Wacker: „Unser Ziel ist es, nah an unseren Fans zu bleiben“

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Nach dem Triple ist vor dem Triple: Das Corona-Jahr 2020 hat den FC Bayern gefordert -- und der Klub hat alles gemeistert. Die Messlatte für die nächsten Monate ist nun hoch. Worauf kommt es 2021 an? Unsere Führungsfiguren schauen in der neusten Ausgabe des Vereinsmagazins „51" nach vorne. Im fünften von sieben Teilen sprachen wir mit Jörg Wacker, Vorstand für Internationalisierung und Strategie.

Das Interview mit Jörg Wacker

2021 wird Corona die Welt weiter beschäftigen -- welchen Einfluss hat das auf die internationalen Bestrebungen des FC Bayern?
Wacker: „Diese Pandemie hat noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, lokale Strukturen vor Ort zu haben. Deshalb sind wir mit unseren Standorten in New York und Shanghai bereits sehr gut aufgestellt. Unser Büro in New York ist seit September wieder teilweise besetzt, die weiteren Mitarbeiter arbeiten mobil. In China sind wir schon drei Schritte weiter und konnten im Dezember sogar eine „Trophy Tour" mit allen Pokalen durchführen. Diese Pandemie wird die Welt nicht auseinanderreißen -- und der FC Bayern wird eine globale Marke mit Fans rund um den Globus bleiben."

Die „Audi Summer Tour" in China musste 2020 abgesagt werden, daraus entstand die innovative „Digital Summer Tour". Planen Sie aktuell zweigleisig?
„Leider konnten wir 2020 aus verständlichen Gründen keine Summer Tour umsetzen. Es ist wichtig zu verstehen, dass eine Tour lediglich das Highlight unserer vielschichtigen internationalen Aktivitäten ist. Wir hoffen, bald wieder eine Tour durchzuführen, müssen aber realistisch bleiben. Covid-19 wird uns noch lange beschäftigen, und die Belastung für die Spieler ist in dieser Saison so hoch wie noch nie. Daher tun wir gut daran, für 2021 zweigleisig zu fahren und erneut mit unserem Partner Audi eine digitale Summer Tour zu planen. Diese soll noch innovativer werden, obwohl wir bereits im Sommer weltweit der erste Klub waren, der einen so kreativen Weg gegangen ist. Unser Ziel ist es, gerade während Corona und trotz der räumlichen Distanz nah an unseren Fans zu bleiben. In Zukunft können digitale Formate eine Tour auch noch intensiver begleiten oder generell verlängern -- und die Inhalte der globalen Fan-Basis permanent leichter zugänglich gemacht werden. Neue Technologien werden helfen, die Marke FC Bayern weltweit noch erlebbarer zu machen, uns somit noch enger mit unseren Fans zu verbinden und neue Fans auf unseren Klub aufmerksam zu machen."

Südostasien ist für die nahe Zukunft neben China und den USA ein neuer Fokusmarkt des FC Bayern. Wie identifizieren Sie neue Märkte?
„Um zu bewerten, was für uns attraktiv ist, schauen wir uns zunächst etwa 30 Kennzahlen an, um die Märkte daten- und faktenbasiert zu verstehen. Neben der Wirtschafts- beziehungsweise Kaufkraft und der Präsenz unserer globalen Partner gehören hierzu auch das allgemeine Fußballinteresse, das Interesse am FC Bayern, die TV-Präsenz der Bundesliga sowie infrastrukturelle Faktoren. In Südostasien leben über 600 Millionen Menschen, und das Fußballinteresse ist genauso hoch wie in Europa. Außerdem wird die Region bis 2030 der viertgrößte Wirtschaftsraum der Welt sein -- nach Nordamerika, der EU und China. Wir sehen dort großes Potenzial."

Hat sich die weltweite Pandemie negativ auf die Merchandising-Einnahmen ausgewirkt?
„Natürlich hat uns Corona auch im Merchandising getroffen, vor allem in den Stores, die wir mehrfach behördlich schließen mussten. Durch das Triple konnten wir aber eine extrem hohe Aufmerksamkeit weltweit erzielen, diesen Schwung werden wir definitiv ins neue Jahr mitnehmen. Und im Dezember haben wir mit Eröffnung der „FC Bayern World" neue Maßstäbe gesetzt, auch davon werden wir profitieren. Da wir zudem bereits seit März den Fokus in unseren Online-Vertriebskanälen intensiviert haben, können wir die Fans weltweit mit einem eigenen Online-Store und über unseren Store auf Amazon bestens bedienen. Unsere Entwicklung im E-Commerce ist top und stimmt uns zuversichtlich für die Zukunft -- genau wie der gesamte Merchandising-Bereich."

Titelillustration: David Diehl.

Im vierten Teil von "Die großen Fragen" kam der Marketingvorstand Andreas Jung zu Wort:


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