahres. Als Wegmann später finanziell in Not geriet, vermittelte ihm Uli Hoeneß einen Job im Bayern-Fanshop.

Ebenfalls in der Kategorie der überraschenden Achter: Manni Bender, Marcel Witeczek, Didi Hamann, Ali Karimi, Hamit Altintop und ab 1977 Branko Oblak. Der jugoslawische Edeltechniker verspottete Trainer Gyula Lóránt als „Gymnastiklehrer“. Brankos guter Freund Gerd Müller sorgte dafür, dass er trotzdem spielen durfte.
Talente und Hoffnungsträger: Der Bogen zu Tom Bischof
Der FC Bayern vertraute auf der 8 immer wieder der Jugend. Der Allgäuer Reinhold Mathy stand mit 20 Jahren im Europapokal-Finale 1982.

Noch erfolgreicher verlief die Talentwelle mit den Club-Himmelstürmern Hansi Dorfner und Stefan Reuter sowie mit Christian Ziege.
Nun betritt Tom Bischof die Bühne, in einer Reihe mit Paul Breitner, Lothar Matthäus oder Javi Martínez. Die Chancen stehen bestens, dass er seine eigene Säbener Story schreibt, als einer der herausragenden Achter in der Geschichte des FC Bayern. Möge die Acht mit uns sein!
Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“
Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.
In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent!
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