Der Kaiser, zum zweiten Mal auf dem Thron: Ballon d’Or 1976, mit Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker.
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Säbener Stories

Ballon d’Or für Bayern-Legenden: Gerd, Franz, Kalle – und jetzt Harry!

Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.

45 lange Jahre haben wir gewartet! Harry Kane hat den Ballon d’Or gewonnen – und zwar sowas von verdient! Endlich wieder Gold für den FC Bayern! Gerd Müller, Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge holten die begehrte Kugel zwischen 1970 und 1981 fünfmal nach München. Doch dann war Schluss.

Warum gewann der Bomber nur einmal, der Kaiser ausgerechnet als Weltmeister nicht, und Kalle als einziger Deutscher zweimal in Folge? Wir erzählen fünf Geschichten über Tore, Tränen, Küsschen – und eine manchmal recht eigenwillige Jury.

Was Ihr über die Goldkugel wissen müsst

1956 erfindet die französische Sportzeitung „France Football“ den Ballon d’Or, den „Goldenen Ball“. Erster Sieger ist der Engländer Stanley „Stan“ Matthews, den die Queen später zum „Sir“ adelt. Zunächst dürfen nur Europäer gewinnen – deshalb keine Chance für Pelé oder Diego Maradona.

Tormaschine, Mannschaftsspieler – und Gigant: Ballon d’Or-Gewinner Harry Kane.
Tormaschine, Mannschaftsspieler – und Gigant: Ballon d’Or-Gewinner Harry Kane. | © Imago

1995 öffnet sich die Wahl für alle Nationalitäten bei europäischen Klubs, 2007 dann für die ganze Fußballwelt – so kann Lionel Messi seinen achten (!) Titel sogar aus dem US-Exil als Spieler von Inter Miami gewinnen. Von 2010 bis 2015 werden der Ballon d’Or und die FIFA-Weltfußballerwahl gemeinsam veranstaltet, seit 2016 sind es wieder separate Auszeichnungen.

Deshalb hat Robert Lewandowski zwar zweimal, 2020 und 2021, den Preis als FIFA-Weltfußballer nach München geholt – den Ballon d’Or hat unser Torjäger aber nie gewonnen. Und 1963 triumphiert mit dem Sowjetrussen Lew Jaschin der bislang einzige Torwart. Das merken wir uns, wenn wir in dieser Säbener Story über Manuel Neuer reden.

1970: Der Bomber trifft die Jury mitten ins Herz

38 Bundesligatore 1969/70. Zehn Treffer als WM-Torschützenkönig. Gerd Müller lässt auch in dieser Saison Verteidiger und Torhüter von München bis Mexiko an ihrer Berufswahl zweifeln. Doch der FC Bayern kann seinen Titel in der Bundesliga nicht verteidigen, die Schale holt erstmals Borussia Mönchengladbach. Und Deutschland wird in Mexiko nur WM-Dritter.

And the winner is... The Bomber! Gerd Müller 1970 mit France Football-Chef Max Urbini.
And the winner is... The Bomber! Gerd Müller 1970 mit France Football-Chef Max Urbini. | © Imago

Egal! Die Journalisten-Jury wählt den einst belächelten Nördlinger zum ersten deutschen Ballon-d’Or-Sieger. Trotzdem fühlt sich Gerd neben Franz Beckenbauer oft als Nummer zwei. „Ich werde immer in seinem Schatten stehen“, hadert er 1971. Doch das ist Unsinn, weil der Kaiser und der Bomber völlig unterschiedliche Jobbeschreibungen haben. 

Warum gewinnt der beste Stürmer aller Zeiten die goldene Kugel danach nie wieder? 1972 reichen sogar 40 Bundesligatore und der EM-Titel nur für Platz zwei – hinter Franz Beckenbauer, und ex aequo mit Günter Netzer.

1974 schießt Gerd Müller den FC Bayern zur Meisterschaft und zum ersten Landesmeister-Cup, und Deutschland zum WM-Titel. Mehr geht nicht. Beim Ballon d’Or wird er trotzdem nur Siebter. Der Bomber kommt an jeder Abwehr vorbei – aber nicht an den oft kuriosen Entscheidungen der Goldkugel-Jury. Wobei: Oranje-Genie Johan Cruyff ist definitiv ein würdiger Sieger, trotz verlorenem WM-Finale.

