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Porträt

Bayerns Zauberfuß aus São Paulo - Paulo Sérgio im Porträt

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Es war ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben, an jenem 23. Mai 2001 im Mailänder San-Siro-Stadion. Alles war angerichtet für ein großes Fußballfest in der Opera del Calcio, wo der FC Bayern und der FC Valencia um den silbernen Champions-League-Pokal kämpften. In einem denkwürdigen Finale setzten sich die Bayern erst im Elfmeterschießen durch und gewannen erstmals seit 1976 wieder die wichtigste Trophäe im europäischen Vereinsfußball. Und mittendrin im kollektiven Münchner Jubel war auch Paulo Sérgio, der den begehrten Henkelpott in den Mailänder Nachthimmel reckte.

Zum Weinen schön: In einem denkwürdigen Finale sichert sich der FC Bayern 2001 den Champions-League-Titel. Paulo Sérgio ist zu Tränen gerührt und freut sich mit Giovane Èlber, Bixente Lizarazu und Willy Sagnol..

CL-Sieg 2001 „sehr emotional“

„Das war immer mein Ziel, die Champions League zu gewinnen“, sagte Sérgio, der nach dem verlorenen CL-Finale der Bayern 1999 in Barcelona vom AS Rom nach München wechselte. „Das war für mich ein wichtiger Moment, weil es immer mein Wunsch war, Champions League zu spielen. Wir haben es geschafft, 2001, nach 25 Jahren, wieder den Titel zu gewinnen. Das war sehr emotional. Wir haben so viel getan, um diesen Moment zu erreichen“, meinte Sérgio rückblickend.

Der Joker sticht: Neun Minuten nach seiner Einwechslung erzielt Sérgio in der 86. Minute den 1:0-Siegtreffer für die Bayern in Old Trafford.

Sérgio ebnet Weg ins Finale nach Mailand

Dass die Münchner überhaupt das Finale der Königsklasse bestreiten durften, lag auch am Brasilianer. Mit seinem späten Joker-Tor zum 1:0-Viertelfinalsieg bei Manchester United ebnete er den Weg von Old Trafford nach Mailand und damit letzten Endes auf Europas Fußball-Thron. Vier Tage zuvor hatten Sérgio und seine Mannschaftskollegen noch die denkwürdige Last-Minute-Meisterschaft in Hamburg eingefahren. „Das war eine super Zeit. In den drei Jahren haben wir alles gewonnen“, meinte Sérgio über seine Zeit in München.

Zurück zu den Wurzeln: Im Dezember 2019 besucht Sérgio mit den FC Bayern Legends seine Heimatstadt São Paulo und den Bolzplatz, wo seine Karriere begann.

Viele Stunden auf dem Bolzplatz

Geboren und aufgewachsen in der Millionenmetropole São Paulo zeichnete sich schon früh ab, wohin der Weg des kleinen Paulo führen sollte. Stundenlang verbrachte er seine Tage auf den Bolzplätzen seines Viertels. „Meine Eltern haben immer geschimpft, meine Tante hat geschimpft: ‚Wo bist du, Paulo? Wo warst du?' Ich war auf dem Platz, ein bisschen spielen“, lautete die Antwort des talentierten Offensivspielers. „Fußball war für mich immer die große Sache in meinem Leben.“ Mit 13 schloss er sich Corinthians an, mit 18 wurde er Profi und spielte insgesamt sechs Jahre in der heimischen Liga.

Willkommen in München! 1999 wechselt Sérgio von AS Rom zum FC Bayern. Auch Patrik Andersson und Michael Wiesinger sind neu im Kader von Trainer Ottmar Hitzfeld.

Leverkusen, Rom, Bayern

1993 wechselte er mit 24 Jahren in die Bundesliga zu Bayer 04 Leverkusen, wo er die Tradition junger, talentierter brasilianischer Spieler beim Werksclub fortsetzte. Nach vier Jahren im Rheinland und 121 Spielen (47 Tore) zog er 1997 weiter in die italienische Serie A zu AS Rom. Während seiner zweiten Saison bei der Roma kam das Angebot des FC Bayern in Person von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. „Ich habe sofort ‚Ja‘ gesagt – und dann habe ich den beiden nur die Hand gegeben und ‚klar‘ gesagt“, erinnert sich Sérgio.

34 Mal durfte Paulo Sérgio einen eigenen Treffer für den FC Bayern bejubeln, insgesamt bestritt er 125 Pflichtspiele für den Rekordmeister.

