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50 Jahre Bundesliga

Aufstiegs-Serie, Teil 5: Die Aufstiegsrunde

26. Juni 1965, 17:42 Uhr, Abpfiff im Berliner Olympiastadion, der FC Bayern besiegt Tennis Borussia Berlin mit 8:0 - jetzt ist es perfekt: Der FC Bayern ist in die Bundesliga aufgestiegen! Endlich!

An diesem Freitag jährt sich der Aufstieg zum 50. Mal. Anlässlich des Jubiläums blickt fcbayern.de in einer fünfteiligen Serie zurück auf die Zeit, als die jungen Wilden des FC Bayern sich aufmachten, den Fußball zu erobern. In Deutschland und der ganzen Welt.

Teil 5 der Aufstiegsserie: Die Aufstiegsrunde

„Mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen zogen wir 1965 in die Aufstiegsrunde“, erzählte Franz Beckenbauer rückblickend. Wie ein Jahr zuvor gingen die Münchner als Favorit in ihrer Gruppe an den Start. Die Gegner hießen Tennis Borussia Berlin (Meister der Regionalliga Berlin), 1. FC Saarbrücken (Meister der Regionalliga Südwest) und Alemannia Aachen (Vizemeister der Regionalliga West).

29. Mai 1965: FC Bayern - Tennis Borussia Berlin 2:0 (1:0)

Bei Dauerregen kamen 20.000 Zuschauer ins Grünwalder Stadion und sahen einen imponierenden FC Bayern. Die Cajkovski-Elf war den Berlinern in allen Belangen überlegen und gewann hochverdient dank zweier Tore von Gerd Müller (15., 64. Minute). In der Tabelle bedeutete dies Platz eins.

Für Bayern spielten: Maier - Kunstwadl, Olk - Drescher, Beckenbauer, Kupferschmidt - Nafziger, Ohlhauser, Müller, Grosser, Brenninger

5. Juni 1965: 1. FC Saarbrücken - FC Bayern 1:0 (1:0)

Unaufhörlich berannten die Bayern das Tor der Gastgeber. Doch das war wie vernagelt. Ein halbes Dutzend sogenannter 100-prozentiger Chancen ist für die Bayern überliefert, doch Saarbrückens Torwart Dieter Haßdenteufel ließ Ohlhauser, Müller & Co. verzweifeln. Auf der anderen Seite hatten die Gastgeber einen Konter, den Torjäger Emil Poklitar (43.) zum mehr als schmeichelhaften 1:0-Sieg nutzte. Nach dem Spiel erlitt FCB-Geschäftsführer Walter Fembeck eine Herzattacke. Würden die Münchner wie im Jahr zuvor den Aufstieg verspielen? In der Tabelle übernahm Aachen (3) Platz eins vor den Bayern (2) - sechs Tage später trafen beide direkt aufeinander.

Für Bayern spielten: Maier - Kunstwadl, Olk - Drescher, Beckenbauer, Kupferschmidt - Nafziger, Ohlhauser, Müller, Grosser, Brenninger

13. Juni 1965: FC Bayern - Alemannia Aachen 2:1 (1:0)

Die Bayern behielten die Nerven - in einem nervenaufreibenden Spiel gegen Aachen. Die Gäste verschanzten sich im Grünwalder Stadion in der Defensive, es gab kaum ein Durchkommen. Beinahe wäre Aachen sogar in Führung gegangen, aber Alfred Glenskis Schuss (16.) prallte von der Unterkante der Latte zurück ins Spielfeld. Kurz vor der Pause bediente schließlich Franz Beckenbauer Müller, der zum 1:0 traf (40.). Nach der Pause der Schock: Glenski nutzte einen Eckball zum Ausgleich (58.). Danach bestürmten die Bayern umso mehr das gegnerische Tor - und sieben Minuten vor dem Schlusspfiff erlöste Ohlhauser die 42.000 Zuschauer mit einem Volleyschuss zum 2:1 (83.). Puh! Der FCB (4) führte die Tabelle wieder an, vor Aachen (3) und Berlin (3).

Für Bayern spielten: Maier - Kunstwadl, Olk - Drescher, Beckenbauer, Kupferschmidt - Nafziger, Ohlhauser, Müller, Koulmann, Brenninger

16. Juni 1965: Alemannia Aachen - FC Bayern 1:1 (0:1)

Schon drei Tage nach dem knappen Sieg in München traten die Bayern auf dem Aachener Tivoli an. Die Gastgeber mussten und wollten unbedingt gewinnen und setzten die Münchner unter Druck. Doch das junge FCB-Team erwies sich als erstaunlich reif, Ohlhauser nutzte einen Abwehrfehler der Alemannia zum 1:0 (32.). Erst nach dem Ausgleich kurz nach der Pause durch Franz-Josef Nacken (46.) gerieten die Münchner ins Schwimmen. Mit Glück - drei Mal klärte ein Bayer auf der Torlinie - und Sepp Maier sicherten sich die Bayern einen wichtigen Punkt. Die Tabelle: FC Bayern (5), Aachen (4), Saarbrücken (4), Berlin (3).

