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Ein Jahr ohne Zuschauer

Uli Hoeneß: „Unsere Spieler haben eine persönliche Mission“

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Uli Hoeneß hat sich das erste Jahr nach seinem Abschied als FC Bayern-Präsident anders vorgestellt. Er wollte den Fußball als „erster Fan“ in der Allianz Arena einfach genießen. Dann kam Corona. Im Interview mit dem Mitgliedermagazin „51“ spricht der Ehrenpräsident über ein spezielles Jahr, für den Verein wie für ihn persönlich.

Herr Hoeneß, ein Jahr ohne Fans in der Allianz Arena: Haben Sie sich in all den Monaten je an diese (Nicht-)Kulisse gewöhnen können?
Nein. Weil der Sinn des Profisports ist, die Menschen zu unterhalten. Und diese wichtigste Aufgabe kann in diesen Zeiten nicht so erfüllt werden, wie wir uns das alle wünschen. Fußball lebt von seinen Fans und ihren Emotionen – beides ist in unseren Stadien zu Hause.“

Die Mannschaft hat allerdings alles dafür getan, um den Fans trotz Distanz Spaß zu bereiten …
„Das Kuriose ist tatsächlich, dass unsere Mannschaft seit dem vergangenen Frühjahr den schönsten Fußball seit Langem spielt, permanent auf Top-Niveau. Ich habe den Eindruck, unsere Spieler haben es zu ihrer persönlichen Mission gemacht, den Fans da draußen in dieser Pandemie besonders Freude zu bereiten. Das gelingt ihnen grandios.“

Offensichtlich ist die Bindung zwischen den Fans und dem FC Bayern trotz der Distanz weiterhin groß. Muss man an so einem Stichtag, ein Jahr ohne Zuschauer, auch mal besonders dankbar sein?
„Unbedingt. Wir sind sehr stolz und überglücklich über diesen enormen Zuspruch. Wir reden ja immer davon, dass der FC Bayern eine große Familie ist, und diesen Zusammenhalt haben wir in diesen zwölf Monaten immer spüren können.“

Joshua Kimmich und Robert Lewandowski sagen: Jetzt müssen wir die Champions League einfach noch mal mit Fans gewinnen …
(grinst) „Das ist ein sehr toller Ansatz. Ich bin von unseren Spielern sowieso tief beeindruckt. Sie haben einen unglaublichen Charakter.“

Hat Thomas Müller bei den Spielen ohne Zuschauer einmal mehr am besten gezeigt, wie man das Beste aus einer Situation macht?
„Ein Traum. Thomas Müller ist ein Traum. Es gab eine Phase, da haben viele ein bisschen an ihm gezweifelt, aber es war absolut richtig, fest an ihn zu glauben und darauf zu vertrauen, dass er wiedererstarkt. Thomas hat einen unvorstellbaren Charakter, und wir können unglaublich stolz sein, diesen Spieler bei uns beim FC Bayern zu haben. Es gibt kaum einen besseren Botschafter für unseren Verein, und auch für den gesamten deutschen Fußball ist er ein grandioser Botschafter. Wenn ich einen malen müsste, würde ich ihn malen.“

Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer würden ihn nach der Karriere gerne weiter beim FC Bayern sehen …
„Ich auch. Wenn er das will, sofort!“

Kommen die Fans wieder zurück ins Stadion?
„Ich bin sicher, dass sie wieder strömen werden. Wir benötigen ein stringentes, konsequentes Konzept. Der Zuschauer darf sich nicht fragen müssen, ob er seinen Nebenmann umarmen kann oder nicht. Wir müssen uns herantasten. Der deutsche Fußball hat bewiesen, was alles mit einem Hygienekonzept möglich ist. Der Kern jedes Rückkehrkonzepts muss immer sein: Die Gesundheit steht an erster Stelle. Man muss da gut vorbereitet und genau aufeinander abgestimmt sein.“

Manche sagen, der Fußball sei das letzte Lagerfeuer der Gesellschaft – wie groß ist die Gefahr, dass es erlischt?
„Es wird nicht ausgehen. Aber der Fußball muss sicher wieder mehr um die Menschen kämpfen, denn eines der größten Probleme dieser Pandemie ist, dass die Bolzplätze leer sind und das Vereinsleben an der Basis zum Erliegen gekommen ist. Der Fußball, der Sport allgemein, verliert leider aktuell an Boden, weil es weniger bis gar keine Möglichkeiten gibt, ihm aktiv nachzugehen. Die leeren Spielfelder tun sehr weh. Ich denke, dass das eine elementare Aufgabe der Sportverbände nach der Pandemie wird: die jungen Menschen zurück auf die Spielfelder zu holen. Das Erste sollte ein Aufbauprogramm sein, um die Menschen wieder aktiv in die Vereine zu bringen und passiv ins Stadion. In dieser Richtung würde ich mir beim DFB Bewegung wünschen.“

Wie wichtig ist es, dass die Allianz Arena neulich in Regenbogenfarben gestrahlt hat, um ein Zeichen für Toleranz zu setzen?
„Ich bin sicher, wenn der FC Bayern soziale Werte vorlebt, hat das Einfluss auf die Menschen. Ich habe immer gesagt, dass wir als FC Bayern in gesellschaftlichen Fragen Haltung zeigen müssen.“

Die FCB-Initiative „Rot gegen Rassismus“ feiert einjähriges Bestehen.
„Ich bin sehr glücklich, nicht nur darüber, dass wir diese Initiative gegründet haben, sondern auch darüber, wie sie in unserem Verein gelebt wird. Sie ist kein Lippenbekenntnis. Hinter dieser Initiative steht eine innere Überzeugung unseres Vereins, das sieht man allein daran, dass es keine Einmalaktion ist. Jeder auf der Welt muss wissen, dass der FC Bayern Rassismus und Diskriminierung jeder Art ins Abseits stellt.“

Fotos: Sima Dehgani

Das ausführliche Interview, ein Gespräch mit Lothar Matthäus und vieles mehr ist in der aktuellen Ausgabe des FC Bayern Mitgliedermagazins „51“.

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