Sérgio schlägt Angebot aus Dortmund aus

„Paulo Sérgio passt optimal zu uns, von seiner Spielweise, von seiner Art. Er kann rechts, links und ganz vorne eingesetzt werden“, urteilte Hoeneß über den Neuzugang. Nur eine Woche später machte auch Borussia Dortmund Sérgio ein Angebot, „bei dem sie doppelt so viel zahlen wollten wie Bayern“. Doch der Angreifer blieb standhaft. „Ich habe ihnen gesagt: Ich habe mein Wort gegeben und ich habe meine Hand gegeben und deshalb gehe ich nach München.“

Double-Sieger 2000. Zwei Wochen nach dem Erfolg im DFB-Pokal gegen Werder Bremen sichert sich der FC Bayern im letzten Heimspiel gegen die Hanseaten auch die Meisterschaft. In beiden Spielen trifft Sérgio für die Münchner. 

Krönung WM-Titel 1994

Eine gute Entscheidung, denn an der Säbener Straße feierte der damals 30-Jährige in der Folgezeit seine größten Erfolge auf Vereinsebene: Champions League, Weltpokal, zwei Deutsche Meisterschaften (2000, 2001) und ein DFB-Pokalsieg (2000) zieren die Visitenkarte Sérgios. Hinzu kommen eine Meisterschaft in Brasilien mit Corinthians São Paulo (1990) und der WM-Sieg mit der Seleção 1994 in den USA. „Der größte Moment meiner Karriere. Nach 24 Jahren waren wir wieder Weltmeister - mit einer fantastischen Truppe. Ich danke Gott, dass wir Weltmeister geworden sind.“

Im September 1999 gelingt Sérgio mit einem artistischen Hacken-Tor der 2:1-Siegtreffer gegen PSV Eindhoven. Der Treffer wird zum Tor des Monats gewählt. 

Zwei Mal Torschütze des Monats beim FC Bayern

125 Pflichtspiele bestritt der gläubige Christ („Gott hat für mich viel getan und mir die richtigen Wege gezeigt, die ich gehen muss. Deswegen habe ich alles gewonnen“) in drei Spielzeiten für die Bayern und erzielte dabei 34 Tore. Zwei seiner Treffer wurden in der ARD-Sportschau zum „Tor des Monats“ gewählt: Im September 1999 zum 2:1-Sieg im CL-Gruppenspiel bei PSV Eindhoven sowie sein Hackentor im Mai 2000 zum 3:0 im spektakulären Titelfinale gegen Werder Bremen.

Fehlschuss ohne Folgen: Im CL-Finale gegen Valencia schießt Sérgio den ersten Elfmeter über das Tor. Am Ende kann der Brasilianer aber trotzdem jubeln.

Eingewechselt für das Elfmeterschießen

Doch zurück zum Finale von Mailand, da war doch was? Kurz vor Ende der Verlängerung kam Sérgio beim Stand von 1:1 ins Spiel, es ging ins Elfmeterschießen und dann das: Sérgio trat als erster FCB-Schütze an und schoss den Ball über das Tor. „Ich habe gesehen, dass der Torwart in die linke Ecke geht und habe kurzfristig meine Ecke gewechselt“, erklärte er hinterher seinen Fehlschuss. Dabei hatte ihn Trainer Ottmar Hitzfeld „extra kurz vor Schluss eingewechselt, weil er sagte, er sei ein sicherer Elfmeterschütze“, berichtete der damalige Kapitän Stefan Effenberg Jahre später mit einem Schmunzeln.

Für die FC Bayern Legends ist Sérgio noch immer regelmäßig im Einsatz. So wie hier im Mai 2019 im Laufduell mit Jaap Stam von den Manchester United Legends. 

Im Einsatz für die FC Bayern Legends

Aber das ist nur eine der vielen Anekdoten, über die Sérgio und seine einstigen Mitspieler bei den regelmäßigen Treffen der FC Bayern Legends emotional diskutieren und gemeinsam lachen. Was bleibt sind die gewonnenen Trophäen und zahlreichen Erinnerungen aus seinen drei Jahre beim FC Bayern. „Das ist der Verein, der mir die Hand gereicht hat - und dafür werde ich immer dankbar sein.“

Mit den FC Bayern Legends war Paulo Sérgio im Dezember 2019 in seiner Heimatstadt unterwegs. Die Highlights seht ihr hier 👇

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