Holger Seitz, Sportlicher Leiter des FC Bayern Campus, im Interview.

Seitz im Interview - Individuelle Entwicklung steht über Tabellenplatz

Text vorlesen
icon
Schrift vergrößern
icon

„Spieler für den Profifußball ausbilden." Dieses Ziel hat oberste Priorität am FC Bayern Campus, wie Holger Seitz im Interview immer wieder betont. Vor dem Bundesliga-Start der U19 und U17 am kommenden Wochenende spricht der Sportliche Leiter unter anderem über die Erwartungen an die Juniorenteams, die Ausbildungsphilosophie der Akademie und den neuen U17-Trainer Michael Hartmann.

Herr Seitz, am kommenden Wochenende starten unsere U19 und U17 in die neuen Junioren-Bundesliga-Saisons. Mit welchen Erwartungen schicken Sie beide Teams ins Rennen?
„Um diese Frage richtig beantworten zu können, möchte ich zunächst noch mal auf einen Prozess eingehen, den wir in den vergangenen Jahren angeschoben haben. Wir möchten unsere Toptalente früh nach oben schieben, sprich sie im Liga-Alltag auch mal gegen Ältere spielen lassen, um sie vor größere Herausforderungen zu stellen. Und wir wollen unsere U19 zukünftig eher als U18 auflaufen lassen und den älteren Jahrgang größtenteils schon in unseren Kader der Amateure stecken, um diese Spieler früher an den Männerfußball heranzuführen. Das hat letzte Saison auch dazu geführt, dass unsere A-Junioren in der Bundesliga tabellarisch nicht im oberen Bereich gelandet sind. Platz neun war unter anderem dem Fakt geschuldet, dass Trainer Danny Galm regelmäßig nur einen Bruchteil der Spieler aus unserem sehr starken 2003er-Jahrgang zur Verfügung hatte und dafür eine Reihe von jüngeren Spielern aus der U17 eingesetzt hat."

Holger Seitz
Die Bundesliga im Blick: Auch in dieser Saison stuft Holger Seitz die U19 eher als U18 ein.

Bedeutet das, dass die U19 auch in dieser Saison eher eine U18 ist?
„Ja, ich denke schon. Aktuell gehören nur noch vier Talente aus dem älteren 2004er Jahrgang zum Kader der A-Junioren. Justin Janitzek, Yusuf Kabadayi, Eyüp Aydin und Lucas Copado - alle noch spielberechtigt in der U19 - waren teilweise letzte Saison schon Stammspieler bei den Amateuren. Wir wollen noch mehr auf die individuelle Entwicklung unserer Spieler schauen und werden dabei keine Rücksicht auf die Tabelle nehmen - wobei natürlich eins auch klar ist: Als eine Mannschaft des FC Bayern willst du jedes Spiel gewinnen, egal in welcher Altersstufe. Wir wollen ja auch Gewinner ausbilden! Dennoch sind wir absolut davon überzeugt, dass wir mit dieser Ausbildungsphilosophie den größten Erfolg bei unserem sportlichen Hauptziel am Campus haben: Spieler für den Profifußball auszubilden."

Aktuell gehören sechs Spieler dem Profikader an, die größtenteils oder teilweise am Campus ausgebildet wurden. Insgesamt zehn Spieler, die in der letzten Saison für unsere U23 aufliefen, sind in den Profifußball gewechselt oder wurden ausgeliehen. Ist das ein nachhaltigerer Erfolg als eine Deutsche Meisterschaft mit der U17 oder U19?
„Ja, davon sind wir alle beim FC Bayern überzeugt. Was bringt ein Titel im Nachwuchsfußball, wenn die individuelle Entwicklung auf Kosten von Spielergebnissen hintenangestellt wird und es deswegen kein Spieler aus dieser Mannschaft später in den Profifußball schafft? Wir wollen Spieler am Leistungslimit und sehen Fehler als wichtigen Teil der Entwicklung. Selbstverständlich erringe ich auch im Nachwuchs eine deutsche Meisterschaft nur mit vielen guten Spielern in der Mannschaft. Wir werden im Einzelfall aber trotzdem dazu tendieren, ein Talent nach oben zu schieben oder auszuleihen, wenn wir davon überzeugt sind, dass dieser Schritt für seine Entwicklung zielführender ist. Es bestätigt unsere Arbeit, dass in der jüngeren Vergangenheit einige Campus-Talente bei unserer Profimannschaft Fuß gefasst haben. Darüber hinaus entwickeln sich einige Spieler prächtig bei ihren Leihstationen, wie beispielsweise Malik Tillman, der kürzlich die Glasgow Rangers mit seinem entscheidenden Tor in die Playoffs der UEFA Champions League geschossen hat."

