Martín Demichelis über Diego Maradona: „Ein wahrhaftiges Idol“

Text vorlesen
icon
Schrift vergrößern
icon

Der Weltfußball trauert um Diego Maradona, der am Mittwoch im Alter von 60 Jahren verstarb. Der Argentinier galt als einer der besten Fußballer aller Zeiten. Einer, der mit dem Weltmeister von 1986 zwei Jahre lang zusammenarbeitete, ist Martín Demichelis. Die Bayern-Legende spielte von 2008 bis 2010 unter Trainer Maradona für die argentinische Nationalmannschaft. Beide bestritten zusammen unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Demichelis, aktueller U19-Coach beim deutschen Rekordmeister, über seinen ehemaligen Nationaltrainer:

„Es fällt mir sehr schwer, Worte zu finden. Seitdem ich am Mittwoch diese Nachricht erhalten habe, bin ich voller Trauer. Diego war für mich, sowie für Millionen von Argentiniern, ein wahrhaftiges Idol. Ein Idol in einer Zeit, in der es keine Telefone, moderne Technologien und soziale Netzwerke gab, in der Argentinien einen Krieg verlor und versuchte, ein Land auf die Beine zu stellen. Mit einem simplen Ball hat er ein ganzes Land verändert und geprägt."

Das erste Treffen

An das erste Aufeinandertreffen mit der Fußball-Legende erinnert sich Micho, wie Demichelis häufig genannt wird, noch genau: „Wie das Leben so will, wurde ich Profifußballer und hatte die Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Ich erinnere mich an viele Dinge, wie das erste Mal, als wir uns trafen. Ich war in einem Restaurant, er saß an einem anderen Tisch. Alle Leute warfen sich buchstäblich auf ihn. Im ersten Moment dachte ich, es sei schwierig, so zu essen. Plötzlich kam Diego auf meinen Tisch zu, um Hallo zu sagen. Er meinte: ‚Micho, dies ist das letzte Mal, dass wir am selben Ort sind und du mich nicht begrüßt.' Das war 2005, als ich schon Spieler bei Bayern war."

„Als er 2008 zum Trainer der argentinischen Nationalmannschaft ernannt wurde, flog er als erstes nach Barcelona, ​​um mit Lionel Messi zu sprechen, und nahm sich dann die Zeit, nach München zu kommen, um mich näher kennenzulernen. Dann spielte Argentinien ein Länderspiel gegen Deutschland in München (3. März 2010, Anm. d. Red.). Ich habe mir in dieser Partie schwere Gesichtsverletzungen zugezogen und musste in derselben Nacht noch operiert werden. Am nächsten Tag kam Diego, ohne etwas zu sagen, in die Klinik, um mit mir zu sprechen. Das war Diego, ein unvergleichlicher Anführer. Ich habe nie gesehen, dass ein anderer Mensch die Welt so in seinen Bann gezogen hat wie er."

Maradona und der FC Bayern

Demichelis kann sich auch an viele gemeinsame Gespräche über den FC Bayern erinnern. Maradona habe die Münchner sehr respektiert und so sprachen sie zum Beispiel über Bayern-Legenden wie Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Lothar Matthäus oder Sepp Maier. „Ich weiß, dass in seinem großen Herzen ein kleiner Platz für die Bayern war. Es gibt einen Satz eines argentinischen Schriftstellers, der es perfekt zusammenfasst: Es ist mir egal, was Diego mit seinem Leben gemacht hat, aber was er mit meinem gemacht hat, ist wichtig."

Gegen Deutschland mit Jérôme Boateng bei der Weltmeisterschaft 2010: Martín Demichelis und Diego Maradona.

Demichelis: „Heute schmerzt meine Seele und Traurigkeit dringt in mich ein, ein Teil des Fußballs ist gestorben, ein Teil unserer Leidenschaft. Ich hoffe, er kann in Frieden ruhen. Obwohl Diego ewig ist, werden wir ihn für immer vermissen. Für Argentinier ist die Umarmung sehr repräsentativ, aber wenn Diego jemanden umarmte, fühlte es sich echt an. Deshalb von meiner Seite eine echte Umarmung und vor allem: DANKE."


Themen dieses Artikels

Diesen Artikel teilen