
FC Bayern-Fans reisen von überall an, um ihre Mannschaft bei Auswärtsspielen zu unterstützen - selbst wenn es sie Hunderte Kilometer durch die Kälte und die Luft führt. Um diejenigen kennenzulernen, die keinerlei Aufwand und Kosten scheuen, um ihren FC Bayern auch außerhalb der Allianz Arena zu erleben, wollen wir sie ein wenig besser kennenlernen: unsere Auswärtsfans mit ihren besonderen Geschichten, ihrer Liebe und ihrer Leidenschaft für den FC Bayern.
Manche Bayern-Fans reisen allein, andere mit Freunden, wieder andere als Familie. Jannik gehört zu ihnen. Wenn der Teenager über den FC Bayern spricht, liegt ihm die Freude sichtbar in den Augen. Leipzig ist für ihn nicht nur ein weiteres Auswärtsspiel, sondern ein ganzes Wochenende mit seiner Familie im Zeichen des Vereins, der ihn seit Kindheitstagen begleitet.

Gemeinsam mit seiner Mama und seinem Papa ist Jannik bereits am Freitag aus der Nähe von Köln angereist, am Sonntag geht es mit dem Zug zurück ins Rheinland. „Wir machen das hobbymäßig“, sagt sein Vater, „und fahren dadurch viel durch Deutschland.“ Leipzig, Stuttgart, Gladbach, Köln, Dortmund – die Liste der Stationen in dieser Saison ist lang. Dazu kommen regelmäßige Besuche in der Allianz Arena. Eine Dauerkarte besitzen sie nicht. „Das ist praktisch unmöglich“, sagt der Papa. Für Leipzig halfen persönliche Kontakte: Bekannte vor Ort machten den Stadionbesuch möglich.
Das Fansein wurde Jannik in die Wiege gelegt. Sein Vater erzählt, fast ein wenig stolz, wie alles begann. „Ich bin früher als Kind mit meinen Eltern immer nach Bayern und nach Österreich in den Urlaub gefahren, in die Berge. Daher kam die Verbindung.“ Geboren 1972, aufgewachsen mit Spieler-Vorbildern wie Karl-Heinz Rummenigge und Klaus Augenthaler, war er von Kindesbeinen an Bayern-Fan – obwohl sein eigener Vater es nicht war. „Ich bin gar nicht wegen der Erfolge Fan geworden, sondern weil mein Herz an dem Verein hängt“, sagt er. „Uns geht immer das Herz auf, wenn wir Richtung Bayern fahren und die Alpen sehen. Wenn wir nach München oder ins Stadion kommen, ist das fast wie nach Hause fahren.“
Es ist ein Traum für mich, mit meinem Sohn solche Touren zu machen, abends zusammen ein Bierchen zu trinken – viel mehr geht nicht.
Janniks Papa über die Fanreisen mit dem Sohnemann
Heute ist es für ihn ein besonderes Geschenk, diese Reisen mit seinem Sohn zu teilen. „Es ist ein Traum für mich, mit meinem Sohn solche Touren zu machen, abends zusammen ein Bierchen zu trinken – viel mehr geht nicht.“ Mal sind Vater und Sohn zu zweit im Stadion, mal kommt auch die Mutter mit, wie in Leipzig, die „dem Papa zuliebe“ dabei ist. Für Jannik ist es selbstverständlich, den FC Bayern als Familie zu begleiten – manchmal auch gemeinsam mit seiner Freundin.
Verankert ist diese Leidenschaft auch in der Fanszene in ihrer Heimat. Jannik und seine Familie sind seit Kurzem Mitglied im offiziellen Fanclub „Die Elche“, der seit 1985 in Köln und im Rheinisch-Bergischen Kreis besteht. Erst vor wenigen Wochen nahmen sie an einer Fanclub-Versammlung teil, bei der mit Raimond Aumann eine echte Bayern-Legende zu Gast war – ein Abend, der Eindruck hinterließ und das Gefühl der Nähe zum Verein weiter vertiefte (zum Text).

Die persönlichen Höhepunkte mit dem FC Bayern sind klar benannt. Für Jannik war es „das letzte Spiel von Thomas Müller und sein letztes Tor in der Champions League gegen Inter Mailand“. Ein Moment, der geblieben ist. „Das war mein Highlight. Das war krass.“ Solche Augenblicke sind es, die Auswärtsfahrten, Zugreisen und Wochenenden unterwegs rechtfertigen – und sie immer wieder neu antreiben.
Vor dem Spiel in Leipzig ist die Zuversicht groß. „Ich tippe auf ein 4:1 für uns“, sagt Jannik – und sollte fast recht behalten! Sein Vater schätzt die Aufgabe differenzierter ein. „Es wird nicht einfach. RB wird sich wehren. Aber irgendwann wird schon die erste Saisonniederlage kommen.“
Egal, wie das Spiel letztlich ausging (zum Spielbericht): Für Jannik und seine Familie ist Leipzig ein weiterer Eintrag in einer langen gemeinsamen Geschichte. Eine Geschichte von Heimatgefühl, generationsübergreifender Leidenschaft und dem FC Bayern als konstantem Begleiter. Oder, wie Jannik es selbst sagt: „Wir machen das alles sehr gerne als Familie.“

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