Da ist das Ding! Robert Lewandowski knackt gegen den FC Augsburg mit Bundesliga-Tor 41 doch noch den Rekord vom Bomber.
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Säbener Stories

Immer wieder Augsburg: Wo Bayerns Pokalgeschichte begann – und Peps Serie endete

Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.

Am Samstag geht es wieder gut 70 Kilometer nach Augsburg. Kurze Anreise, lange Geschichte. In der Fuggerstadt begann 1957 Bayerns Karriere als Pokalmonster. Hier kassierte Pep Guardiola seine erste Bundesliga-Niederlage. Und ein „Problemgegner“ waren die Augsburger schon, als der FCA noch ganz anders hieß.

Schnee, Sonderzüge, leere Kassen, Hackentore und Serienkiller: Augsburg ist für den FC Bayern weit mehr als nur der Nachbar an der A8.

1918/1943: Schon die Ur-Augsburger machen uns Kummer

Augsburg gegen Bayern ist keine Erfindung der Bundesliga. Bereits 1918 spielt der TV Oberhausen, ein Vorläufer des FCA, gegen den FCB um den Finaleinzug in der Ostkreismeisterschaft. Im Hinspiel halten die Augsburger bis zur Pause ein 2:2, dann zieht Bayern auf 5:2 davon. Eine Woche später folgt ein 4:1. Gesamt: 9:3 für die Münchner. Im Endspiel ist dann aber Schluss gegen den Club aus Nürnberg.

25 Jahre später kommt die Retourkutsche – und zwar mit Schmackes. Der BC Augsburg wirft die Bayern 1943 mit 3:0 aus dem Tschammerpokal, dem Vorläufer des DFB-Pokals. Wilhelm Dziarstek schießt alle drei Tore. Noch ahnt niemand, dass Augsburg einmal ein Schlüsselort der Münchner Pokalgeschichte wird. Dafür braucht es erst einen Trainer, der sich gegen den eigenen Vorstand durchsetzt.

Bravo, Buam! Unsere Pokalsieger 1957 im Augsburger Rosenaustadion.
Bravo, Buam! Unsere Pokalsieger 1957 im Augsburger Rosenaustadion. | © Imago

1957: Fast am Fahrgeld gescheitert

Kein Witz: Der FC Bayern will 1957 am DFB-Pokal eigentlich gar nicht teilnehmen. Die Kasse ist leer. Selbst die Reisen in der Vorrunde, dem Süddeutschen Pokal, sind dem Vorstand zu teuer. Unser österreichischer Trainer Willibald Hahn bleibt hart und setzt die Teilnahme durch.

Zum Glück. Bayern kämpft sich durch den Süden, schlägt anschließend Spandau Berlin 4:1 und Saarbrücken nach Verlängerung 3:1. Finale! Gegner: Fortuna Düsseldorf, Spielort: Augsburg, Termin: 29. Dezember.

Endspiel am 29. Dezember? Heute klingt das nach Glühwein-Cup. Damals ist das Pokal-Alltag. Einen festen Finaltermin im Mai gibt es noch längst nicht, der Wettbewerb wird übers Kalenderjahr ausgetragen. Also Endspiel zwischen Weihnachten und Silvester. Fehlt bloß noch, dass der Schiedsrichter zum Anpfiff „O du Fröhliche“ pfeift.

Fast hätte sich der spätere Rekord-Pokalsieger also genau den Wettbewerb gespart, den er später beherrschen wird.

Unser Mittelfeld-As Kurt Sommerlatt holt das Pokal-Triple: 1955 und 1956 mit dem KSC, 1957 mit dem FC Bayern.
Unser Mittelfeld-As Kurt Sommerlatt holt das Pokal-Triple: 1955 und 1956 mit dem KSC, 1957 mit dem FC Bayern. | © Imago

1957: Glühwein-Cup mit Dreifach-Tor

In der Nacht vor dem Finale schneit es. Die Rosenau ganz in Weiß, wie Roy Black (noch ein Augsburger!) neun Jahre später singt. Der Boden ist hart und gefroren. Fortuna gilt als Favorit. Doch der „Kicker“ spottet über die Düsseldorfer: „Wer dort aufgewachsen ist, weiß, dass für diesen Verein Schneeflocken und ein gefrorener Boden Sehenswürdigkeiten sind.“

Die Bayern mögen die weiße Pracht. 12.000 Münchner pilgern über vereiste Straßen und in zwei Sonderzügen nach Augsburg. Mehr als 40.000 Menschen drängen ins Rosenaustadion. Und sie erleben keinen glücklichen Außenseitersieg, sondern einen hochverdienten. Sportmagazin-Chef Hans Fiederer lobt: „Schon vom Anstoß weg ließen die Bayern keinen Zweifel darüber aufkommen, wer sich den Pokal holen würde.“

Nur rein will das Ding lange nicht. Dann bekommt Niederbayern-As Rudi Jobst, hauptberuflicher Teppichhändler in der Münchner Innenstadt, den Ball vor die Füße. Versuch eins: Torwart Albert Görtz wehrt ab. Versuch zwei: Erich Juskowiak rettet auf der Linie. Versuch drei: Drin! 1:0! Die Entscheidung! Der Pokal ist zum ersten Mal ein Münchner!