Zitatgrafik_Seitz_neu

Was heißt das jetzt konkret für die kommende Saison in der U19-Bundesliga?
„Wir wollen jeden Spieler bestmöglich weiterentwickeln, ihn für den Sprung in den Männerfußball vorbereiten und am Ende in der Tabelle besser platziert sein als 2021/22."

In der U19 ist mit Danny Galm der Trainer gleichgeblieben. In der U17 ist der langjährige Berliner Nachwuchscoach Michael Hartmann von der Hertha-Akademie an den Campus gewechselt. Was erwarten Sie von ihm für die Zukunft?
„Michael hat sehr viel Erfahrung im Nachwuchsbereich vorzuweisen und hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er dazu in der Lage ist, Spieler weiterzuentwickeln. Das spiegelte sich auch in den Mannschaftsleistungen wider. Ich sehe ihn als absolute Verstärkung für unser Trainerteam am Campus, zumal er sich selbst langfristig in der Talententwicklung sieht und keine Ambitionen hegt, schnellstmöglich in den Männerfußball zu wechseln. Mit ihm werden wir unserem Ziel näherkommen, mehr Konstanz auf den Trainerposten am Campus zu schaffen."

Holger Seitz
Der Sportliche Leiter sieht den neuen U17-Trainer Michael Hartmann als „absolute Verstärkung".

Wir haben schon darüber gesprochen, dass die Amateure in der vergangenen Saison mit vielen Spielern aus dem älteren U19-Jahrgang gespielt haben und damit sehr erfolgreich waren. In dieser Saison ist es ähnlich gut angelaufen. Wie beurteilen Sie den Saisonstart mit zehn Punkten aus fünf Spielen?
„Nach dem Karriereende von Nico Feldhahn und dem Wechsel von Maxi Welzmüller zur SpVgg Unterhaching haben wir ganz bewusst die beiden Plätze im Kader nicht mit älteren Spielern nachbesetzt. Timo Kern ist jetzt der einzige Routinier. Wir haben das Durchschnittsalter also nochmal heruntergesetzt, um jüngeren Spielern die Möglichkeit zu geben, sich in den Vordergrund zu spielen. Der Auftakt in Eichstätt war sehr zufriedenstellend, in Ansbach haben wir offensiv nicht den besten Tag erwischt. Danach wussten wir bei zwei knappen Siegen kämpferisch und phasenweise auch fußballerisch zu überzeugen. Leider haben wir gegen Aschaffenburg die Führung nicht ins Ziel gebracht. Insgesamt bin ich zufrieden, wie es bisher gelaufen ist und schon sehr gespannt, wie sich unsere junge Truppe am Samstag beim Meisterschaftsfavoriten in Unterhaching schlagen wird. Wir werden mit dieser sehr jungen Mannschaft aber ein wenig Geduld haben müssen, genauso wie mit unseren A-Junioren und auch mit der U17 - mit einigen neuen Gesichtern im Team. Insgesamt blicke ich aber bei allen unseren Mannschaften voller Vorfreude auf die neue Spielzeit und bin sehr optimistisch, was die Zukunft und die weitere sportliche Entwicklung des FC Bayern Campus betrifft."

U17-Chefcoach Michael Hartmann zieht ein positives Vorbereitungsfazit.


Weitere news