
Karl-Heinz Rummenigge richtete seinen Dank direkt an Uli Hoeneß: „Ich hatte in dir den perfekten Lehrmeister. Schon als Neuzugang zu Spielerzeiten, als wir uns das Zimmer geteilt haben. Und später, in unserer zweiten Karriere hinter den Kulissen, konnte ich wieder von dir lernen.“ Zu Beginn seiner Rede am Freitagabend brachte es Rummenigge auf den Punkt: „Diese Jahreshauptversammlung bedeutet eine große Veränderung in der Geschichte unseres Vereins.“ Der Rückzug von Hoeneß ist für den FC Bayern das Ende einer äußerst erfolgreichen Ära.

Zunächst blickte Rummenigge auf der JHV aber auf das Sportliche des vergangenen Jahres zurück. Trotz eines zwischenzeitlichen neun Punkte Rückstandes auf Borussia Dortmund durfte der FC Bayern im Mai die siebte Deutsche Meisterschaft in Folge feiern. „Der extreme Wille und starke Charakter unserer Mannschaft hat einmal mehr den Ausschlag gegeben“, sagte Rummenigge, der das Meisterschaftsfinale „emotional und spannend wie lange nicht“ betitelte. Eine Woche nach dem 5:1 gegen Eintracht Frankfurt am letzten Bundesligaspieltag gelang mit einem 3:0 über RB Leipzig auch der Gewinn des DFB-Pokals und somit das zwölfte Double der Vereinsgeschichte. Weniger zufrieden zeigte sich der Vorstandschef mit dem Abschneiden in der Champions League, in der die Bayern im Achtelfinale am späteren Titelgewinner FC Liverpool scheiterten. „In dieser Saison wollen wir es besser machen, das ist der Anspruch des FC Bayern“, so der ehemalige Weltklassestürmer.
Standing Ovations für Ribéry und Robben
Auch den Spielern, die den FCB im Sommer verlassen haben dankte Rummenigge. Die anwesenden Franck Ribéry und Arjen Robben erhielten Standing Ovations. „Franck und Arjen haben eine Dekade lang den FC Bayern geprägt und waren maßgeblicher Teil der erfolgreichsten Zeit in der Geschichte des Vereins“, huldigte Rummenigge dem kongenialen Duo. Der im Sommer eingeleitete Umbruch sei dem FC Bayern sehr gut gelungen: „Wir haben unseren Kader weiter auf höchstem Niveau verjüngt.“ Maßgeblich daran beteiligt war Sportdirektor Hasan Salihamidžić, der zum 1. Juli 2020 zum Sportvorstand berufen werden soll. „Er hat Visionen für die Entwicklung der Mannschaft. Ich bin überzeugt, dass er in Zukunft noch großartige Erfolge mit dem FC Bayern feiern wird“, so Rummenigge.

Nach dem durchwachsenen Start in die neue Spielzeit folgte vor zwei Wochen die einvernehmliche Trennung von Trainer Kovač. „Ich möchte mich noch einmal ausdrücklich bei Niko, sowie seinem Bruder Robert, für ihre Arbeit, insbesondere für den Gewinn des Doubles, bedanken. Wir wünschen beiden auf ihrem weiteren Weg viel Erfolg“, meinte Rummenigge unter dem Applaus der anwesenden Mitglieder. Hansi Flick übernahm den Trainer-Posten. Die beiden Siege gegen Olympiakos Piräus (2:0) und im Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund (4:0) stimmen den Vorstandsvorsitzenden optimistisch: „Das war der FC Bayern, so wie wir ihn sehen, kennen und lieben wollen.“ Rummenigge gab bekannt, dass Flick mindestens bis zur Winterpause Trainer des deutschen Rekordmeisters bleiben werde. Gleichzeitig mahnte er jedoch auch: „Wir sind nicht über Nacht in den Schlamassel geraten und es ist wichtig, dass wir nach den erfolgreichen Spielen gegen Olympiakos und Borussia Dortmund nachlegen.“
Der Vorstandschef betonte auch die hervorragende Entwicklung der Nachwuchsabteilung. Insbesondere der Aufstieg der Amateure in die 3. Liga war enorm wichtig. „Die dritthöchste deutsche Spielklasse ist der ideale Boden, auf dem unsere Talente unter Profi-Bedingungen reifen können.“ Darüber hinaus zeigte sich Rummenigge auch mit den Leistungen der Frauen-Mannschaften „erneut sehr zufrieden.“
Die soziale Verantwortung des Clubs
In seiner Rede widmetet sich der 64-Jährige auch dem Thema Nachhaltigkeit. So gibt es die Vision, dass die Allianz Arena „einmal komplett klimaneutral betrieben werden kann.“ Dazu werden demnächst auch Photovoltaik-Anlage in Betrieb genommen und das Thema Elektromobilität angegangen. Darüber hinaus unterstrich Rummenigge die Bedeutung der sozialen Verantwortung des Clubs, der der FCB durch zahlreiche Aktionen nachkommt. Unter anderem die Ausstellung „verehrt – verfolgt – vergessen“ im Holocaust-Museums von Los Angeles. „Vergangenheit mahnt. Gegenwart erinnert. Zukunft verpflichtet. Wir sind nicht verantwortlich für das, was passiert ist. Aber wir sind verantwortlich dafür, dass es nicht vergessen wird – und dass es nie wieder passiert“, so Rummenigge.

Für die Zukunft sieht der Vorstandsvorsitzende den Verein bestens aufgestellt. Oliver Kahn wird ab dem 1. Januar neues Vorstandsmitglied. „Oliver wird uns bereichern. Wir werden gut zusammenarbeiten und ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, so Rummenigge, der in Herbert Hainer den idealen Nachfolger für Hoeneß als Präsident sieht: „Ich bin sicher, mit dieser großen Persönlichkeit an der Spitze braucht sich um die Zukunft unseres FC Bayern keiner Sorgen machen.“
Zum Abschluss seiner Rede richtete Rummenigge noch einmal das Wort an Hoeneß. Neben der herausragenden wirtschaftlichen Entwicklung des FC Bayern in den vergangenen Jahrzehnten hob der Vorstandschef insbesondere die Verdienste Hoeneß‘ um die Philosophie des Clubs hervor. „Weitaus mehr wert ist, dass du unserem Verein ein Gesicht gegeben hast, das den FC Bayern von all den anderen Top-Klubs auf der Welt abhebt“, so Rummenigge. „Du, lieber Uli, hast diese Mia-san-Mia-Maschinerie am Laufen gehalten wie kein anderer. Es gibt zwei Dinge, die uns beide immer vereint haben und immer vereinen werden. Die Liebe zum Fußball und das Wohl und Wehe des FC Bayern.“ Bevor Rummenigge Hoeneß als Abschieds-Geschenk einen Bildband von dessen Karriere überreichte beendete er seine Rede mit den Worten „Wir waren und werden es immer sein: Deine Familie. Mia san Uli.“
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