Unscharf, aber drin! Rudi Jobst macht 1957 den ersten DFB-Pokalsieg des FC Bayern klar.
Unscharf, aber drin! Rudi Jobst macht 1957 den ersten DFB-Pokalsieg des FC Bayern klar. | © Imago

Bundestrainer Sepp Herberger friert auf der Tribüne und staunt über Jobst: „Der macht das Spiel der Bayern!“ 25 Jahre nach der Meisterschaft 1932 hat der FCB endlich wieder einen Pott. Und Willibald Hahn? Er ist der nächste österreichische Trainer nach Meister-Coach „Little Dombi“ Kohn 1932, der einen großen Titel nach München holt. Jahrzehntelang fließt Wiener Blut in unseren Adern.

Hier, im Augsburger Schnee, beginnt also Bayerns Weg zum Rekord-Pokalsieger. Mittlerweile steht der Klub bei 21 Triumphen. Von Rudi Jobsts drittem Versuch bis zu Harry Kanes Hattrick im Berliner Finale 2026: eine Pokal-Dynastie, geboren mit eiskalten Haxen.

Noch eine Augsburger Geschichte: Gerd Müller 1970 als Schiri bei einem Frauen-Benefizspiel des FC Augsburg.
Noch eine Augsburger Geschichte: Gerd Müller 1970 als Schiri bei einem Frauen-Benefizspiel des FC Augsburg. | © Imago

1983: 30.000 statt 1.000 – die Rosenau platzt aus allen Nähten

26 Jahre später kommt Bayern wieder zum Pokal nach Augsburg. Der FCA ist gerade aus der 2. Liga in die Bayernliga abgestiegen. Zu normalen Heimspielen kommen oft nur 1.000 oder 2.000 Leute. Dann rollt der Bundesliga-Tabellenführer an – mit Comeback-Trainer Udo Lattek auf der Bank, mit den Superstars Jean-Marie Pfaff, Klaus Augenthaler, Sören Lerby und Karl-Heinz Rummenigge. Plötzlich strömen 30.000 in die Rosenau.

Pokalsieger 1983 in Augsburg: Kalle Rummenigge, Jean-Marie Pfaff, Klaus Augenthaler & Co.
Pokalsieger 1983 in Augsburg: Kalle Rummenigge, Jean-Marie Pfaff, Klaus Augenthaler & Co. | © Imago

Eine Halbzeit lang ist der David frech. Nur 0:1, die Augsburger kämpfen, die Bayern wirken beinahe verwundert, wie mühsam die Angelegenheit ist. Hansi Pflügler hat vor der Pause getroffen. Dann wird aus dem Pokalspiel doch noch Klassenkampf: Scheppe Kraus doppelt, Kalle Rummenigge einmal, Reinhold Mathy doppelt – 0:6.

Für Augsburg sportlich eine Watschn, finanziell ein Feiertag. Die volle Rosenau spült Geld in die klamme Kasse. Und der FC Bayern? Holt am Saisonende zum siebten Mal den Pokal – aber erst, nachdem die Hürde FCA übersprungen ist.

2014: Mölders macht Pep zum Verlierer

Sprung in die Fußball-Neuzeit. 5. April 2014 – und der FC Bayern ist der früheste Meister der Bundesliga-Geschichte. Vier Tage später wartet in der Champions League Manchester United. Pep Guardiola rotiert, als hätte er am Morgen die Lostrommel angeworfen. Arjen Robben, Franck Ribéry und Philipp Lahm sind gar nicht dabei. Mitch Weiser, Pierre Emile Højbjerg und der Österreicher Ylli Sallahi beginnen.

Pep-Besieger Sascha Mölders feiert 2014 in der FCA-Fankurve.
Pep-Besieger Sascha Mölders feiert 2014 in der FCA-Fankurve. | © Imago

Die Bayern nicht mit der 1a-Elf am Start: Kein Wunder, dass Augsburg Beute wittert. Sascha Mölders, die spätere „Wunder-Wampe“ der Löwen, trifft in der 31. Minute trocken zum 1:0. David Alaba hämmert später nur an den Pfosten. Feierabend.

