präsentiert von
Menü
Robust und 'maximal ebenerdig'

Der Ball beim FCB rollt künftig auf Hybridrasen

Es brummt, es rattert, es zischt - so hört es sich an, wenn die Säbener Straße fit gemacht wird für die neue Saison. Seit eineinhalb Wochen kriechen drei Lkw-große Zelte in langen Bahnen über den Trainingsplatz Nr. eins. Zentimeter für Zentimeter arbeiten sie sich vor, zischen, rattern, brummen. Wenn sie ihre Arbeit getan haben, wird der Übungsplatz der FCB-Profis über eines der weltweit innovativsten Rasensysteme verfügen: einen Hybridrasen der Marke Desso GrassMaster.

Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Naturrasen und Kunststofffasern, wobei die künstlichen Halme nur drei Prozent der Gesamtfläche ausmachen. An der Säbener Straße befinden sich die Arbeiten daran in der Endphase, in der Allianz Arena sind sie bereits abgeschlossen. „Diese Hybridrasensysteme haben in England ihren Siegeszug begonnen. Über 50 Prozent der Stadien sind damit ausgestattet“, berichtet Jürgen Muth, der Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion GmbH.

Deutlich strapazierfähiger und wasserdurchlässiger wird das neue Grün über die ganze Saison möglichst gleichbleibende Spieleigenschaften bieten. Zudem hat es auch „sportliche Vorteile“, weil es „maximal ebenerdig“ ist, wie Muth erklärt. „Die Ebenerdigkeit kommt dem technisch anspruchsvollen Spiel, wie es der FC Bayern praktiziert, entgegen.“ Die Bälle werden noch exakter ihre Bahn halten, ein Verspringen wird es kaum mehr geben, auch weil im Spiel keine großen Stücke mehr herausgetreten werden.

CL-Sieg auf Hybridrasen

Der FC Bayern hat in der jüngeren Vergangenheit jede Menge guter Erfahrungen auf Hybridrasen gesammelt. Der Champions-League-Triumph im Londoner Wembley-Stadion 2013, in der letzten Saison das 2:0 beim FC Arsenal, das 3:1 bei Manchester City und das 6:1 in Wolfsburg - alles Erfolge, die auf dem neuen Rasensystem eingefahren wurden. Die Volkswagen-Arena in Wolfsburg war bislang als einziges Bundesliga-Stadion mit Hybridrasen ausgestattet, jetzt kommt die Allianz Arena hinzu.

„Wir gehen fest davon aus, dass das System fünf, sechs, vielleicht sogar acht oder zehn Jahre hält“, sagt Muth. „Wichtig ist, dass wir das Naturgras jedes Jahr komplett regenerieren werden, das heißt, wir werden das Altgras abfräsen und neu ansäen.“ Die Kunstfasern bleiben dabei erhalten. Auch auf dem Einser an der Säbener Straße wird der Naturrasen künftig nach der Saison erneuert.

Riesige Nähmaschinen

Im Moment befindet sich hier der Hybridrasen aber noch im Aufbau. Schon Ende Mai hatten Bagger, Planierraupen und Traktoren den alten Rasen ab-, eine neue Erdschicht aufgetragen und einen neuen Rasen angesät. Nachdem das erste Grün gesprossen war, rückten die drei computergesteuerten Zelte an. In ihnen verbirgt sich je eine riesige Nähmaschine, die mit langen Nadeln im Abstand von zwei mal zwei Zentimetern die grünen Kunststofffasern 18 bis 20 Zentimeter tief in die Erde steckt. Oben stehen ca. 15 bis 20 Millimeter aus dem Boden heraus. Zwei, drei Millimeter darüber wird künftig der Naturrasen gemäht.

Noch bis nächste Woche dauert die Implantation der insgesamt ca. 20 Millionen Kunstfasern, dann bekommt der Platz drei Wochen Ruhe, damit sich die Naturgraswurzeln mit den künstlichen Halmen verbinden können. Danach werden Philipp Lahm, Arjen Robben & Co. ihre ersten Pässe auf dem neuen Grün schlagen.

Weitere Inhalte