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Lothar Matthäus feiert 60. Geburtstag

„Der FC Bayern spielt so attraktiv wie nie zuvor“

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Foto: Fritz Beck

Lothar Matthäus ist einer der größten deutschen Fußballer und war über viele Jahre auch eine wichtige Stütze des FC Bayern. Nun feiert der Weltmeister von 1990 seinen 60. Geburtstag. Im Interview mit dem Mitgliedermagazin „51“ erzählt er, wie er die aktuelle Münchner Mannschaft sieht, was ihm Fußball bedeutet - und warum er längst über die Greenkeeper-Affäre lachen kann.

Sieben Mal wurde Matthäus zwischen 1985 und 2000 Deutscher Meister mit dem FC Bayern, dazu zwei Mal DFB-Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Gewinner.

Das Interview mit Lothar Matthäus

Herr Matthäus, was bedeutet Ihnen Fußball?
„Leidenschaft. Emotion. Liebe. Der Fußball gehört zu meinem Leben wie Essen und Trinken. Ich durfte eine große Karriere erleben. Im Grunde in 58 meiner nun 60 Lebensjahre hat sich alles um Fußball gedreht, und das macht mich glücklich. Einmal Fußball, immer Fußball.“

Was ist Ihre Meinung zur aktuellen Bayern-Mannschaft, mit ihren sechs Titeln?
„Sie ist großartig - aber sie muss sich immer wieder aufs Neue beweisen, und das ist das Schöne an dieser Mannschaft: Diese Spieler wollen sich auch immer wieder beweisen, sie haben dieses Bayern-Gen wirklich in sich. Die DNA ist, sich niemals auszuruhen. Die 70er-Mannschaft habe ich im Fernsehen angeschaut, zu meiner Zeit hatten wir tolle Spieler, der FC Bayern war immer erfolgreich – aber in meinen Augen hat der FC Bayern noch nie so attraktiv gespielt wie in der vergangenen Saison. Der FC Barcelona hat mir früher mit dem Tiki-Taka-Stil gefallen, aber die heutige Geschwindigkeit des FC Bayern imponiert mir noch ein bisschen mehr. So wie sich der FC Bayern seit einiger Zeit präsentiert, ist das für den deutschen Fußball grandios.“

Auch im traditionellen roten Janker der FC Bayern Legenden macht Lothar Matthäus eine gute Figur.

Könnten Sie noch mitspielen – wie wäre das mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka an der Seite?
„Das wäre ein sehr interessantes Mittelfeld-Trio, das würde mich an meine beste Zeit bei Inter Mailand erinnern, als Gianfranco Matteoli auf der Sechs gespielt hat, Nicola Berti halb links und ich halb rechts mit allen Freiheiten zwischen den Strafräumen. Goretzka hat sich super entwickelt, und Kimmich ist einer meiner absoluten Lieblingsspieler, weil er schon in jungen Jahren Verantwortung übernimmt und auch neben dem Platz Klartext spricht, womit er sich selbst ab und zu unter Druck setzt, was ich gut finde.“

Erinnert Kimmich Sie an Sie selbst?
„In vielen Punkten, ja. Charakterlich auf jeden Fall. Spielerisch hat er vielleicht nicht meine Dynamik, er ist keiner für diese Läufe mit dem Ball, wie ich es war. Aber er ist auf zwei Positionen Weltklasse, das war ich nie. Und er spielt ungeheuer intelligente Bälle. Kimmich ist für mich der Vorzeige-Profi schlechthin, und ich traue ihm noch viel zu. Er wird in die Geschichtsbücher eingehen - nicht nur in die des FC Bayern, sondern in die des gesamten deutschen Fußballs.“

„Pflanzen haben bei mir gute Überlebenschancen“ - in der Allianz Arena stellte Matthäus seine Qualitäten als Greenkeeper unter Beweis | Foto: Fritz Beck

Sie haben sich als Spieler beim FC Bayern auch den einen oder anderen Schlagabtausch mit Figuren im eigenen Verein geliefert. Was war der heftigste Krach?
„Am meisten getroffen hat mich das Zitat von Uli nach meiner Karriere, dass ich beim FC Bayern nicht einmal Greenkeeper werden würde. Wir haben uns zu meiner aktiven Zeit öfter mal angeschrien, aber wir sind beide Menschen mit großem Herz, von daher kam es auch immer wieder schnell zur Versöhnung, weil wir ja wussten, dass wir eigentlich das gleiche Ziel haben. Über die Greenkeeper-Aussage können wir nun auch längst beide lachen. Uli hat mir erst jetzt wieder gesagt, dass ihm dieser Ausspruch schon am nächsten Tag leidgetan hat.“

Es heißt ja immer, den FC Bayern zeichnet eine spezielle Streitkultur aus - gehört das zum Erfolgsmix, dass man sich auch die Meinung geigen kann?
„Man sollte nie nachtragend sein. Es darf nichts hängen bleiben. Beim FC Bayern ist es immer so gewesen, dass man sich die Meinung gegeigt hat und danach wieder alles bereinigen konnte. Jeder gibt alles für den Erfolg, und wenn da Charakterköpfe aufeinandertreffen, kracht es einfach auch mal. Bei Bayern wird Tacheles geredet, das war immer eine große Stärke in diesem Klub.“

Apropos Greenkeeper-Affäre: Haben Sie eigentlich einen grünen Daumen?
„Ich frage im Blumengeschäft immer nach, was zu tun ist. Wenn ich Pflanzen bei mir zu Hause habe, schaue ich, wohin ich sie stellen muss und wie oft sie Wasser benötigen. Tulpen brauchen zum Beispiel kaltes, frisches Wasser. Pflanzen haben bei mir gute Überlebenschancen.“

60 Jahre Lothar Matthäus - was bedeutet Ihnen diese Zahl?
„Dass ich glücklich sein darf. Ich bin gesund, obwohl ich meinem Körper extrem viel abverlangt habe. Nach den schwersten Verletzungen bin ich zurückgekommen, das waren meine größten Siege, größer als jeder Titel, und ich habe noch mit 40 auf Top-Niveau gespielt. Ich bin sehr, sehr dankbar.“

Das ausführliche Interview gibt es in der aktuellen Ausgabe des Mitgliedermagazin „51“ zu lesen.

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