


Säbener Stories
Fr | 11.09.2026 | 11:30
Bayern vor der Elversberg-Premiere: Das kann doch nicht Saar sein!
Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.
Eigentlich klingt Elversberg nach einer entspannten Sonntagsreise ins Saarland. Ein Bundesliga-Neuling aus einem 13.000-Einwohner-Ort – was soll da schiefgehen? Na ja: Im Saarland erstaunlich viel.
Denn ausgerechnet im kleinsten Flächen-Bundesland schaut der große FC Bayern seit Jahrzehnten nicht gerade wie ein Riese aus. Neun Bundesliga-Auswärtsspiele, nur zwei Siege – in keinem anderen Bundesland ist die Bilanz negativ. Nach Siegen steht es so: Saarland gegen FC Bayern 3:2.
Dazu kommen Pokalschlappen, allerlei Saar-Wahnsinn – aber auch der Bundesliga-Aufstieg 1965, mit dem 1. FC Saarbrücken als zentraler Station. Und jetzt wartet die SV 07 Elversberg, die nach zwei Spieltagen in der Tabelle sogar vor uns Bayern steht. Kurz gesagt: Das kann doch nicht Saar sein!
20. Juni 1964: Die Roten sind noch zu grün
Der FC Bayern steht in der Aufstiegsrunde gut da. In München drucken sie angeblich schon Bundesliga-Visitenkarten. Dann kommt Borussia Neunkirchen ins Grünwalder Stadion – mit Torwart-Riese Willi Ertz. Der Ersatzmann, der Ertz-Bengel, hält plötzlich alles. Später heißt er der „Mann mit den tausend Händen“. Beim Elfmeter raunt Bayern-Kämpfer Herbert Erhard dem Saarländer Schützen Karl Ringel zu: „Schiaß daneben, ihr habt’s eh koa Chance!“ Hier zeigt sich eindeutig ein frühes „Mia san mia“.

Ringel trifft trotzdem. Das 0:2 macht Günter Kuntz, Vater von Europameister Stefan. Am Ende fehlt Bayern ein Punkt zum Aufstieg. Trainer Tschik Čajkovski schimpft: „Langes Ertz hat uns gekostet ein Jahr Bundesliga!“ Aber vielleicht kommt die Verspätung ganz recht. „Meinen jungen Spielern fehlt Routine“, weiß der Trainer. Die Roten sind noch zu grün. Außerdem ist Gerd Müller noch nicht da. Der schießt in Nördlingen mit 47 Toren in 28 Spielen alles kaputt.
19. Juni 1965: Endlich oben!
Ein Jahr später steht wieder ein Saar-Klub im Weg. Der 1. FC Saarbrücken gewinnt das Aufstiegs-Hinspiel 1:0. Čajkovski grummelt: „Kleines, dickes Müller heute ohne Glück.“ Im Rückspiel drängen 45.000 Fans ins Grünwalder, Bayern triumphiert 5:0. Auf der FCS-Bank sitzt Jupp Derwall, beim FCB spielt Franz Beckenbauer. Man sieht sich wieder: Fast 20 Jahre später wird der Kaiser Nachfolger von Bundestrainer Derwall.
Dessen Urteil 1965: „Selbst mit zwei Torhütern hätten wir die Schlappe nicht verhindern können.“ Eine Woche später macht Bayern mit dem 8:0 bei Tennis Borussia Berlin alles klar in Sachen Aufstieg. Tausende stürmen bei der Rückkehr das Rollfeld am Flughafen Riem. Präsident Wilhelm Neudecker marschiert wie versprochen mit 519 Fans um den Tegernsee. Für die erste Meisterschaft kündigt er gleich den Bodensee an – und kassiert den Schwur später wieder ein.
4. September 1965: Die Baby-Bayern sind Erster
15 Monate nach dem Neunkirchen-Schock kommt die Revanche. Gleiche Trainer, viele gleiche Gesichter – aber jetzt hat Bayern einen Müller. Der Gerd hat seine Geschäftstätigkeit als Bomber längst aufgenommen und trifft doppelt. Ergebnis: 6:0.

Nach vier Spieltagen ist der Bundesliga-Neuling erstmals Tabellenführer. Neudecker schwärmt: „Mit dieser Kondition, dieser Technik, diesem Tempo können wir jeden schlagen.“ Sepp Maier ist 21, Franz Beckenbauer und Gerd Müller sind 19. Die „Baby-Bayern“ stürmen die Liga.
16. April 1977: Sechs Gegentore für den Kaiser
Saarbrücken steckt im Abstiegskampf, Bayern ist amtierender dreifacher Europacupsieger der Landesmeister. Also klare Sache? Nicht im Saarland! Roland Stegmayer eröffnet im Ludwigspark per Fallrückzieher. Danach trifft er noch dreimal. Am Ende steht ein unfassbares 6:1 für den FCS, die Münchner Torwart-Legende verhindert noch Schlimmeres. Stegmayer gegen Sepp Maier – klare Sache an diesem historischen Nachmittag.

Kuriose Bilanz: Roland Stegmayer ist bis heute einer von nur vier Spielern, die dem FC Bayern in einem Spiel mindestens vier Tore einschenken. Und jedes Mal steht der arme Sepp Maier im Tor. Für Franz Beckenbauer ist es die fünftletzte Bundesliga-Partie im Bayern-Trikot. Bald darauf spielt er in einem ganz anderen „Cosmos“, in New York. Götterdämmerung beim FCB – und das Saarland hilft beim Abgesang kräftig mit.
15. Oktober 1977: Der erste Weltpokalsieger-Besieger
Ein halbes Jahr später geht der Saar-Frust im Pokal weiter. Zweitligist Homburg empfängt den Weltpokalsieger. Bayern-Trainer Dettmar Cramer studiert die Saarländer davor sogar per Video. Es nützt nichts.