Damit schreddert der FCA eine Monster-Serie: 53 Bundesligaspiele war Bayern ungeschlagen. Für Guardiola ist es die erste Niederlage überhaupt in der Bundesliga. Dass seine Youngster schuld seien, weist Pep zurück: „Das wäre ein großer, großer Fehler.“ Augsburg sei einfach „ein bisschen besser“ gewesen.

An Leidenschaft hat es Pep 2014 in Augsburg nicht gefehlt – aber dieses eine Mal an Spielglück.
An Leidenschaft hat es Pep 2014 in Augsburg nicht gefehlt – aber dieses eine Mal an Spielglück. | © Imago

Vier Tage später schlägt Bayern Manchester United 3:1. Aber Peps weiße Liga-Weste hängt seitdem im FCA-Schrank.

2015 bis 2026: Rekord-Lewy, Manu-Kopfball und Serienkiller

Ab jetzt wird das Nachbarschaftsduell regelmäßig zum Fußball-Irrenhaus. 2015 fliegt Neuer-Vertreter Pepe Reina in München nach 13 Minuten wegen einer Notbremse vom Platz. Paul Verhaegh setzt den Elfmeter gegen den eingewechselten Manuel Neuer an den Pfosten, Augsburg gewinnt trotzdem. Raúl Bobadilla entscheidet die Partie mit der Hacke. Ein 0:1 – ebenso frech wie gekonnt vom FCA. „Schlag den Schwab“: Gar nicht so einfach für den Nachbarn aus München.

Ein Tor mehr als der Bomber: Robert Lewandowski feiert 2021 gegen den FCA Rekordtor Nummer 41.
Ein Tor mehr als der Bomber: Robert Lewandowski feiert 2021 gegen den FCA Rekordtor Nummer 41. | © Imago

2021 schreibt zur Abwechslung der FC Bayern gegen den FCA Geschichte. Robert Lewandowski jagt Gerd Müllers ewige 40-Tore-Marke, 89 Minuten lang vergeblich. Dann lässt der Augsburger Keeper Rafał Gikiewicz den Ball nach vorne prallen, Lewy staubt ab: Nummer 41. „Es ist ein wahnsinniges Gefühl“, jubelt er. Rekord mit der praktisch letzten Aktion der Saison.

2022 folgt der nächste Augsburg-Krimi. Mergim Berisha trifft zum 1:0, Bayern wirft am Ende alles nach vorne. Wirklich alles: Manuel Neuer steigt in der Nachspielzeit bei einer Ecke hoch und köpft gefährlich aufs Tor. Gikiewicz hält. Wenn Neuer schon Mittelstürmer spielen muss, ist definitiv Augsburg-Tag. Schluss, aus, 1:0 – der Dreier für die Augsburger Kisten-Truppe.

Mittelstürmer Manuel – aber auch Strafraum-Schreck Neuer rettet den Punkt 2022 nicht mehr.
Mittelstürmer Manuel – aber auch Strafraum-Schreck Neuer rettet den Punkt 2022 nicht mehr. | © Imago

Im Januar 2026 wird aus dem FCA endgültig Bayerns Serienkiller. Vincent Kompanys Mannschaft ist 27 Ligaspiele ungeschlagen – und hat nach 18 Spieltagen die beste Bilanz der Bundesliga-Geschichte. Hiroki Ito bringt Bayern sogar in Führung. Dann drehen Arthur Chaves und Han-Noah Massengo das Spiel: 1:2. Der FCA einmal mehr vor dem FCB, nicht nur alphabetisch.

An Tagen wie diesen wie 2026 gegen den FC Augsburg hilft nicht mal Harry-Kane-Magie.
An Tagen wie diesen wie 2026 gegen den FC Augsburg hilft nicht mal Harry-Kane-Magie. | © Imago

Schon 2014 hatte Augsburg die 53er-Serie beerdigt, jetzt fällt auch die zweitlängste. Vincent Kompany bedauert: „Wir haben in der zweiten Halbzeit die Energie nicht mehr auf den Platz gebracht.“

Die Fortsetzung folgt am Samstag, 15.30 Uhr, in der Augsburger WWK Arena. Ob’s diesmal klappt mit dem Nachbarn? #FCAFCB (oder andersrum) – es ist das Spiel, bei dem alles passieren kann. Alles, und noch viel mehr.

Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“

Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.

In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent!

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