präsentiert von
Suchen Fill-1
Menü
Interview

Perišić: „30 ist doch gar nicht alt!“

Increase font size Schriftgröße

Ivan Perisic verließ Kroatien mit 17, um die Welt zu sehen. Seitdem kickte er in vier Ligen und wurde mit dem Finaleinzug 2018 zum WM-Helden. Dass er gerne unterschätzt wird, spornt ihn bloß an. Nur in der Champions League hat er noch Nachholbedarf. Darum kam er zum FC Bayern. „Ich bin bereit“, sagt er im Gespräch mit „51“ (das ausführliche Interview lesen Sie im Mitgliedermagazin des FC Bayern).

Das Interview mit Ivan Perišić

Du hast mit 17 Jahren deine Heimat verlassen und bist nach Frankreich gegangen. Der FC Bayern ist dein siebter Verein als Profi. Fällt es dir eigentlich noch schwer, dich in einer neuen Kultur zurechtzufinden?
„Das ist nie einfach. Mir ist es wichtig, meine Frau und meine beiden Kinder dabei zu haben, obwohl ein Wechsel ohne Kinder einfacher ist, weil du auch mal länger im Hotel bleiben kannst. Jetzt hat mein Sohn so viel Energie. Ich bin froh, dass wir schnell ein Haus gefunden haben."

Kennst du eigentlich den deutschen Begriff „Wandervogel“?
„Nein, aber ich verstehe, was gemeint ist. Früher habe ich immer spätestens alle zwei, drei Jahre den Verein gewechselt. Die vier Jahre zuletzt bei Inter Mailand sind mein Rekord. Ich mochte es einfach nicht, länger als drei, vier Jahre in einem Verein zu bleiben. Mein Ziel war es immer, viele Länder kennenzulernen, viele Sprachen zu lernen und mich in vielen Ligen auszuprobieren. Heute spreche ich vier Sprachen – nicht so schlecht, oder?"

Der FCB ist traditionell ein Verein, den die Spieler nicht so schnell verlassen. Karl-Heinz Rummenigge sagte kürzlich, bei dir könne er sich ebenfalls gut ein längeres Engagement vorstellen.
„Ich halte das auch für möglich. Bis jetzt ist alles positiv in München, privat und sportlich. Ich habe jetzt erstmal einen Leihvertrag über ein Jahr. Anschließend gibt es eine Kaufoption. Ich gehe einfach Schritt für Schritt, von Tag zu Tag. Dann schauen wir mal."

Bevor du nach Mailand gingst, hast du für Dortmund und Wolfsburg gespielt. Wie hat sich die Bundesliga in den vier Jahren deiner Abwesenheit verändert?
„Ich finde, das Niveau in der Bundesliga ist jetzt noch besser als vor vier Jahren. Es gibt hier viele gute Spieler, das Tempo ist noch höher geworden, die Stadien sind sowieso immer voll."

Du hast mal gesagt, dass du oft unterschätzt wurdest. Ist es auch deine Motivation, es allen beweisen zu wollen?
„Ich habe leider nie eine besonders gute Beziehung zu den Medien gehabt. Weil ich es einfach nicht mag, meinen Kopf jeden Tag in der Zeitung zu sehen. Das ist nicht mein Ding. Wenn du als Fußballer so tickst, hast du keine große Lobby. Als ich jetzt zu Bayern gekommen bin, hieß es: Er ist schon 30 und bestimmt nicht mehr der Frischeste. Aber das ist mir egal. Der Fußballplatz ist der einzige Ort, an dem ich meine Antworten gebe. Nur da zählt es."

Ivan Perišić
„Wenn du im Fußball etwas gewinnen willst, musst du laufen. Ohne geht es nicht."