1972: Ein Kaiser schlägt zwei Könige

3:1 in Wembley gegen England, 3:0 im EM-Finale gegen die UdSSR: Franz Beckenbauer dirigiert die Nationalelf wie Herbert von Karajan und wird mit Bayern Deutscher Meister. Bei der Goldkugel wird es trotzdem eng: Der Kaiser bekommt 81 Punkte, Gerd Müller und Gladbachs Günter Netzer jeweils 79.

Franz Beckenbauer mit dem Ballon d’Or 1972. Sepp Maier und Rainer Zobel (links) freuen sich dezent.
Franz Beckenbauer mit dem Ballon d’Or 1972. Sepp Maier und Rainer Zobel (links) freuen sich dezent. | © Imago

Der EM-Titel mit der vielleicht besten DFB-Elf aller Zeiten sorgt für ein deutsches Triple beim Ballon d’Or. Drei Spieler aus einem Land auf dem „Stockerl“, das gibt es sonst nur noch 1981 mit Kalle Rummenigge, Paul Breitner und Bernd Schuster – und 1988 mit den Holland-Zauberern Marco van Basten, Ruud Gullit und Frank Rijkaard.

Warum gerade der Franz? „Er hatte eine brasilianische Technik mit einer deutschen Denke“, erklärt Kalle Rummenigge später. Paul Breitner schildert den Perfektionisten, dem eigene Fehler unerträglich waren: „Da war er nicht auf 180, sondern auf 1.800!“ Bei der Journalisten-Jury hat der Kaiser in diesem Jahr absolut keinen Grund zum Granteln.

1976: Kaiser Franz II. zurück auf dem Thron

1974 gewinnt Franz Beckenbauer Meistertitel, Landesmeister-Cup und die Weltmeisterschaft: Full House auf dem Fußballplatz. Doch beim Ballon d’Or muss er, im Gegensatz zum WM-Endspiel in München, Johan Cruyff den Vortritt lassen. „Ja mei, besser als andersrum“, wird sich der Kaiser gedacht haben.

1976 war noch einmal sein Jahr: Franz Beckenbauer mit maximaler Grandezza.
1976 war noch einmal sein Jahr: Franz Beckenbauer mit maximaler Grandezza. | © Imago

Zwei Jahre später sitzt er wieder auf seinem Thron. 1976 gewinnt Franz mit dem FC Bayern im Finale gegen AS Saint-Étienne den dritten Landesmeister-Cup – und später gegen Cruzeiro Belo Horizonte den Weltpokal. Nur im EM-Finale gegen die ČSSR, im 100. Länderspiel von Franz Beckenbauer, reicht es nur zu Platz zwei. Ulis Elfer, wir kennen die Geschichte…

Der Jury ist das egal. Sie würdigt die überragende Beckenbauer-Saison mit seinem zweiten Ballon d’Or. Das zeigt: Man muss nicht alles gewinnen. Nur eben ziemlich viel.

1980: Rummenigge als König

Karl-Heinz Rummenigge ist 1974 gerade einmal 18 Jahre jung, als ihn Bayern-Manager Robert Schwan aus Lippstadt nach München lotst. Franz Beckenbauer traut dem schüchternen Neuzugang eher wenig zu. Er sollte sich täuschen!

Der doppelte Kalle: Unser späterer Vorstandschef gewinnt 1980 und 1981 den Ballon d’Or.
Der doppelte Kalle: Unser späterer Vorstandschef gewinnt 1980 und 1981 den Ballon d’Or. | © Imago

Trainer Pál Csernai macht aus ihm einen Weltklasse-Stürmer und befreit ihn von Defensivpflichten: „Kalle, du musst nicht jedes Mal deinem Gegner hinterherrennen.“ Paul Breitner lenkt, Kalle trifft. „Breitnigge“ ist geboren!

1980 wird Bayern erstmals seit 1974 wieder Meister, Kalle mit 26 Treffern Torschützenkönig und mit Deutschland Europameister. 24 von 25 Juroren setzen ihn auf Platz eins. 122 Punkte! Der Zweite, Bernd Schuster, bekommt 34. Einen solchen Erdrutsch erlebt man sonst höchstens in den Alpen.