20.000 machen das Waldstadion voll. Am Ende steht es 3:1. Der „Kicker“ schreibt, Bayern sei „sang- und klanglos untergegangen“, und war noch gut bedient. Cramer diagnostiziert einen „bösartigen Bazillus“: Hochmut. Homburg ist damit 25 Jahre vor St. Pauli erster „Weltpokalsieger-Besieger“. Nur die T-Shirts fehlen noch.
11. Februar 1978: Lóránt gegen Lorant 7:1
Diesmal treffen sich zwei „Kellerkinder“ zum Bayern-Saarland-Duell. Der FCB steht nur auf Platz 14, Saarbrücken direkt dahinter. Ganze 10.500 Unentwegte verlieren sich im winterlichen Olympiastadion – und erleben ein famoses 7:1. Endlich mal kein Saar-Frust!

Gerd Müller trifft zweimal, Verteidiger Kurt Niedermayer ebenfalls. Rainer Künkel macht das 7:0 – und wechselt später nach Saarbrücken. Die schönste Pointe in der 90. Minute: Der Bayern-Trainer heißt Gyula Lóránt. Den Ehrentreffer erzielt Werner „Beinhart“ Lorant per Elfmeter. Lóránt gegen Lorant also 7:1.
22. August 1987: Schäfer sammelt Bayern-Tore
Trainer Jupp Heynckes ist neu in München, Bayern Meister und Tabellenführer. Der FC Homburg hat einen Punkt. Was soll passieren im Saarland? Es passiert Wolfgang Schäfer. Der Stürmer kommt in der 66. Minute – und trifft eine Minute später. Zehn Minuten danach trifft er wieder. Bayern verliert 2:3.

Schäfer kennt das: 1985 schießt er für Uerdingen im Pokalfinale das entscheidende 2:1 gegen Bayern. Manche sammeln Briefmarken, Wolfgang Schäfer sammelt entscheidende Tore gegen den FCB.
17. August 1991: Neuer Humbug gegen Homburg
Vier Jahre später kommt Homburg in der zweiten Pokalrunde als Zweitligist zurück ins Olympiastadion. Trainer Gerd Schwickert hat schon 1977 als Homburger Libero gegen Bayern getroffen. Seine Ansage diesmal: „Acht Mann von uns sind momentan besser drauf. Ihr müsst frech sein.“ Sie sind frech. Sehr frech. Nach 90 Minuten steht es 2:2. In der Verlängerung tunnelt Michael Kimmel Weltmeister Hansi Pflügler und trifft zum 3:2. Bernd Gries legt nach.
Der „Kicker“ staunt und spottet: „Phasenweise sah es nach einem Trainingsspiel der Homburger aus.“ Nur 9.000 Fans müssen das 2:4 miterleben. Homburgs schillernder Präsident Manfred Ommer hat sogar Mitleid: „Es tut weh, den FC Bayern so zu sehen. Schade um diese große Mannschaft.“ Wobei: Bald spielt sie wieder deutlich größer als in dieser unglücklichen Saison mit Platz 10 am Ende.
23. April 1993: Ein 6:0 ohne Happy End
In der Hinrunde rettet Oliver Kreuzer im Saarbrücker Ludwigspark ein 1:1. Beim Rückspiel rücken die Erich-Ribbeck-Bayern die Dinge zurecht: 6:0. Mehmet Scholl, freche 22, erzielt seinen ersten Bundesliga-Dreierpack für Bayern.

Drei Tage später reist der FCB als Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung nach Bremen – und verliert 1:4. Am Saisonende ist Werder mit einem Punkt Vorsprung Meister. Saarbrücken muss noch tapferer sein: Der FCS verliert nach dem 0:6 noch fünfmal in Folge und steigt ab. Es ist bis heute das letzte Bundesliga-Duell beider Vereine.
1. November 2023: Bayern liest die Warnung – und fliegt raus
Eigentlich kann niemand behaupten, der FC Bayern sei nicht gewarnt. Schon Monate davor schreibt unser Magazin „51“: „Wer bei der Auslosung Saarbrücken oder Kickers Offenbach erwischt, darf zittern.“
Dann passiert in der zweiten Pokalrunde genau das. Thomas Müller trifft im Ludwigspark früh, Matthijs de Ligt verletzt sich auf dem tiefen Rasen. In der 96. Minute schießt Marcel Gaus das 2:1. Berlin, Berlin, wir fahr’n nicht nach Berlin. Ärgerlich.

Thomas Müller nennt das Aus einen „brutalen Schlag“. Saarbrückens Trainer Rüdiger Ziehl erklärt das Training am nächsten Tag kurzerhand für „freiwillig“. Der deutsche Darts-Star Gabriel Clemens, großer FCS-Fan, schaut während eines Turniers in London zu: „Da habe ich mal kurz das Hotelzimmer zusammengeschrien.“
13. September 2026: Und jetzt Elversberg
Bayerns 57. Bundesliga-Gegner – gegen alle anderen 56 hat der FCB schon gewonnen. Der Vorsitzende des örtlichen saarländischen Bayern-Fanclubs „Spieser Bazis“ heißt tatsächlich Ulrich „Ulli“ Hönes. Nein, nicht der Uli. Schöner kann Fußball Namen kaum verteilen.
Nach über sechs Jahrzehnten Erfahrung mit ebenso tapferen wie renitenten Saarländern werden die Kompany-Bayern die Aufgabe maximal ernst nehmen. Dettmar Cramers „Bazillus“ hat 2026 im Saarland Einreiseverbot.
Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“
Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.
In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent!
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