„Der Respekt ist kontinuierlich gewachsen“

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Seit fast 25 Jahren ist Andreas Jung in der FCB-Führungsetage tätig. Im Interview spricht der Vorstand über das Geheimnis langer Partnerschaften und erz ählt, warum der FC Bayern bei den Auslosungen der Champions League inzwischen schon Kult ist. Das ausführliche Interview lesen Sie in unserem Mitgliedermagazin „51".

Herr Jung, Sie sind seit 1996 einer der Entscheidungsträger des FC Bayern, dennoch ist über Sie in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Halten Sie sich lieber im Hintergrund?
„Grundsätzlich ist der FC Bayern ein Sportverein, bei dem es um Emotionen geht, und die wecken die Sportler - die sind am wichtigsten. Wenn jeder beim FC Bayern seine Aufgaben erfüllt und das Zusammenspiel auch hinter den Kulissen optimal ist, ist das für mich Perfektion. Und dann geht es mir nicht darum, wer im Vordergrund oder im Hintergrund seinen Teil dazu beiträgt."

Sie haben im Bereich Sponsoring, Merchandising und Lizenzen angefangen. Damals fasste die Abteilung drei Mitarbeiter. Beschreiben Sie doch mal die Entwicklung!
„Damals entschied Uli Hoeneß: Wir überlassen unsere Vermarktung nicht mehr ausgelagerten Agenturen, wir machen das jetzt alles selbst! Das war richtungsweisend. Unsere Philosophie, die uns bis heute kennzeichnet und von anderen Top-Vereinen abhebt, ist, dass wir uns jedem Partner exklusiv und auf seine Interessen fokussiert zuwenden. Die Bindung ist so emotionaler, authentischer und wird intensiv gelebt. Das alles führt dazu, dass unsere Kooperationen in der Regel sehr langfristig laufen."

Wie sehr erschwert Corona die Situation?
„Es ist gerade jetzt wichtig, den Kontakt noch mehr zu leben als ohnehin schon. Man muss das Gespür füreinander behalten, zumal es ja immer im Interesse einer Partnerschaft ist, gemeinsam etwas zu entwickeln und zu wachsen. Corona stellt eine Mammutaufgabe dar, die wir als FC Bayern insgesamt nur im Zusammenspiel aller Direktionen lösen können. Bisher bewältigen wir diese Pandemie gut, wir lernen, noch besser unsere Ressourcen zu bündeln und zusammenzuhelfen. Das spüren unsere Partner. Dennoch hoffen wir natürlich alle auf eine baldige Normalisierung der Situation. Wir dürfen nicht hadern, sondern unsere Aufgabe ist es, uns der Situation zu stellen und Kreativität zu entwickeln. Wir schauen nach rechts, wir schauen nach links. Wir finden Wege aus der Krise."

Immer wichtiger wird das Schlagwort Nachhaltigkeit. Wie sehr widmet sich der FC Bayern diesem Thema?
„Wir arbeiten schon seit längerer Zeit an einer Nachhaltigkeitsstrategie. Unter anderem haben wir mit Studenten aus der ganzen Welt das Projekt 'The Mission' angestoßen, um Ideen zusammenzutragen, wie wir die Allianz Arena zu einem Leuchtturm machen. Das Ganze soll dann im Idealfall auch auf unser Vereinsgelände an der Säbener Straße, den FC Bayern Campus, den Audi Dome und später auf den SAP Garden übertragen werden. Wir wollen auch beim Aspekt Nachhaltigkeit ein Vorbild sein. Das ist ein weltweites Thema, für das wir mit Nachdruck sensibilisieren."

Sie sind der Vertreter des FC Bayern bei der Auslosung der Champions League. Aktuell finden diese Events coronabedingt zwar auch nur digital statt. Aber wie läuft es denn sonst so hinter den Kulissen ab?
„In den vergangenen Jahren konnte man merken, wie der Respekt vor dem FC Bayern noch einmal kontinuierlich gewachsen ist. Der Name FC Bayern hatte schon immer einen guten Klang, aber es hat sich noch einmal etwas verändert. Die anderen registrieren, wie sich dieser Verein entwickelt hat - und aus sportlicher Sicht höre ich heute im Grunde von jedem potenziellen Gegner durchgehend: ‚Ach, auf euch müssen wir jetzt noch nicht treffen - frühestens im Finale!'"

Was ist das Kurioseste, was Ihnen in diesem Rahmen je passiert ist?
„Eine Geschichte wiederholt sich kurioserweise, seitdem ich dabei bin: Es gibt vormittags immer eine Probeauslosung - und wir haben am Ende nie gegen ein Team gespielt, das wir schon beim Test bekommen haben. Inzwischen erkundige ich mich vorher nach den Probeergebnissen, und dann sagen die UEFA-Leute immer: „Ihr werdet sicher nicht auf dieses oder jenes Team treffen, weil die Proben bei euch nie Realität werden." Das hat sich herumgesprochen, das ist fast schon Kult."

(Fotos: Fritz Beck)

Das komplette Interview, eine Story über Robert Lewandowski und mehr gibt es in der aktuellen Ausgabe unseres Vereinsmagazins „51" (November 2020):


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