1981: Breitnigge, Bussi – und Gold Nummer zwei

1981 spielt Kalle noch besser. 29 Bundesligatore, wieder Meister. Auf dem Platz sind Paul und Kalle ein Traumpaar – daneben Gegensätze wie Feuer und Feuerlöscher. 

Breitnigge: Europas beste Fußballer 1981 auf einem Bild.
Breitnigge: Europas beste Fußballer 1981 auf einem Bild. | © Imago

Beim Ballon d’Or 1981 gewinnt Rummenigge – ausgerechnet vor Paul Breitner. Breitnigge sind jetzt Europas Nummer 1 und 2! Fünf Jahre nach dem Kaiser ist Kalle zum zweiten Mal in Folge der König von Europa. Wermutstropfen: Seitdem musste der FC Bayern 45 Jahre auf die nächste Goldkugel warten – bis der großartige Harry Kane „das Ding“ 2026 endlich wieder nach München geholt hat.

Lothar & Co.: Das sind unsere Beinahe-Könige

Ganz unbeteiligt ist der FC Bayern am Ballon d’Or zwischen 1981 und 2026 aber nicht. Lothar Matthäus gewinnt den Preis 1990 – als Weltmeister für Inter Mailand. Ihm folgt 1991 der spätere Münchner Jean-Pierre Papin. Matthias Sammer, ab 2012 unser Sportvorstand, ist 1996 als Europameister die Nummer 1.

Lothar Matthäus, ein Bayer mit dem Ballon d’Or 1990 – aber nicht für den FCB, sondern für Inter Mailand.
Lothar Matthäus, ein Bayer mit dem Ballon d’Or 1990 – aber nicht für den FCB, sondern für Inter Mailand. | © Imago

Oliver Kahn wird 2001 und 2002 jeweils Dritter. Im Rückblick erzählt er, er sei einmal zur Preisübergabe gefahren, im festen Glauben an seinen Sieg. Dort erfährt der Titan: Pustekuchen! Die Jury mag eben keine Torhüter, was später auch Manuel Neuer lernen muss.

Platz 3 für den Titan 2001 und 2002 – irgendwie mag die Jury keine Torhüter.
Platz 3 für den Titan 2001 und 2002 – irgendwie mag die Jury keine Torhüter. | © Imago

Manu revolutioniert das Torwartspiel, wird 2014 aber sogar als überragender Weltmeister nur Dritter, genau wie ein Jahr davor Franck Ribéry. Pikant: Die FIFA verlängert 2013 die Wahlfrist, offiziell wegen zu weniger Stimmen – ausgerechnet nach Cristiano Ronaldos Dreierpack gegen Schweden. Dabei hätten die Journalisten unseren Franck zum Sieger gekürt. So geht die jahrelange Solo-Show der Jury-Lieblinge CR7 und Messi weiter.

Wie Franck Ribéry den Ballon d’Or 2013 NICHT gewinnen konnte, wissen nur die Götter (und die Jury).
Wie Franck Ribéry den Ballon d’Or 2013 NICHT gewinnen konnte, wissen nur die Götter (und die Jury). | © Imago

Und Robert Lewandowski? 2020, im Triple-Jahr von Hansi Flicks Bayern, fällt der Wettbewerb wegen Corona aus. 2021 verliert unser Torjäger knapp gegen Lionel Messi, der seine siebte Goldkugel einsammelt. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Gerechtigkeit beim Ballon d’Or als Erstes ausgewechselt wird.

Es wird Zeit für eine Ballon d’Or-Siegerin vom FC Bayern. Allez, Klara Bühl!
Es wird Zeit für eine Ballon d’Or-Siegerin vom FC Bayern. Allez, Klara Bühl! | © Imago

Eine Ballon d’Or-Siegerin vom FC Bayern?

Vielleicht holt nach Harry Kane eine Bayern-Fußballerin die nächste Goldkugel nach München. Klara Bühl, Pernille Harder und Momoko Tanikawa waren bereits dieses Jahr für den Ballon d’Or féminin nominiert. Sie dürften auch in den nächsten Jahren gute Chancen haben. Eine Kaiserin aus München? Das dürfte auch dem zweifachen Gewinner Franz Beckenbauer droben auf seiner Wolke gut gefallen.

Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“

Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.

In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent (und gute Besserung)! Auf geht‘s, Danksy!

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