Es kommt nicht oft vor, dass Spieler mit 30 Jahren noch zum FC Bayern wechseln.
„Jede Mannschaft braucht auch Spieler mit einer gewissen Erfahrung, genauso wie junge Spieler und ein paar dazwischen. Bei Bayern haben wir diesen Mix. Und: 30 ist doch gar nicht alt! Ich fühle mich gut. Mein Plan ist es, noch sieben, acht Jahre zu spielen. Bis jetzt (er klopft drei Mal auf den Holztisch, Anm. d. Red.) hatte ich nie größere Verletzungsprobleme. Hoffentlich geht das so weiter."

Es gibt Bilder von dir bei einem Tennis-Turnier mit dem US-Open-Sieger Marin Cilic, es gibt Bilder bei einem internationalen Beachvolleyball-Event – warst du von klein auf ein sportlicher Tausendsassa?
„In meiner Familie wurde schon immer viel Sport gemacht. Fußball, Handball, Basketball ... Irgendwann bin ich nach Hause gekommen und habe gesagt: Ich mache weiter mit Fußball – und das war nicht die schlechteste Entscheidung, denke ich. Wir haben auf der Straße gespielt, am Strand, überall. Ich denke, das war die beste Zeit meines Lebens. Das haben die Kinder heute leider verloren. Sie sitzen lieber zuhause und spielen auf dem Tablet. Draußen sieht man nicht mehr so viele Kinder. Ich finde das nicht gut."

Bei der WM im letzten Jahr bist du 72,5 Kilometer gelaufen – mehr als jeder andere Spieler.
(lächelt) „Wenn du im Fußball etwas gewinnen willst, musst du laufen. Ohne geht es nicht. Ich bin schon immer viel gelaufen. Der Unterschied zu früher ist, dass ich jetzt besser weiß, wohin ich laufen muss. Die Zeit in Italien hat mich da noch einmal weitergebracht."

Vor der WM hat deine Mutter vom Finale zwischen Kroatien und Frankreich geträumt – träumt sie jetzt von einem Champions League-Finale des FC Bayern?
(lacht) „Ich hätte nichts dagegen. Für mich wäre es auf jeden Fall ein Traum, in der Champions League weit zu kommen. Ich war bei zwei Weltmeisterschaften, bei einer Europameisterschaft – aber dieser Schritt in der Champions League, diese Erfahrung fehlt mir noch. Bei meinem Debüt 2011 mit Dortmund habe ich gleich gegen Arsenal getroffen, aber bisher war für mich immer in der Vorrunde Schluss. Da ist jetzt mit dem FC Bayern definitiv mehr möglich. Ich bin bereit."

Der FC Bayern ist nach Dortmund und Wolfsburg dein dritter Klub in Deutschland. Ist die Bundesliga deine Herzensliga?
„Als kleiner Junge habe ich alle großen Ligen im Fernsehen verfolgt, auch die Bundesliga. Es war mein Traum, irgendwann in diesen Ligen zu spielen. Die Bundesliga war dann meine erste Station, hier habe ich meinen ersten großen Karriereschritt gemacht. Jetzt will ich mit Bayern so viele Titel wie möglich gewinnen.“ 

Ist Deutschland auch ein bisschen Heimat für dich geworden?
„Deutschland hat schon einen besonderen Platz in meinem Herzen. Mein Sohn ist in Dortmund geboren, meine Tochter in Wolfsburg. Sie sind also beide Deutsche. Vielleicht bekomme ich ja jetzt noch ein drittes Kind in München." (lacht)

Auf deiner rechten Wade trägts du die Kirche deines Heimatorts Omiš als Tattoo, auch Brügge und das WM-Turnier in Russland sind dort verewigt – planst du, dir auch ein Münchner Motiv zu stechen?
„Omiš ist meine Stadt, meine Heimat. Dazu habe ich mein ganzes Fußballleben tätowiert. Manchmal ein Motiv der Stadt, manchmal des Vereins. Für meine Münchner Zeit suche ich noch etwas Passendes."

Weitere Inhalte