Für Bayern spielten: Maier - Kunstwadl, Olk - Grosser, Beckenbauer, Borutta - Nafziger, Drescher, Ohlhauser, Müller, Brenninger

19. Juni 1965: FC Bayern - 1. FC Saarbrücken 5:0 (1:0)

Die 45.000 Zuschauer im Grünwalder Stadion hatten das unglückliche 0:1 aus dem Hinspiel noch im Kopf, als beide Mannschaften an einem schwülwarmen Tag aufliefen. Es spielte wieder fast nur der FC Bayern - und war diesmal auch vor dem Tor nicht mehr aufzuhalten. Dank Ohlhauser (5.) führten die Münchner zur Pause mit 1:0, danach brachen Nafziger (57.), Beckenbauer (58.) und Müller (63.) mit drei Toren in sieben Minuten endgültig den Bann. Müller sorgte mit seinem zweiten Treffer (73.) für den Endstand. „Selbst mit zwei Torhütern hätten wir die Schlappe nicht verhindern können“, sagte Saarbrückens Trainer Jupp Derwall. Und weiter: „Tschik, wir dürfen euch gratulieren. Diese von jugendlicher Freude und Schwung getragene Bayern-Elf ist die absolut beste unserer Gruppe. Diese Bayern spielen einen bezaubernden Fußball, sie wären zweifellos eine Bereicherung für die Bundesliga.“ Cajkovski trat aber auf die Euphoriebremse: „Man darf uns nur zu diesem Spiel gratulieren, noch nicht zur Bundesliga.“ Mit nur einem Punkt Vorsprung auf Aachen (6) gingen die Bayern (7) ins letzte Aufstiegsspiel.

Für Bayern spielten: Maier - Kunstwadl, Olk - Grosser, Beckenbauer, Borutta - Nafziger, Müller, Ohlhauser, Drescher, Brenninger

26. Juni 1965: Tennis Borussia Berlin - FC Bayern 0:8 (0:3)

Vier Mal Ohlhauser (13., 16., 46., 88.), zwei Mal Nafziger (83., 85.), Müller (18.) und Dieter Brenninger (65.) - mit einem Torfestival ließen die Bayern im Berliner Olympiastadion keinen Zweifel am Bundesliga-Aufstieg aufkommen. Der Sieg hätte sogar noch höher ausfallen können. Wie entfesselt spielten die Münchner auf und bekamen von den 15.000 Zuschauern im Stadion Beifallsstürme, einzelne Fans stürmten noch während der Partie den Rasen. Um 17:42 Uhr pfiff Schiedsrichter Erwin Sturm die Partie ab - der Aufstieg war perfekt!

Für Bayern spielten: Maier - Kunstwadl, Olk - Grosser, Beckenbauer, Borutta - Nafziger, Müller, Ohlhauser, Drescher, Brenninger

Flughafen, Nockherberg, Tegernsee

Bei der Rückkehr nach München wurden die Bayern von 6.000 Anhängern am Flughafen Riem empfangen. „Die begeisterten Fans durchbrachen die Sperren am Rollfeld“, erinnert sich Beckenbauer in seiner Autobiographie „Gentleman am Ball“. In der FCB-Chronik zum 70-jährigen Jubiläum heißt es: „Wie ein Gewitter entlud sich der Jubel um die Mannschaft, die sich endlich dort befand, wo sie schon 1963 hingehörte - in der höchsten Spielklasse.“

Gefeiert wurde im Salvatorkeller auf dem Nockherberg. „Nach zwei, drei Stunden war jeder von uns so fertig, dass er nur noch ins Bett wollte“, erzählte Werner Olk. Zum Abschluss der Feierlichkeiten löste Wilhelm Neudecker noch ein Versprechen ein. „Wenn wir in die Bundesliga kommen, marschiere ich rund um den Tegernsee“, hatte der FCB-Präsident während der Aufstiegsrunde angekündigt. Am 10. Juli begleiteten ihn schließlich mehr als 500 Bayern-Fans auf der 27,5 Kilometer langen Strecke. Bundesliga, wir kommen!

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