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Interview

Neuer: „Nicht mit der Keule, nur mit Feingefühl“

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Als Kapitän des FC Bayern steht Manuel Neuer (Foto © by Fritz Beck) für Siege in der Gegenwart – und die große Geschichte des Vereins. In unserem Interview spricht der Torwart über Bayern-Dusel, Halbzeit-Ansprachen und Chancen in Krisenzeiten (das komplette Gespräch in unserem Mitglieder-Magazin „51“).

Das Interview mit Manuel Neuer

Der FC Bayern wird im Februar 120 Jahre alt. Wie wirkt sich die Historie vor allem auf neue Spieler aus? Schüchtert das ein? Oder spürt man vielmehr die Verpflichtung, Erfolg zu haben?
„Man merkt relativ schnell, dass es beim FC Bayern anders zugeht als bei anderen Vereinen. Gewinnen kann hier für die Öffentlichkeit schnell zur Normalität werden, aber für uns ist das harte Arbeit. Ich sehe das vollkommen anders, was viele seit Jahrzehnten für den legendären „Bayern-Dusel“ halten. Für mich ist es der unbedingte Glaube daran, ein Spiel bis zum Abpfiff immer noch drehen zu können. Dieser Glaube, dieses Selbstverständnis, gehört zum Verein und seiner Tradition.“

Foto © by Fritz Beck

In der Hinrunde lief jedoch auch nicht alles rund beim FC Bayern. Das 1:5 gegen Frankfurt, die Entlassung von Niko Kovac – warst du hier in deiner Rolle als Führungsspieler besonders gefordert?
Als Kapitän ist man immer gefordert, frühzeitig Bewegungen zu erkennen und darauf zu reagieren – nicht nur in negativen Phasen, sondern erst recht, wenn es gut läuft. Wenn wir verlieren, wird ohnehin über unsere Fehler gesprochen, intern wie extern. Aber um sich immer weiter zu verbessern, muss man auch nach Siegen die unangenehmen Details ansprechen. Ein gutes Beispiel hierfür ist unser 7:2 aus der Hinrunde bei Tottenham. Dass wir da nach einer halben Stunde genauso gut 0:3 hätten hinten liegen können – darüber spricht und schreibt dann anschließend kaum einer.“

In unserer Kapitäns-Historie gab es zahlreiche Leitwölfe, die ihr Image als Alphatier auch öffentlich pflegten. Du galtst bisher eher als ruhiger, diplomatischer Kapitän. Hat sich daran etwas geändert?
„Ich habe mich nicht verändert, aber über die Jahre viel hinzugelernt. Was sich geändert hat, ist das Mannschaftsgefüge im modernen Fußball als solches. Früher gab es ganz klare Rangordnungen, heute sind es eher flache Hierarchien, in denen jeder seine Meinung äußern kann. Ich bin diesen Weg mitgegangen und versuche, die Mannschaft mitzunehmen.“

Trittst du intern anders auf als in der Öffentlichkeit?
Nein, ich bin ein sachlicher Typ. Natürlich sage ich deutlich meine Meinung, das wird auch von meiner Position verlangt, aber ich attackiere nie jemanden und stelle ihn in den Senkel. Wenn ich zum Beispiel in der Halbzeit Dinge anspreche, die mir aufgefallen sind, hilft es uns allen nichts, wenn ich jemanden heftig kritisiere. Ich versuche, dass alle die Köpfe oben haben, wenn es wieder raus geht, dass sie befreit weiterspielen können. Das geht nicht mit der Keule, sondern nur mit Feingefühl.“

Hast du jemals einen Ratgeber für Führungskräfte gelesen?
Nein, das nicht. Aber ich interessiere mich sehr für Dinge wie Gruppenmanagement und Teamführung. Ich bin immer mit offenen Augen herumgelaufen, habe mir viel von älteren Spielern im Klub und der Nationalmannschaft abgeschaut.“

„Wir sind in allen Wettbewerben voll dabei“ - Torhüter Manuel Neuer hat noch viel vor in dieser Saison mit dem FC Bayern.

Die neue Spielergeneration ist fast halb so alt wie du. Wie gehst du mit deren Meinung um?
Mich interessiert es, wie junge Spieler den Fußball sehen, was sie von einem Kapitän erwarten, wie sie sich innerhalb der Mannschaft einbringen. Bestes Beispiel hierfür ist Alphonso Davies. Er ist innerhalb des Teams sehr präsent, mündig, überall gerne gesehen. Man unterhält sich einfach gerne mit ihm – und es wäre schade, wenn er nicht zu Wort käme, so wie es früher wohl der Fall gewesen wäre. Aber: Es kommt immer zunächst auf die Leistung an, die muss stimmen.“

Was erhoffst du dir von der zweiten Saisonhälfte? Ist ein Jahr, in dem der Kapitän des FC Bayern keinen Pokal in die Himmel reckt, ein verlorenes Jahr?
Grundsätzlich wäre ein Jahr ohne Titel für einen ambitionierten Klub wie den FC Bayern immer ein verlorenes Jahr, allerdings gibt es auch Ausnahmen: Nach den drei zweiten Plätzen 2012 sind wir enorm motiviert in die nächste Saison gegangen und haben das Triple gewonnen. Für mich stellt sich diese Frage aber ohnehin nicht, weil wir in allen Wettbewerben voll dabei sind.“

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