Vom Campus in die Bundesliga: Freiburgs Wooyeong Jeong im Interview

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Am Samstag erwartet der Tabellenführer aus München den drittplatzierten SC Freiburg zum Topspiel der Fußball-Bundesliga (15:30 Uhr) in der Allianz Arena. Ein Dauerbrenner beim Team von Christian Streich: Der 22-jährige Wooyeong Jeong, der in neun von zehn Saisonspielen (sechs Siege, vier Remis) in der Startelf stand und dabei drei Treffer erzielte. Woo , wie er schon zu seiner Zeit beim FC Bayern genannt wurde, kam 2018 aus Südkorea ins Nachwuchsleistungszentrum der Münchner, wo er für die U19 und die Amateure aktiv war. Nun feierte der 22-jährige Offensivspieler der Freiburger bereits sein Debüt für die südkoreanische A-Nationalmannschaft - vom Campus ging es also bis in die Nationalelf! „Ein Traum wurde war", erzählt Jeong im Interview mit fcbayern.com, in dem der bodenständige Stürmer immer wieder das Wort „lernen" benutzt. Hier erfahrt Ihr, wie Jeong seine Zeit in München und die aktuelle Form der Freiburger einschätzt:

Das Interview mit Wooyeong Jeong

Servus Woo, am Samstag trifft die beste Offensive auf die beste Defensive der Liga. Wer wird sich am Schluss durchsetzen?
Jeong: „Jeder freut sich, wenn es gegen Bayern geht. Das sind natürlich immer schwierige Spiele, aber wir sind gut drauf und werden versuchen zu gewinnen."

Du bist unumstrittener Stammspieler beim Tabellendritten der Bundesliga und aktuell gut drauf. Wie fühlst du dich vor deiner Rückkehr nach München?
„Als ich nach Freiburg gekommen bin, war eines meiner Ziele, einmal gegen Bayern zu spielen. Jetzt freue ich mich sehr auf das Duell. Der Start war schwierig für mich, aber aktuell läuft es sehr gut. Ich hoffe, ich kann meine Leistung auch gegen den FCB bringen."

Im Januar 2018 kamst du aus Südkorea in die U19 des FC Bayern. Wie schaust du heute auf deine Anfangszeit am FC Bayern Campus zurück?
„Das war eine sehr schöne Zeit für mich. Jeder träumt davon, einmal für Bayern zu spielen. Das ist eine große Mannschaft und ein einzigartiger Club."

Jeong lief im März 2019 auch einmal in der Bundesliga für die Profis des FC Bayern auf: Beim 5:1-Sieg in Mönchengladbach.

Hast du noch Kontakt mit ein paar Wegbegleitern aus deiner Bayern-Zeit?
„Ich bin allen Trainern, die ich hatte, dankbar - ob das Holger Seitz, Dirk Teschke oder Sebastian Hoeneß war. Am meisten Kontakt habe ich noch mit Herrn Teschke, wir schreiben regelmäßig. Aber auch mit Herrn Hoeneß schreibe ich noch über WhatsApp, wir sind ja jetzt beide in der Bundesliga. Auch mit vielen Spielern tausche ich mich noch regelmäßig aus. Ob Otschi Wriedt, Maxi Welzmüller oder Taylor Booth - da gibt es einige."

Welche Erinnerungen hast du an deine Zeit am FC Bayern Campus?
„Das Essen am Campus war super und sehr gesund (lacht). Und der Weg zum Athletikraum war sehr kurz, diese Flexibilität war klasse. Auch die Pädagogen am Campus haben mir sehr geholfen. Es war eine sehr schöne Zeit."

Du kamst aus Südkorea nach Deutschland, konntest kein Deutsch. Wie lief die Eingewöhnung am Campus ab?
„Die Umstellung war am Anfang sehr schwierig für mich. Das Training und auch das Essen zum Beispiel sind komplett anders hier. Ich habe viel gelernt in meiner Anfangszeit am Campus, das war eine schöne Erfahrung. Davon profitiere ich auch heute noch. Die Kulturen sind sehr unterschiedlich. Als Kollegen zum Beispiel Witze mit mir machen wollten, habe ich es am Anfang nicht verstanden. Aber jetzt verstehe ich alles." (lacht)

Jeongs „Highlight": Die sensationelle Drittliga-Meisterschaft als Aufsteiger im Juli 2020 in Kaiserslautern.

Warum konntest du dich 2019 in deinem ersten halben Jahr in Freiburg noch nicht durchsetzen?
„Zum Start beim SC habe ich nicht viel gespielt in der Bundesliga. Jetzt spüre ich das absolute Vertrauen des Trainers. Er spricht viel mit mir, das gibt mir Selbstvertrauen, auch wenn ich mal einen Fehler mache. Christian Streich hat eine super Mischung, manchmal ist er streng, manchmal ist er wie eine Vaterfigur. Bayern und Freiburg sind zwei komplett verschiedene Vereine. Ich habe immer alles gegeben, aber der Trainer forderte ein besseres Zweikampfverhalten von mir. Bei Bayern ging es weniger um Themen wie Balleroberung, sondern mehr um Offensivaktionen und fußballerische Lösungen. Früher habe ich mich bei Defensivduellen und beim Umschalten nach Ballverlust schwerer getan. Daran will ich weiterarbeiten."

Anfang 2020 kamst du per Leihe zurück zu den Amateuren. Am Saisonende habt ihr die Drittliga-Meisterschaft gefeiert: Wie wichtig war diese sehr erfolgreiche Zeit (1 Tor, 8 Assists in 15 Spielen) für dich persönlich?
„Sehr, sehr wichtig. Nachdem ich zu Beginn bei Freiburg nicht so viel gespielt hatte, wollte ich durch die Leihe wieder mehr Spielpraxis sammeln. Ich wusste aber, dass es nicht leicht wird, da bei den Amateuren alle jungen Talente der Bayern spielen. Sebastian Hoeneß hat gesagt, wenn ich so spiele, wie zu meiner vorherigen Zeit in München, stehe ich in der Startelf. Ich habe also viel Vertrauen bekommen und bin stolz, dass ich etwas zum Drittliga-Titel beitragen konnte. Das war das absolute Highlight in meiner Zeit bei Bayern."

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