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Porträt

Matthias Luttenberger: Die einzigartige Rolle des Esports-Trainers

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Ende 2019 gründete der FC Bayern eine eigene Esports-Mannschaft, die sich im Videospiel eFootball PES mit zahlreichen anderen Fußballclubs misst. Als einziger Club in der eFootball.pro League, hat der FCB zusätzlich zu seinen drei Spielern auch einen Trainer verpflichtet: Matthias Luttenberger. fcbayern.com stellt Euch den Esports-Coach näher vor… 

Matthias Luttenberger ist derzeit ein gefragter Mann. Durch den weitgehenden Stillstand des Sports, ist das virtuelle Pendant vermehrt in den Fokus gerückt und somit auch die eFootball-PES-Mannschaft des FC Bayern. „Man bekommt vermehrt Interview-, Podcast- oder Talk-Anfragen und merkt, dass in dieser Zeit das Interesse am Esports wesentlich größer geworden ist“, sagt der österreichische Bayern-Trainer Luttenberger, der in der Vergangenheit als aktiver PES-Spieler selbst schon Vize-Welt- und Europameister wurde. Zwar ruht momentan auch der Ligabetrieb der Gamer, aber mit Online-Events können die Fans weiterhin unterhalten werden. 

Von der Analyse bis zur Organisation 

Das Esports-Team des FC Bayern: Trainer Matthias Luttenberger, Miguel Mestre, José Sánchez und Alex Alguacil (v. l.).

Normalerweise besteht die Hauptaufgabe des 32-jährigen FCB-Trainers darin, die drei Bayern-Profis José Sánchez, Miguel Mestre und Alex Alguacil bestens auf das nächste Spiel vorzubereiten. Doch auch sonst kommen auf Luttenberger als Coach viele Aufgaben zu. „Ich bin vor allem die Schnittstelle zwischen Spieler und Verein.“ Die Organisation der Trainingseinheiten und Freundschaftsspiele übernimmt ebenfalls der Österreicher: „Ich versuche Gegner zu finden, mit denen wir uns duellieren können. Dazu kommt die Videoanalyse für den kommenden Gegner. Die fällt aktuell zwar ein wenig flach, aber wir bearbeiten das Videomaterial aus der Liga weiterhin fleißig. Sollte der Betrieb weitergehen, haben wir unsere Hausaufgaben gemacht.“ 

Drei Spanier und ein Österreicher 

Luttenberger hat das Team auch während der Spiele stets im Blick.

Die Team-Zusammenstellung aus drei spanischen Spielern und einem deutschsprachigen Trainer führt dazu, dass die „offizielle“ Teamsprache Englisch ist. „Während des Spiels sprechen die Jungs natürlich Spanisch miteinander. Nur wenn ich bei Unterbrechungen oder in wichtigen Situationen etwas anmerken muss, funke ich kurz mal dazwischen“, erklärt Luttenberger, der seine Einwürfe während des Spiels aber auf ein Minimum beschränkt: „Für die Jungs ist es im Spiel natürlich stressig, zwischen den Sprachen zu wechseln. Es ist ein Vorteil, dass sie in ihrer Muttersprache miteinander kommunizieren können, weil im Spiel oft schon Millisekunden entscheidend sein können.“ Ein Eingriff während des Spiels wäre sowieso nur äußerst selten notwendig, weil er mit der Mannschaft immer schon vorab den Spielplan für alle möglichen Situationen ganz genau bespricht. 

Die Liebe zur Taktik 

Früher griff Luttenberger selbst regelmäßig zum Controller und machte sich über die Jahre einen Namen in der eFootball-PES-Szene. „PES war in der Jugend von Beginn an mein Lieblings-Fußballspiel, damals hieß es sogar noch International Soccer Stars.“ Im Laufe der Jahre wechselte Luttenberger zwischen verschiedenen Fußball-Videospielen, doch am Ende blieb er bei Pro Evolution Soccer. „Der größte Unterschied ist der taktische Tiefgang. Mir hat es schon immer gefallen, dass man die taktischen Veränderungen auch sofort auf dem Platz sieht. Da ich auch immer sehr taktikinteressiert war und gerne rumgetüftelt habe, hat mir PES deshalb mehr Spaß gemacht.“ 

Vom Spieler zum Trainer 

Bei seinem Amtsantritt wurde der langjährige Bayern-Fan Luttenberger von Stürmer-Legende Giovane Élber empfangen.

Aufgrund seiner Vita mit Silber bei der PES-EM und WM war anfangs auch ein Engagement als Spieler im Esports-Team des FC Bayern ein Thema. „Ich war zu Beginn des Projekts als erster Außenstehender mit dabei. Da konnte ich dann meine Erfahrung ganz gut einbringen. Also beispielsweise wie die Community tickt oder welche Spieler das Format für den FC Bayern besitzen. So war dann meine Stelle als Trainer recht schnell gesichert“, erzählt Luttenberger. Im Training seiner Mannschaft spielt er nicht mit, da sich das Team auf den 3-gegen-3-Modus konzentriert. „Ich begleite das Ganze eher von außen. Im Herbst habe ich aber sehr viele Einzelspiele gemacht, um die Spielmechanik besser zu verstehen.“  Noch ist die Trainerrolle von Luttenberger in der eFootball.pro League einzigartig, aber das dürfte sich bald ändern. „Der PES-Esports wächst jetzt immer mehr in eine professionelle Struktur. Da merkt man, wie alles Schritt für Schritt weiter geht. In Zukunft ist das für viele weitere Teams sicherlich ein Thema, nächste Saison wird es bestimmt mehr Trainer geben.“ 

Daheim mit anpacken 

Neben seinem Engagement beim FC Bayern, packt Luttenberger noch im Familienunternehmen mit an. In seiner Heimatgemeinde Paldau, in der Nähe von Graz, vertreibt die Firma seines Vaters Kaffee- und Snackautomaten. „Eigentlich mache ich alles. Da wir ein kleines Unternehmen mit drei Mitarbeitern sind, gehört vom Maschinen-Service, über Social Media bis hin zur Buchhaltung alles zu meinen Aufgaben.“ Schritt für Schritt ist jetzt aber der Esports in den Fokus gerückt: „PES ist mittlerweile wirklich meine Arbeit, aber trotzdem auch meine Leidenschaft. Es ist ein Traum. Als sich damals die Chance beim FC Bayern ergab, konnte ich nicht nein sagen. So eine Möglichkeit kommt nicht nochmal. Es ist derzeit enorm intensiv, aber ich mache es sehr gerne.“ 

Luttenberger ist in der neusten Folge des FC Bayern Podcasts zu Gast. Dort stand er Moderatorin Jacqueline Belle Rede und Antwort. Hier findet Ihr die aktuelle Podcast-Folge:

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