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Trainer Hansi Flick im Interview

„Wettkampfhärte ist bei dieser Mannschaft ein schöner Begriff“

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Hansi Flick hat mit seinem Team historische Erfolge gefeiert. Was steckt dahinter? Im Interview lässt der Cheftrainer das Superjahr des FC Bayern Revue passieren. Das ausführliche Interview lesen Sie in unserem Mitgliedermagazin „51“.

Herr Flick, Thomas Müller findet Sie mutig, weil Sie vom ersten Tag an beim FC Bayern nie auf Nummer sicher gegangen sind. Hat er recht?
„Für mich hat sich diese Frage, auf Nummer sicher zu gehen, tatsächlich nie gestellt. Ich wusste, diese Mannschaft hat in der Offensive eine enorme Qualität, und ich war immer ein Freund davon, den Gegner früh unter Druck zu setzen. Unsere Spieler haben da inzwischen ein Urvertrauen in sich selbst entwickelt. Über die Zeit hat sich etwas sehr Schönes entwickelt.“

Karl-Heinz Rummenigge sagt: „Ich würde diesen Stil, den wir heute spielen, den FC Bayern-Stil nennen.“ Gibt es ein größeres Kompliment als das vom Vorstandsvorsitzenden?
„Wenn er das so sagt und so empfindet, freut mich das auf jeden Fall. Mein Standpunkt ist, dass der FC Bayern eine klare DNA braucht, und die wollen mein Trainerteam und ich den Spielern vermitteln. Diese DNA sollte nicht nur unmittelbar im Spiel zu erkennen sein, sondern auch in der Jugendarbeit, im Scouting, in allen Bereichen. Ich finde, gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass ersichtlich ist, wofür der FC Bayern steht: Ballbesitz, dominant sein, offensiv auf Tore spielen. So entwickelt sich das Positionsprofil auch für jeden einzelnen Spieler.“

Sportvorstand Hasan Salihamidzic lobt, Sie verstehen es, „die ganze Mannschaft auf ein Ziel einzuschwören. Bei ihm besteht ein Team nicht aus elf Spielern, sondern aus 22, 23, 24. Dazu hat er eine klare fußballerische Vorstellung, die er konsequent umsetzt.“ War Ihre Ansprache vor dem Finale in Lissabon eigentlich die schwerste oder die leichteste?
„Wir hatten uns zuvor Gedanken gemacht, wie wir uns bei jedem Spieler bedanken können – denn egal, wie das Spiel ausgegangen wäre, es war schon bis dahin eine großartige Leistung von allen. Wir haben bei den Familien der Spieler um Videos gebeten und einen sehr emotionalen Clip zusammenschneiden lassen. Als ich den Film vorab sehen konnte, hatte ich Gänsehaut. Und als wir den Clip dann vor dem Spiel gemeinsam angeschaut haben, hatten einige feuchte Augen.“

Herr Flick, haben Sie bei Ihren Spielern Verständnis für alles?
„Nein. Ich habe Verständnis für vieles – aber vor allem bei einem Punkt gibt es bei mir eine klare Grenze: Es geht immer um die Qualität. Wenn ich nicht permanent für den Extrameter bereit bin, habe ich beim FC Bayern nichts zu suchen. Und ich habe kein Verständnis dafür, wenn das jemand nicht begreift. Wir brauchen hier keinen Spieler, der immer nur so hoch springt, wie er springen muss. Die Einstellung muss sein, sich jeden Tag verbessern zu wollen. Aber genau das sehe ich in dieser Mannschaft bei jeder Kleinigkeit: Schon beim Fußballtennis im Training will keiner verlieren. Ich finde, Wettkampfhärte ist ein schöner Begriff, wenn man über diese Mannschaft spricht. Unsere Spieler sind da, wenn sie da sein müssen. Jeder bei uns weiß: Ich bin hier beim FC Bayern, ich arbeite beim FC Bayern, da geht es ums Gewinnen, um Meisterschaften, um Titel. Es wird viel verlangt, du musst immer bereit sein. Der Fokus in diesem Team ist da.“ 

Was bleibt bei Ihnen von 2020 im Rückspiegel eigentlich mehr hängen: Corona oder das Triple?
„Ich finde es schwer, die Dinge dieses Jahr zu trennen. So geht es vermutlich jedem, wenn er auf 2020 zurückschaut. Bei mir ist da die Freude über unseren ungeheuren Erfolg, den die Mannschaft, der Trainer-Staff, der ganze Verein geschafft hat – aber da ist natürlich auch diese Pandemie, die das Leben und den Alltag von uns allen massiv verändert hat. Soll man jetzt traurig sein, wütend, verbittert? Ich denke, wir haben alle viel aus einer Situation lernen müssen, die wir nie erwartet hätten. Und dieser Prozess dauert an. Erst die Tage habe ich im Fernsehen die Weltkarte gesehen – da war praktisch alles rot markiert wegen der Infektionszahlen. Vor dem Hintergrund dieser speziellen Pandemie-Situation ist die Leistung unserer Mannschaft etwas ganz Besonderes gewesen. Wir haben uns der Herausforderung gestellt, und genau so muss es im Leben sein.“

(Fotos: Julian Baumann)

Das komplette Interview, exklusive Schnappschüsse vom Champions League-Triumph, einen bunten Jahresrückblick​​​​ und mehr gibt es in der aktuellen Ausgabe unseres Vereinsmagazins „51“ (Dezember  2020):

Hansi Flick steht zur Wahl als Trainer des Jahres. Mit eurer Stimme könnt ihr ihm zu dieser Auszeichnung verhelfen: 

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